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Trump-Beraterin: Kellyanne Conway: Last woman standing

Mehr als ein Dutzend enger Mitarbeiter hat Donald Trump bereits verloren. Nur eine steht fest an seiner Seite: Kellyanne Conway. Ausgerechnet die Frau, die den US-Präsidenten nicht ausstehen kann, bleibt ihm treu.

Kellyanne Conway im Oval Office

Kellyanne Conway im Oval Office. Natürlich hat die Art, wie sie auf dem Sofa hockt, zu zahlreichen Spekulationen über die Natur ihres Engagements gesorgt

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Der vorvorletzte Rückzug fand fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Omarose Onee Manigault-Newman, genannt Omarosa schmiss Mitte Dezember hin, die Trennung erfolgte nicht im Guten. Nein, sie würde Donald Trump in Zukunft nicht mehr wählen, sagte die 44-Jährige nach ihrem Ausscheiden aus dem Weißen Haus. Von den drei Frauen die der US-Präsident am liebsten um sich hatte, war die PR-Chefin die unbekannteste. Und die erste, die ging. Hope Hicks, die "Trump-Versteherin", folgte ihr nur wenige Wochen später. Von den drei Frauen, die der US-Präsident am liebsten um sich hatte, ist nun nur noch Kellyanne Conway übrig. Ausgerechnet Conway.

Kellyanne Conway hat den Trump An/Aus-Knopf

Bevor die 51-Jährige zum Trump-Team stieß, hätte sie wohl selbst am wenigsten gedacht, dass sie einmal Gesicht und Sprachrohr eines US-Präsidenten namens Donald Trump werden würde. Denn Kellyanne Conway, so Beobachter, ist nicht mal ein besonders großer Trump-Fan. Nach einer Ausgabe der TV-Sendung "Morning Joe" im Frühjahr vergangenen Jahres soll sie über ihren Job als Präsidenten-Verteidigerin gesagt haben: "Würg, ich muss dringend eine Dusche nehmen." US-Autor Michael Wolff schreibt in seinem Enthüllungsbuch "Feuer und Zorn" von einem "praktischen Knopf", über den sie verfüge: Trump-Modus an, Trump-Modus aus.

Scheinbar gibt es also mehrere Kellyanne Conways: Eine, die ihren Chef bis aufs Blut verteidigt, sei es noch so schmerzhaft und peinlich. Wie damals, als sie den Begriff "alternative Fakten" prägte. Oder kurzerhand ein "Bowling-Green-Massaker" erfunden hat, das es so nie gab. Und dann eine Kellyanne Conway, die durchaus weiß, welchen Quatsch sie da verkauft. Die aber offenbar beschlossen hat, das alles durchzustehen. Irgendwann wird auch das vorbei sein und bis dahin ist sie eben Donald Trumps rechte und linke Hand - loyal bis zur Selbstverleugnung.

Ihre Kollegen sind voll des Lobes

Glaubt man Leuten aus dem Umfeld des US-Präsidenten, dann beginnt sich ihre unbeirrbare Treue tatsächlich auszuzahlen. Wenn sie nicht gerade die Volten ihres Chefs vor TV-Kameras als so etwas wie Politik verkauft, dann arbeitet sie hinter den Kulissen am Problem des Opiat-Missbrauchs. Schon länger leiden die USA an einer Flut an Drogen wie Heroin, Fentanyl und Schmerzmitteln. Für 2017 melden die Krankenhäuser eine Steigerung der Überdosis-Fälle von 30 Prozent. Eigentlich sollte sich Trumps Schwiegersohn Jared Kushner um das Problem kümmern. Doch Conway war es, die kürzlich einen "Drogengipfel" im Weißen Haus zusammentrommelte, an dem auch Trump teilnahm.

Es sei ihr Verdienst, das die Sache überhaupt im Weißen Haus angekommen ist, sagte Chris Christie, der mit Conway in der Opiat-Krise zusammenarbeitet. "Sie hat einen schlechten Ruf - aber den verdankt sie diesen fürchterlichen Leuten im Weißen Haus", so der Ex-Gouverneur von New Jersey in der "New York Times". Voll des Lobes äußert sich auch eine Freundin Conways, die sich bei den oppositionellen Demokraten engagiert. Ihre größte Stärke sei es, immer zu wissen für wen und was sie arbeitet, zitiert das Blatt die Frau, die anonym bleiben will.

Conway - die loyalste Opportunistin 

Doch manchmal übertreibt es Kellyanne Conway mit ihrem Engagement, was aus ihr einer der loyalsten Opportunisten Washingtons macht. Bis sie sich im Sommer 2016 der Trump-Wahlkampfmannschaft anschloss, trommelte sie für den Kandidaten-Konkurrenten Ted Cruz. Trump, so Conway damals, würde sich "zur Nominierung hochbeleidigen", außerdem sei er zu extrem und kein "echter Konservativer". Nachdem Cruz aber durchgefallen war, schloss sich die Umfragespezialistin dem Team des späteren Wahlsiegers an. Beziehungsweise wurde angeschlossen. Denn es war die rechtskonservative Milliardärsfamilie und republikanische Wahlkampffinanzier Mercer, die dafür sorgte, dass Conway für Trump arbeitete. Der Lohn: Sie ist die einzige Wahlkampfchefin in der Geschichte der USA, die ihren Schützling erfolgreich ins Weiße Haus bugsieren konnte.

Nur leider war der Erfolg so nicht geplant. Niemand im Umfeld des Immobilienkandidaten rechnete ernsthaft mit seinem Sieg, wie mittlerweile bekannt ist. Alle Beteiligten, bis auf Trumps Gattin Melania vielleicht, verstanden ihr Engagement als Karriereturbo. Conway zum Beispiel strebte eine große TV-Laufbahn an. Sie wollte raus aus dem Schatten ihrer konservativen Schwestern im Geiste, den erfolgreichen Moderatorinnen Ann Coulter und Laura Ingraham. Nun steht sie zwar immer noch vor der Kamera, doch fällt es ihr weiter schwer, die für Präsidenten-Mitarbeiter nötige und geforderte Contenance zu wahren. Kurz nach Donald Trumps Amtseinführung etwa forderte sie Zuschauer von Fox News ungeniert auf, Sachen aus Ivanka Trumps Modelinie zu kaufen. Im Weißen Haus werden sie sich in die Hände geklatscht haben, offiziell gab es natürlich einen Rüffel.

Unerlaubt Wahlwerbung gemacht

Schwerer wiegt da schon ihr jüngster Anfall von Werbetrommelei - auch wenn Konsequenzen bislang ausgeblieben sind. Im Dezember stand in Alabama eine Senatsnachwahl an. Gesucht wurde ein Nachfolger für Jeff Sessions, der als Justizminister in die Trump-Regierung gewechselt war. Die Bewohner des erzkonservativen Südstaats hatten die Wahl zwischen dem Demokraten Doug Jones und den schillernden wie reaktionären Roy Moore. Weil Trump auf jede republikanische Stimme im Senat angewiesen ist, versuchte Kellyanne Conway zwei Auftritte bei Fox News und CNN zur Wahlwerbung für den umstrittenen Kandidaten zu nutzen. Doch Regierungsvertretern ist das nicht erlaubt, das Office of the Special Counsel, eine Ermittlungsbehörde, hat das Weiße Haus diese Woche rüber den Fehltritt informiert.

Conways Glück: Die Institution ist ein zahnloser Tiger, wie CNN anmerkt, irgendwelche Strafen drohen ihr kaum. Ohnehin scheint die Mutter von vier Kindern mittlerweile Narrenfreiheit zu genießen. Sie hat mehr ein Dutzend enger und engster Trump-Mitarbeiter kommen und gehen sehen. Sie hat die Mobbing-Attacken der Trump-Kinder überstanden und sie ist neben Tochter Ivanka vermutlich der letzte Mensch, der den Präsidenten zu nehmen weiß. Es ist gut möglich, dass die private Kellyanne Conway ihren Chef für einen grauenhaften Idioten hält. Doch so wie es aussieht, kann die berufliche Kellyanne Conway nicht mehr ohne Donald J. Trump.