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Eklat bei Wahlkampfveranstaltung: "Wer einen Body-Slam machen kann, ist mein Typ": Donald Trump feiert Gewalt gegen Journalisten

Dass US-Präsident Donald Trump mit weiten Teilen der Presse auf Kriegsfuß steht, ist bekannt. Einen weiteren – sehr deutlichen Beleg – lieferte er nun bei einem Wahlkampfauftritt.

US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Montana

AFP

Weltweit geraten Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes in Gefahr, werden angegriffen oder gar getötet. Das hielt US-Präsident Donald nicht davon ab, jetzt einen Kongressabgeordneten für dessen gewaltsame Attacke auf einen Reporter öffentlich zu loben.

Der Republikaner Greg Gianforte hatte sich im vergangenen Jahr nach einer Frage zur Gesundheitspolitik einen regelrechten Kampf mit dem Journalisten Ben Jacobs von der britischen Zeitung "The Guardian" geliefert und diesen zu Boden gebracht. Der Politiker wurde anschließend wegen Körperverletzung zu einem halben Jahr Haft auf Bewährung, gemeinnütziger Arbeit, Stressbewältigungstraining und einer Geldstrafe verurteilt.

Gianforte selbst bat nach dem Übergriff laut CNN um Entschuldigung für sein Verhalten. "Wenn du einen Fehler machst, musst du ihn eingestehen. So machen wir das in Montana", sagte er demnach. Er sei "nicht stolz auf sein Verhalten", fügte er hinzu. "Ich hätte nicht so reagieren und einen Reporter nicht auf diese Weise behandeln dürfen, es tut mir leid, Ben Jacobs."

Donald Trump verharmlost Angriff auf Reporter

Trotz der Verurteilung und der Reue des Kongressabgeordneten setzte Donald Trump zu einem Lobgesang auf seinen Parteikollegen an.

"Jeder Typ, der einen Body-Slam machen kann, ist mein Typ", rief der US-Präsident bei einer Wahlveranstaltung im Bundesstaat Montana unter dem Gejohle des Publikums von der Bühne. "Body-Slam" ist eine Kampftechnik aus dem Wrestling, die Gianforte bei der Auseinandersetzung mit dem Reporter eingesetzt hatte. Trump habe zunächst gedacht, der Angriff Gianfortes würde dessen Chance, gewählt zu werden, mindern. "Dann habe ich gedacht: 'Warte mal, ich kenne doch Montana ganz gut, ich denke, das wird ihm helfen'. Und das hat es", gab er dem Übergriff gegen den Journalisten quasi seinen präsidialen Segen. Greg Gianforte sei "einer der am meisten respektierten Leute im Kongress", sagte Trump und zog die Attacke ins Lächerliche. "Aber fangt nicht an mit ihm zu kämpfen."

Die Äußerungen Trumps sorgten für Empörung. Der US-"Guardian"-Chef John Mulholland erklärte: "Einen Angriff auf einen Journalisten zu feiern, der einfach seinen Job gemacht hat, ist ein Angriff auf den ersten Zusatzartikel (der US-Verfassung) durch jemanden, der einen Eid auf dessen Verteidigung geschworen hat." In dem Zusatzartikel wird die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten garantiert. "Vor allem nach dem Mord an dem saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi lädt das zu Angriffen auf Journalisten hier und in aller Welt ein, wo sie oft weitaus größeren Bedrohungen ausgesetzt sind", so Mulholland weiter. (Lesen Sie hier mehr zum Fall des in der Türkei verschwundenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.)

Dass US-Präsident Donald Trump mit weiten Teilen der Presse in den Vereinigten Staaten auf Kriegsfuß steht, ist bekannt. Seine Abneigung gegen Journalisten zeigte er bislang wahlweise etwa durch Beschimpfungen als "Fake News Media", durch das Verbreiten "Alternativer Fakten" oder durch Ignorieren und Ausschließen von Pressevertretern. Der Auftritt in Montana markiert das erste Mal, dass der Präsident öffentlich und unmissverständlich Gewalt gegen Journalisten gutheißt.

Pressefreiheit unter Druck

Die Pressefreiheit gerät weltweit immer mehr unter Druck, auch in demokratischen Staaten. In der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation "Reporter ohne Grenzen" sind die USA nur auf dem 45. von 180 Plätzen. In Ihrem Jahresbericht macht die Journalistenvereinigung dafür auch Donald Trump verantwortlich, indem er unter anderem die Presse wiederholt als "Feind des amerikanischen Volkes" bezeichnet. Körperliche Attacken und staatliche Sanktionen gegen Reporter hätten in der Folge zugenommen.

Die 22-jährige Schauspielerin Caroline Sunshine ist seit Ende März Presseassistentin in Donald Trumps Team.
mit AFP-Material