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Drohende Steinigung von Sakineh Ashtiani: Gemeinsam gegen Grausamkeiten

Eine Protestwelle erfasst die Welt: Prominente und mit ihnen Hunderttausende andere Menschen versuchen, die Steinigung von Sakineh Ashtiani zu verhindern.

Von David Weyand

Der weltweite Protest gegen die Steinigung der 43-jährigen Sakineh Mohammadi e Ashtiani nimmt neue Dimensionen an. Riesige Gruppen formieren sich im Internet, Prominente setzen sich für die Iranerin ein. Am kommenden Samstag will nun ein Bündnis von Menschenrechtsorganisationen unter dem Motto "100 Städte der Welt gegen Hinrichtung", gegen Steinigung, Folter und Hinrichtungen im Iran protestieren. Es ist die größte derartige Aktion. Bislang haben weltweit 87 Städte ihre Teilnahme angekündigt, darunter Berlin, Bagdad, Nairobi und New York.

Bereits vergangene Woche war Bianca Jagger, Ex-Frau von Rolling-Stones-Frontmann Mick, in die Offensive gegangen. Sie protestierte auf der Pressekonferenz der "Cinema for Peace Foundation" in Berlin gegen die geplante Hinrichtung und verlas eine Botschaft Ashtianis in der es hieß: "Das alles passiert, weil ich eine Frau bin und man in diesem Land mit Frauen machen kann, was man will; weil Ehebruch schlimmer ist als Mord; weil ich in einem Land lebe, in dem die Frauen nicht das Recht haben, sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen, und man sie ihrer Grundrechte beraubt."

Die weltweite Solidarität für die Iranerin ist riesig. Eine eigens eingerichtete Unterstützer-Seite für Ashtiani im Netzwerk Facebook hat bis heute knapp über 60.000 Mitglieder. Auf der Internetseite „freesakineh“ haben sogar fast 200.000 Menschen eine Online-Petition zur Freilassung unterschrieben. Viele Prominente unterstützen die Aktion: Ingrid Bethancourt, Michael Bloomberg, Michael Douglas, Catherine Zeta Jones, Yoko Ono, Anni Lennox und weitere Unterstützer haben den Aufruf unterschrieben. Die deutsche Bundesregierung fordert die Regierung in Teheran ebenfalls auf, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken. Bereits Anfang August hatte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva angeboten, sein Land würde die Frau aufnehmen. Dies lehnte der Iran jedoch mit Verweis auf eine innere Angelegenheit des Landes ab.

Termin im Justizministerium - Entscheidung ungewiss

Die Mutter zweier Kinder war 2006 wegen eines "unerlaubten außerehelichen Verhältnisses" zu einem anderen Mann zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Außerdem wurde ihr vorgeworfen an der Ermordung ihres Ehemannes beteiligt gewesen zu sein. Das Todesurteil wurde im Mai 2007 durch das Oberste Gericht des Landes bestätigt, zwei Gnadengesuche wurden abgelehnt. Wegen der internationalen Proteste hat die iranische Justiz die Steinigung jedoch vorerst verschoben. Jetzt sitzt Sakineh Ashtiani in der nordwestiranischen Stadt Tabriz im Gefängnis und wartet auf eine Entscheidung. Möglich wäre die Umwandlung der Todesstrafe in eine Haftstrafe. Auch eine Begnadigung durch den religiösen Führer Ayatollah Ali Khamenei könnte ihr noch das Leben retten.

Die in Deutschland lebende iranische Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi bestätigte, dass Ashtianis Anwalt, Javid Houtan Kiyan, am kommenden Mittwoch einen Termin im Justizministerium in Teheran habe. Sie ist aber skeptisch, ob dann schon eine endgültige Entscheidung über das Schicksal Ashtianis erfolge. Ahadi sagte, dass der Fall durch die erhöhte internationale Aufmerksamkeit längst zu einem Politikum geworden sei. Das Regime wolle jetzt zeigen, dass es sich internationale Einmischung verbiete und selbst über das eigene Menschenrechtsverständnis entscheide.

Haftbedingungen verschärft

Ein zweiter Anwalt von Sakineh Ashtiani, Mohamad Mostafaei, musste vor drei Wochen Hals über Kopf in die Türkei fliehen, weil ihm selbst eine Verhaftung drohte. Er hält sich zurzeit in Norwegen auf. Mina Ahadi sagte, dass Mostafaei jedoch nicht länger die Belange der Inhaftierten vertrete. Ihr lägen ein Brief der Kinder und auch von Ashtiani selbst vor, worin diese den Anwalt bitten, nicht mehr in ihrem Namen zu sprechen. Grund seien Äußerungen Mostafaeis in einem Interview, worin dieser nicht mehr ausdrücklich an der Unschuld seiner Mandantin zweifele. Dies habe die Familie mit Unverständnis aufgenommen, so Ahadi.

Nach Aussage von Mina Ahadi, die enge Kontakte zu den beiden Kindern und dem im Iran verbliebenen Anwalt unterhält, wurden die Haftbedingungen für Sakineh Ashtiani offenbar weiter verschärft. Gespräche mit ihrem Anwalt stünden unter starker Beobachtung, dabei würden Videoaufnahmen gemacht, und es seien Wächter unmittelbar anwesend. Dies hänge offenbar mit einem Interview zusammen, welches Ashtiani der britischen Zeitung "The Guardian" Anfang August gab. Über einen Mittelsmann warf sie darin den iranischen Behörden vor, dass diese die Öffentlichkeit verwirren wollten, um sie heimlich umbringen zu können. Die Inhaftierte selbst hat offenbar nur noch wenig Hoffnung aus dem Gefängnis zu kommen. Dies sagte sie nach Angabe Ahadis vergangenen Donnerstag ihren Kindern, die sie dort besuchten.

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