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US-Justizminister unter Druck: Donald Trumps Männer für Moskau

Zwei Berater von Donald Trump mussten wegen ihrer Kontakte nach Russland bereits zurücktreten, nun steht Justizminister Jeff Sessions aus dem gleichen Grund in der Kritik. Und er ist nicht der einzige aus Trumps Team mit guten Drähten nach Moskau.

Donald Trump Vereidigung Jeff Sessions

US-Vizepräsident Mike Pence (r.) vereidigt unter den Augen seines Chefs Donald Trump Jeff Sessions als Justizminister

Droht dem US-Präsidenten der nächste Ärger mit seinem Personal? Laut der "Washington Post" soll sein ohnehin umstrittener Justizminister Jeff Sessions Kontakte zu einem russischen Botschafter gehabt haben - obwohl er bei seiner Senatsanhörung unter Eid beteuert hatte, "keine Kommunikation mit den Russen" gehabt zu haben.

Dem Blatt sagte Sessions, er habe "nie einen russischen Vertreter getroffen" und er wisse nicht, worauf sich die Anschuldigen beziehen würden. Das Weiße Haus spricht von einer "Attacke" der oppositionellen Demokraten gegen die Regierung. Ob sich die Vorwürfe erhärten oder nicht, die undurchsichtigen Verbindungen seines Team nach Russland werden nicht zum ersten Mal zur Belastung für Donald Trump.

Mindestens drei seiner Berater und Minister pflegen mehr oder weniger gute Kontakte nach Moskau, zwei von ihnen mussten deshalb zurücktreten:

  • Paul Manafort, Ex-Berater: Der 67-Jährige war im März vergangenen Jahres als Wahlkampfchef zur Trump-Mannschaft gestoßen. Bis dahin vor allem als internationaler Lobbyist bekannt, der auch für Diktatoren wie den früheren philippinischen Machthaber Ferdinand Marcos gearbeitet hatte. Wenige Monate später, im August, musste er gehen. Zum Verhängnis wurden ihm Millionenzahlungen aus der Ukraine, die er lange abgestritten hatte. Manafort arbeitete jahrelang für den ehemaligen ukrainischen Präsidenten und Kreml-Verbündeten Viktor Janukowitsch und war auch bestens mit russischen Oligarchen vernetzt.
  • Michael Flynn, Ex-Sicherheitsberater: Der ehemalige General musste nur drei Wochen im Amt wieder zurücktreten. Ihm wurde vorgeworfen, noch vor Antritt der Trump-Regierung mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak (mit dem auch Jeff Sessions früh Kontakt gehabt haben soll) über die von Ex-Präsident Barack Obama verhängten Russland-Sanktionen gesprochen. Dabei soll Flynn zugesichert haben, dass sich die USA unter Trump nachsichtiger gegenüber Moskau zeigen würden als die Vorgängerregierung. Das Problem dabei: Zu der Zeit war Flynn als Privatperson nicht dazu befugt, über solche Angelegenheiten mit Vertretern ausländische Regierungen zu sprechen. Außerdem soll er gegenüber Vizepräsident Mike Pence seine Kontakte geleugnet haben.
  • Rex Tillerson, Außenminister: Noch ein Trump-Mitarbeiter mit besten Kontakten nach Russland. Tillerson wurde 2004 Präsident und zwei Jahre später Vorstandsvorsitzender des Ölriesen ExxonMobil. Sein Konzern ist in mehr als 50 Staaten tätig und unterhält besonders enge Geschäftsbeziehungen zu Russland. 2012 zeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den Konzernchef mit dem Freundschaftsorden aus. Nach Tillersons Nominierung als Außenminister zeigte sich die Regierung in Moskau erfreut: So hob der außenpolitische Kreml-Berater Juri Uschakow Tillersons breite Kontakte nach Russland hervor. "Russische Vertreter - und nicht nur der Präsident - pflegen gute und geschäftsmäßige Beziehungen mit Tillerson", sagte er im Dezember 2016.
  • Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn: Laut der "New York Times" haben sich Michael Flynn und Jared Kushner, Ehemann von Trumps Tochter Ivanka, Ende Dezember mit dem russischen Botschafter Sergei Kisljak in New York getroffen, wie die "New York Times" berichtet. "Sie haben die Beziehung allgemein erörtert und es ergab Sinn, dass sie einen Weg der Kommunikation herstellen", sagte Trumps Sprecherin Hope Hicks dazu. Der Zeitpunkt des Treffens war heikel, da es etwa zum gleichen Zeitpunkt stattfand, zu dem der frühere Präsident Barack Obama auch neue Sanktionen gegen Russland erließ.


US-Präsident Donald Trump hat vor allem während des Wahlkampfs immer wieder betont, dass er möglichst gute Beziehungen zu Russland wünsche - wie viele Präsidenten und Präsidentschaftsbewerber vor ihm auch schon. Anders als die meisten anderen westlichen Staatschefs allerdings äußerte sich Trump oft auffallend freundlich gegenüber dem Kremlchef. Spätestens seitdem die US-Geheimdienste Russland beschuldigen, sich mit Hackerangriffen und gezielten Falschinformationen in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben, beschäftigen sich mehrere Kongressausschüsse mit den Russland-Kontakten des Trump-Teams.