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Fox-News-Interview "Flugzeug voll mit schwarz uniformierten Männern" – Trump verbreitet alte Facebook-Verschwörungstheorie

Portlands Bürgermeister Ted Wheeler geht hart mit Donald Trump ins Gericht.
Sehen Sie im Video: Ted Wheeler kritisiert Trump – der antwortet beleidigend.




„Präsident Trump, Sie bringen keinen Frieden, Sie bringen keinen Respekt in unsere Demokratie ein.“


Portlands Bürgermeister Ted Wheeler geht hart mit Donald Trump ins Gericht.


Der Grund: Während der anhaltenden Proteste in der Westküsten-Metropole war zuvor ein Mann erschossen worden.


2500 Trump-Anhänger versammeln sich zu einem Autokorso. Als diese auf Gegendemonstranten treffen, kommt es zu schweren Ausschreitungen.


Den Grund für die eskalierende Gewalt sieht Wheeler in der zunehmenden Spaltung der US-Bevölkerung – für die er Trump verantwortlich macht.


„Fragen Sie sich ernsthaft, Mister President, warum es das erste Mal seit Jahrzehnten ist, dass Amerika diesen Grad an Gewalt sieht? Sie sind es, der den Hass und die Spaltung erschaffen hat.“


„Sie haben versucht uns zu spalten, mehr als jede andere Person, in der modernen Geschichte. Und jetzt wollen Sie, dass ich die Gewalt stoppe, bei deren Erschaffung Sie geholfen haben. Was Amerika braucht, ist dass Sie gestoppt werden.“


Um seine Aussagen zu untermauern, führt Wheeler zahlreiche Beispiele an, mit denen Trump das Land gespalten habe.


„Präsident Trump, vier Jahre lang mussten wir mit Ihnen leben und ihren rassistischen Angriffen auf Schwarze. Wir haben früh von ihrer sexistischen Haltung Frauen gegenüber erfahren. Wir mussten Clips ertragen, in denen Sie einen behinderten Mann veralbern. Wir mussten ihre antidemokratischen Angriffe auf Journalisten anhören. Wir haben ihre Tweets gelesen, in denen sie Privatpersonen angehen, bis zu dem Punkt, an dem sie Morddrohungen erhalten. Und wir haben ihre Angriffe auf Immigranten gehört. Wir haben zugehört, als sie Mexikaner als Vergewaltiger abgestempelt haben.“


Trump reagiert auf Twitter in gewohnt spöttischer Manier auf die Vorwürfe des demokratischen Bürgermeisters:


„Ted Wheeler, der verrückte, linksradikale, nichts unternehmende, demokratische Bürgermeister von Portland, der Tod und die Zerstörung seiner Stadt während seiner Amtszeit angesehen hat, denkt, dass diese rechtlose Situation für immer anhalten sollte. Falsch! Portland wird sich niemals von diesem Narren-Bürgermeister erholen.“ – Donald Trump, Twitter


In einem weiteren Tweet beschreibt er Wheeler als „schwach und erbärmlich“.


Trump, der sich im Rahmen der anhaltenden Anti-Rassismus-Proteste für ein hartes Durchgreifen der Behörden stark macht, schreibt außerdem, dass die Nationalgarde für einen Einsatz in Portland bereitstünde. Der Gouverneur brauche ihn nur anrufen.


Anlässlich der Gewalt in Portland äußert sich auch der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden zu Trump.


„Donald Trump ist seit vier Jahren Präsident. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt, die Spannungen stärker, die Spaltungen tiefer. Jeder von uns ist gefährdet, weil er den Job des amerikanischen Präsidenten nicht richtig macht.“
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Geheimnisvoll sprach der US-Präsident im TV von "Männern, die in Flugzeugen" kämen und es auf den Republikaner-Parteitag abgesehen hätten. Details nannte er nicht. Wie auch? Donald Trump wiederholte einfach eine monatealte Verschwörungstheorie.

Interviews mit bizarrem Inhalt zu geben, hat bei Donald Trump schon fast Tradition. Da machte das Gespräch mit seinem Fox-News-Spezi Laura Ingraham keine Ausnahme. Von ihren seichten Nachfragen kaum irritiert, sprach der US-Präsident geheimnisvoll von "dunklen Schatten" und "Leuten auf der Straße", die seinen Herausforderer Joe Biden kontrollieren würden. Und dann gäbe es da noch dieses "Flugzeug voll von dunkel Uniformierten", die angeblich den jüngst beendeten Parteitag der Republikaner hätten torpedieren sollen. Details dazu könne er erst später nennen, so Trump, Untersuchungen würden noch laufen.

Nun kann man davon ausgehen, dass der Mann aus dem Weißen Haus von Dingen weiß, die der breiten Bevölkerung eher unbekannt sind, aber diese Andeutungen klangen dann doch eher wie wirre Verschwörungstheorien als nach einer konkreten Bedrohung. So gut wie sicher: Die Geschichte vom Schurken-Flugzeug ist nicht neu. Bereits am 1. Juni tauchte eine fast identisch klingende Erzählung auf Facebook auf, wie etwa der US-Sender NBC schreibt. Genauer: Ein Nutzer aus der Stadt Emmett in Idaho hatte in einem Post vor einem Dutzend schwarz gekleideter Menschen in einem Flugzeug aus Seattle gewarnt, die Angriffe auf die Innenstadt und Wohnbezirke planten.

Sheriff muss Falschinformation aufklären

Diese Warnung hatte sich als völlig gegenstandslos erwiesen, dennoch machte sie in anderer Form weiterhin die Runde. In einem anderen Post war plötzlich von einem Flugzeug die Rede, mit denen die Antifa ihre Leute nach Idaho schicken würden – was der örtliche Sheriff angeblich bestätigt hätte. Doch auch das stimmte nicht. Laut NBC sah sich der zuständige Ordnungshüter aus dem Payette County gezwungen, diese Gerüchte in einer Bekanntmachung als "Falschinformation" zu deklarieren.

Warum der US-Präsident vor einem Millionenpublikum eine monatealte und längst widerlegte Verschwörungstheorie aufwärmt, ist unklar. Aber es ist nicht das erste Mal, dass er unbewiesene Behauptungen aufstellt. Zuletzt verbreitete er etwa die Verschwörungstheorie, nach der die Demokratin Kamala Harris nicht für die Vizepräsidentschaft kandidieren dürfe, weil sie eine Tochter von Einwanderern sei. Ähnliches hatte er schon vor vielen Jahren Barack Obama vorgeworfen. Laut der absurden "Birther"-Theorie sei Obama kein gebürtiger Amerikaner und daher auch kein legitimer US-Präsident.

Donald Trump kokettiert mit QAnon-Fans

Vor wenigen Wochen gab der aktuelle Chef des Weißen Hauses sogar damit an, dass ihn die Anhänger der "QAnon-Verschwörungstheorie" verehren würden. "Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiß", sagte Trump dazu. Zwar wisse er nicht viel über die Bewegung, habe aber gehört, dass es Leute sind, die unser Land lieben."

Für die QAnon-Anhänger ist der US-Präsident die letzte Verteidigungslinie, die die Welt vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen retten werde. Ihrer Ansicht nach würde eine geheime Elite aus Politik und Wirtschaft, Kinder entführen, um aus ihrem Blut Verjüngungsmittel herzustellen. Was wie eine Satire auf die gängigen Verschwörungstheorien klingt, gewinnt zunehmend an Wucht. Zuletzt hatten Facebook und Twitter Abertausende von QAnon-Gruppen und Accounts gesperrt.

Lädt Briefwahl zur Wahlfälschung ein?

Die sozialen Netzwerke hatten auch schon fragwürdige Posts von Donald Trump mit Faktenchecks versehen. Etwa als der US-Präsident auf Twitter behauptet hatte, dass Briefwahlen eine Einladung zur Wahlfälschung seien und daher vermieden werden sollten. In den USA gibt es keine Hinweise darauf, dass die Abstimmung per Post jemals Wahlergebnisse verfälscht hätte.

Quellen: DPA, NBC News


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