HOME

Der neue Superstar Europas?: Macron fordert Tabu-Brüche und trifft damit ins Schwarze

Emmanuel Macron wird als "mutiger Vordenker für die Erneuerung des europäischen Traums" geehrt. Nicht alle seine Reformideen gefallen der Bundesregierung. Macron mahnt, man müsse Tabus überwinden.

Emmanuel Macron mit seiner Frau Brigitte (r.) und Angela Merkel vor der Verleihung des Karlspreises in Aachen

Emmanuel Macron mit seiner Frau Brigitte (r.) und Angela Merkel vor der Verleihung des Karlspreises in Aachen

AFP

Der französische Staatspräsident hat für seine Verdienste um die europäische Einigung am Donnerstag in Aachen den Internationalen Karlspreis erhalten. Das Karlspreis-Direktorium würdigt Macrons "kraftvolle Vision von einem neuen Europa" und seinen Kampf gegen Nationalismus und Isolationismus. Ausgezeichnet wird Macron als "mutiger Vordenker für die Erneuerung des europäischen Traums", wie es in der Begründung hieß. Der Bundesregierung gefallen allerdings nicht alle seine Reformideen.

In einem Interview der ARD-"Tagesthemen" und der Deutschen Welle plädierte Macron am Mittwochabend für eine Erweiterung des Atomabkommens mit dem Iran, trotz des Ausstiegs der USA.. Die Europäer blieben in dem Abkommen, weil es für die Stabilität im Nahen Osten wichtig sei. Man müsse aber den Ansatz erweitern um Themen wie ballistische Raketen. Dazu hätten , Frankreich und Großbritannien ihren Außenministern das Mandat gegeben.

Emmanuel Macron erhält von den Deutschen viel Zustimmung

Bei den EU-Reformen hofft Macron auf die . Frankreich nähere sich mit Reformen des Arbeitsrechts und Branchentarifen dem deutschen System. "Frankreich wandelt sich." Das müssten die Deutschen erkennen, sagte er in dem Interview. Man müsse Tabus überwinden. Deutschlands Tabu seien die Transferleistungen. Die Vorstellung, dass Deutschland immer zahle, sei absolut falsch, so Macron. In der Finanzkrise habe jeder nach seinem Anteil dazu beigetragen, anderen zu helfen, auch Frankreich. Macron ist ein Jahr im Amt.

Er erhält einer Umfrage zufolge in Deutschland viel Zustimmung für seine Vorhaben. 82 Prozent der Deutschen finden es gut, dass er die mit einer Reihe von Vorschlägen voranbringen will, wie der neue "Deutschlandtrend" von Infratest dimap für die ARD zeigt. Dieses Engagement vermisst die Mehrheit der Befragten dagegen bei der Bundeskanzlerin. 58 Prozent wünschten sich demnach, dass sich die CDU-Chefin mit mehr Leidenschaft für die EU einsetzt. 38 Prozent sehen das anders.

"Endlich wieder ein französischer Präsident, der sich klar zu Europa bekennt"

Der langjährige Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, mahnte die Kanzlerin, stärker auf Macron zuzugehen. Man habe in den Verhandlungen über eine große Koalition das Thema im Koalitionsvertrag "nicht umsonst an die erste Stelle gesetzt", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußerte sich die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt. Die SPD-Politikerin sagte der "Heilbronner Stimme", Macron sei endlich wieder ein französischer Präsident, der sich klar zu Europa bekenne. "Das fehlte zuletzt bei seinen Vorgängern und das fehlt mir auch bei Kanzlerin Merkel."


ivi / DPA