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USA und Nordkorea: Trump und Kim: Ein Pärchen, das nicht zusammenkommen kann - oder doch?

Keine 24 Stunden nach Absage des Donald-Trump-Kim-Jong-Un-Gipfels herrscht Enttäuschung und Ratlosigkeit. Eigentlich wollten doch beide Seiten diese Zusammenkunft. Möglicherweise gibt es eine Lösung - präsentiert vom US-Präsidenten selbst.

Donald Trump auf einem Plakat

Nach dem geplatzten Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un demonstrieren Aktivisten im südkoreanischen Seoul für Frieden in Korea.

Getty Images

Ein wenig erinnert die Situation an ein Pärchen, das nicht zusammenkommen kann. Obwohl beide irgendwie wollen, stellt sich das Schicksal breitbeinig zwischen sie. Aber resignieren gilt nicht - das hat sowohl Donald Trump in seinem traurigen Brief an Kim Jong Un deutlich gemacht als auch Nordkorea selbst. Nach der Gipfelabsage aus Washington hofft der US-Präsident weiter auf ein Treffen mit den asiatischen Diktator, aus Pjöngjang heißt es, man sei jederzeit bereit, die Gespräche aufzunehmen. Warum es zwischen den beiden Möchtegernturteltauben nicht klappt, ist weiterhin etwas rätselhaft. Und auch, wie es zwischen ihnen weitergeht.

Das gegenseitige Interesse ist da

Sicher ist, dass beide Seiten weiterhin Interesse aneinander haben. In der internationalen Politik gibt es neben der Lösung des Nahost-Konflikts keine prestigeträchtigere Trophäe zu gewinnen, als die für Frieden und Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel gesorgt zu haben. Vermutlich war es diese Aussicht, die Donald Trump hat leichtfertig Ja zum Kim-Gipfel sagen lassen. Aber auch Nordkorea will den Handshake mit dem US-Präsidenten. Denn Kim Jong Un versucht, sein Land aus der Isolation zu führen, und die strengen Sanktionen behindern den zarten Aufschwung in seinem Land.

Dass es am 12. Juni in Singapur nicht zu dem erhofften Austausch der beiden Staatschefs kommt, hat unter anderem mit den unterschiedlichen Vorstellungen über das Ziel der Gespräche zu tun. Die Amerikaner wollen die "Denuklearisierung" Koreas, Nordkorea ist bislang nur bereit, auf den Einsatz der Atombombe zu verzichten. Wie diese beiden Positionen je zu einem Kompromiss zusammengeführt werden können, ist ein Rätsel, dessen Lösung sehr lange dauern könnte. Über das Abkommen, das am ehesten mit einem möglichen koreanischen Abrüstungsvertrag vergleichbar wäre, der Atom-Deal mit dem Iran, wurde drei Jahre verhandelt. Schwer vorstellbar, dass der ungeduldige US-Präsident Trump sich so viel Zeit nehmen möchte.

Hat Nordkorea Donald Trump sitzengelassen?

Möglicherweise aber haben beide Seiten schlicht kalte Füße bekommen angesichts der schieren Größe ihres Vorhabens und kleine Störfeuer inszeniert, um die Zusammenkunft von Trump und Kim zu torpedieren. Laut eines US-Regierungsmitarbeiters sollen die mit der Gipfelvorbereitung vertrauten Nordkoreaner seit einigen Tagen einfach abgetaucht sein. Trotz zahlloser Versuche der Kontaktaufnahme, hätten die nordkoreanischen Offiziellen ihre amerikanischen Kollegen "sitzengelassen", so der anonyme Beamte, den die US-Seite "The Daily Beast" zitiert.

Auf amerikanischer Seite war es dagegen Vizepräsident Mike Pence, der mit seiner offenen Drohung für Verärgerung in Pjöngjang gesorgt haben soll. Pence hatte gesagt, sollte Kim nicht auf die US-Forderung eingehen, würde ihn das "Libyen-Modell" erwarten. Damit meinte er das unrühmliche Ende des nordafrikanischen Machthabers Muammar al Gaddafi, acht Jahre nachdem der auf Atomwaffen verzichtet hatte. Dem Sender NBC zufolge soll auch Donald Trump nicht glücklich über die Aussagen seines Stellvertreters gewesen sein.

Löst am Ende China den Knoten?

Die große Trump-Kim-Show ist noch nicht endgültig abgeblasen. Wann und wie sie nachgeholt wird, hängt womöglich nur indirekt von den Staatschefs selbst ab. In den USA etwa werden im November Teile des Kongresses neu gewählt. Fraglich, ob Trump bereit ist, vorher noch das Risiko eines eventuell ungünstigen Gipfelausgangs einzugehen. Ebenfalls unklar: die Rolle Chinas.

Auffällig war, dass Nordkoreas Charmeoffensive nach Kims Besuch beim chinesischen Präsident Xi Jinping vor einigen Tagen abrupt aufhörte. Xis Leute wiederum verhandeln mit den USA derzeit über Zölle und Handel. "Ich bin der Ansicht, dass China seinen Einfluss auf Nordkorea nutzt, um die Amerikaner beim Thema Handel weichzuklopfen", sagt Harry Kazianis, Verteidigungsexperte des US-Thinktanks "Center for the National Interest". Vielleicht liegt die Lösung des Korea-Konflikt einfach im Spiel über die Bande China.

Nachtrag, 16 Uhr: Und dann ist da noch die unvorhersehbarste Kompomente: der US-Präsident selbst. Völlig überraschend kündigte er am Freitagmorgen US-Zeit an, dass das Treffen am 12. Juni vielleicht doch stattfinden könne. Fortsetzung folgt.


vit