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Trumps Ex-Berater: Pässe, Reisen und Millionen verschobene Dollar: die bizarren Details aus der Manafort-Anklage

Handy unter falschem Namen, Dutzende von Reisezielen und Bankkonten - und Millionen von Dollar, die über dunkle Wege gewaschen worden. Die Vorwürfe gegen Donald Trumps Ex-Wahlkampfchef lesen sich wie das Klischee eines Spionageromans.

Donald Trumps Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort (r.) steht jetzt unter Hausarrest

Donald Trumps Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort (r.) steht jetzt unter Hausarrest

Der Begriff "sophisticated" kommt in dem Bericht gleich mehrfach vor. Je nach Zusammenhang bedeutet er so viel wie ausgeklügelt, erfahren, anspruchsvoll, aber auch kultiviert, weltmännisch, elegant. Würde es dieses Wort noch nicht geben, für den Lebenswandel von Paul Manafort hätte man es erfinden müssen. Amerikanischen Medien liegen die Gerichtsakten vor, in denen der US-Sonderermittler Robert Mueller seine Anklage gegen ehemaligen Wahlkampfmanager begründet. Auf 37 Seiten legt er ausführlich dar, wie viele Konten Manafort in den letzten Jahren eröffnet hat, in welche abgelegenen Ecken er gereist ist, welche Vermögenswerte er für Kredite angegeben hat und wie er Mobilfunktelefone unter falschem Namen laufen ließ. Für seinen Einfallsreichtum bräuchte man im Deutschen drei bis sechs Wörter, im englischen reicht "sophisticated".

25, 48 oder 136 Millionen Dollar Vermögen? 

Beeindruckend ist etwa die Passage, in der das FBI die zahllosen Vermögensangaben ermittelt hat, mit denen der 68-Jährige innerhalb nur eines Jahres hausieren ging, unter anderem für Immobiliendarlehen. Im November 2016 habe er seinen Besitz auf rund 25 Millionen Dollar taxiert. Im August zuvor soll er bei 63 Millionen Dollar gelegen haben, im Mai des Jahres seien es noch 136 Millionen gewesen, im März nur 42 Millionen, während es im Februar noch 48 Millionen betragen habe. Ähnlich hin und her ging es in den Jahren zuvor. Auch bei mitangeklagten Mitarbeiter Richard Gates hat die Bundespolizei ähnlich variantenreiche Vermögensangaben gefunden.


Wörtlich schreiben die Ermittler: "Die Beschuldigten unterhielten ein langanhaltendes komplexes System, um Millionen von Dollar in die USA fließen zu lassen. Die dazu benötigten Instanzen und (Bank-)Konten lagen in Zypern, den Grenadinen, Seychellen und England und wurden durch die Beschuldigten kontrolliert oder besessen. Insgesamt spricht das von 75 Millionen Dollar, die auf diese Art und Weise um den Erdball geschickt worden sein sollen. Die Anklage gegen die beiden lautet daher unter anderem auch auf Geldwäsche. Insgesamt zwölf Punkte umfasst die Klageschrift, finanzielle Vergehen sind in der Mehrzahl. Eigentlich war Manafort ins Visier des dem US-Sonderermittlers geraten, um Vorwürfe zu klären, ob und wie Russland sich in den US-Wahlkampf eingemischt hat.

Paul Manafort - ein globaler Politstratege

Trumps ehemaliger Wahlkampfleiter musste im Sommer vergangenen Jahres seinen Posten nach nur wenigen Monaten aufgeben, nachdem bekannt geworden war, dass er Vergütungen in Millionenhöhe vom früheren und kremlnahen Präsidenten der , Viktor Janukowitsch, erhalten hatte. Weil er sich für seine Beratertätigkeit nicht als "ausländischer Agent" hat registrieren lassen, muss sich Manafort auch dafür verantworten. Der umtriebige Lobbyist und Politstratege hat für eine Reihe zweifelhafter Staatsführer gearbeitet. Darunter der ehemalige Diktator der Philippinen, Ferdinand Marcos, Ibrahim Babangida aus Nigeria, Siad Barre aus Somalia.


Um seinen vielfältigen Geschäften und Tätigkeiten nachzukommen, hat Manafort in den letzten Jahren zahllose Reisen rund um die Welt unternommen:

  • Dem FBI sind Trips nach Mexiko, China Ecuador, Dubai, Panama, Havana, Shanghai, Madrid, Tokio und auf die Cayman Islands in der Karibik bekannt.
  • Auch Zypern stand mehrfach auf der Reiseliste Manaforts und Gates. Dort unterhielten sie offenbar Konten, von denen aus Geld aus der Ukraine über Saint Vincent and the Grenadines in die Vereinigten Staaten verschickt wurde.
  • Laut FBI besitzt Paul Manafort drei US-Pässe, alle mit verschiedenen Passnummern. Insgesamt soll er in zehn Jahren zehn Anträge auf neue Reisepässe gestellt haben.
  • Manafort soll nicht nur einen Handyvertrag unter einem Pseudonym abgeschlossen haben, auch mindestens ein E-Mail-Postfach betrieb er unter falschem Namen.

Beweislage noch nicht endgültig

Sonderermittler weist in seinem Dossier ausdrücklich darauf hin, die vorliegende Beweislage sei noch nicht endgültig. Was durchaus bedeuten kann, dass einige Anklagepunkte wieder wegfallen - oder auch neue dazukommen. US-Präsident Donald Trump, den die FBI-Untersuchung in der Russland-Affäre derzeit belastet, hatte die bisherigen Ermittlungsergebnisse mit Erleichterung aufgenommen, da sie seinen Ex-Mitarbeiter und damit ihn selbst nicht in der Russland-Sache belasten. Doch der Fall USA vs. Manafort ist noch lange nicht abgeschlossen.

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