VG-Wort Pixel

Nr. 45 gegen Nr. 44 Trump und Obama liefern sich "Ein-Wort-Duell" auf Twitter. Und der Gewinner ist ...?


US-Präsident Donald Trump ist mal wieder auf Twitter über seinen Vorgänger Barack Obama hergezogen. Doch anders als er es bislang meist getan hatte, ignorierte dieser die Attacken nicht, sondern antwortete – wenn auch äußerst knapp.

"Während die US-Präsidentenwahl im November immer näher rückt, hält sich der prominenteste Vertreter der oppositionellen Demokraten im Wahlkampf auffallend zurück": Diesen Satz über Barack Obama konnten Sie noch Ende Februar an dieser Stelle in einem Artikel über den früheren US-Präsidenten lesen. Mittlerweile ist er obsolet. Zwar vermeidet Obama es weiterhin, seinen Nachfolger Donald Trump und dessen republikanische Partei öffentlich direkt zu attackieren. Trotzdem hört man seit einige Zeit auffallend häufig kritische Worte von ihm. Oder auch nur ein Wort, wie jetzt auf Twitter.

"Vote", schrieb Obama am Donnerstagabend im Kurznachrichtendienst ohne weiteren Kommentar. Die gleiche Botschaft postete er auf seinen Instagram- und Facebook-Accounts.

Obama reagiert auf Trump-Attacke

Es mag überraschen, dass der Ex-Präsident gerade jetzt zum Wählen aufruft, sind es doch noch fast sechs Monate, bis die US-Bürger über den künftigen Bewohner des Weißen Hauses entscheiden. Doch eine Erklärung dafür ist schnell gefunden: Obamas Postings sind offenbar seine auf den Punkt gebrachte Antwort auf Trumps Angriffswelle gegen ihn, mit der dieser zuvor die sozialen Medien überschwemmt hat.

In einer Reihe von Tweets und Retweets hatte Trump seinen Amtsvorgänger zuvor attackiert und verlangt, dass der US-Kongress Obama wegen des "bei Weitem größten politischen Verbrechens und des größten Skandals in der Geschichte der USA" vorladen und verhören müsse. Seine Angriffe krönte der 45. Präsident der Vereinigten Staaten mit dem ebenfalls nur ein Wort umfassenden Tweet: "Obamagate". 

Als "Obamagate" bezeichnet Trump die Affäre um seinen früheren nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn. Dieser hatte sich im Dezember 2017 schuldig bekannt, das FBI bei dessen Ermittlungen wegen möglicher russischer Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl 2016 über seine Kontakte zum ehemaligen russischen Botschafter Sergej Kisljak belogen zu haben. Trump feuerte Flynn daraufhin nach nur 23 Tagen im Amt und schrieb selbst Ende 2017 auf Twitter, er habe den Ex-General entlassen müssen, weil dieser das FBI und Vizepräsident Mike Pence angelogen habe. Im Januar dieses Jahres beantragte Flynn dann, sein Geständnis zu widerrufen.

Der Fall ist mittlerweile zu einem Wahlkampfthema geworden, mit dem vor allem die Republikaner ihre Basis gegen eine vermeintliche Verschwörung des Establishments anstacheln. Trump, der die Russland-Affäre als "Schwindel" bezeichnet, behauptet, ohne Belege dafür zu liefern, die Obama-Administration habe während der Übergangsperiode von der alten zur neuen US-Regierung Ende 2016 ihre Macht aus politischen Gründen missbraucht und gegen Flynn gerichtet. Dieser sei von Obama ins Visier genommen worden, um ihm - Trump - zu schaden.

Das Justizministerium ließ seine Anschuldigungen gegen Flynn vor einer Woche fallen und beantragte beim zuständigen Bundesgericht in Washington, das Verfahren gegen ihn einzustellen, die Demokraten brandmarkten das als "grenzenlose Politisierung der Justiz". In einem vertraulichen Gespräch mit früheren Mitgliedern seiner Regierung kritisierte auch Obama das Vorgehen des Ministeriums. Wegen solcher Entscheidungen mache er sich Sorgen, dass "unser grundlegendes Verständnis des Rechtsstaates in Gefahr" sei, sagte Obama laut einem Audiomitschnitt.

Obama nennt Trumps Corona-Politik "Katastrophe"

Und auch am Umgang des Weißen Hauses mit der Corona-Pandemie ließ Obama kein gutes Haar. Trumps Krisenmanagement sei "eine absolut chaotische Katastrophe", erklärte er. In der unangemessenen Reaktionen seines Nachfolgers auf die Herausforderungen der Krise spiegele sich eine Denkweise des "'Was ist für mich drin' und 'Zum Teufel mit allen anderen'" wieder. Egoismus und Feinddenken seien zu einem "stärkeren Impuls im amerikanischen Leben geworden".

Von Zurückhaltung Obamas bei der Einmischung in die Politik von Donald Trump kann also schon ein knappes halbes Jahr vor der Präsidentenwahl keine Rede mehr sein. Wenn man bedenkt, dass die heiße Phase des Wahlkampfes noch längst nicht begonnen hat, darf man gespannt sein, was da in den nächsten Monaten von der Nummer 44 noch so alles kommt.

Das "Ein-Wort-Duell" auf Twitter hat Obama auf jeden Fall schon mal klar für sich entschieden: Während Trumps Posting nur von gut 380.000 Usern gelikt wurde, erhielt sein Vorgänger mehr als 1,3 Millionen Herzchen.

Quellen: Barack Obama auf Twitter, Donald Trump auf Twitter, "The Hill", "Huffington Post"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker