Entführter israelischer Soldat 19 Freilassungen für ein Lebenszeichen von Gilad Schalit


Seit mehr als drei Jahren ist der israelische Soldat Gilad Schalit in der Hand von Palästinensern. Nun hat Israel 19 inhaftierte Frauen freigelassen - als Gegenleistung für ein Video, das zeigt: Schalit ist am Leben und wohlauf.

Israel und die im Gaza-Streifen herrschende Hamas haben unter deutscher Vermittlung einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Gefangenenaustausch gemacht. Die Hamas übergab am Freitag ein Video an Israel mit einem Lebenszeichen des im Juni 2006 entführten Soldaten Gilad Schalit. Israel ließ im Gegenzug 19 inhaftierte Palästinenserinnen frei. Der hochrangige Hamas-Führer Ismail Hanijah bezeichnete die Freilassung der Frauen in Gaza als "Triumph des Widerstandes".

Der israelische Fernsehsender Channel 2 hat das Video mit dem Lebenszeichen des entführten Soldaten inzwischen veröffentlicht. Schalit lächelt zu Beginn der Aufzeichnung. Er hält die palästinensische Zeitung "Al-Filistin" vom 14. September 2009 in der Hand. Schalit wirkt entspannt. Er sieht dünn aus, trägt eine grüne Uniform, ist rasiert und trägt eine Kurzhaarfrisur. Am Ende des Videos steht Schalit auf und läuft - als Zeichen, dass er nicht verletzt ist. Mit seiner Botschaft wende er sich an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie seine Eltern Aviva und Noam Schalit.

Freudentränen am Grenzübergang

Israel hatte als Voraussetzung für Verhandlungen mit der Hamas ein aktuelles Lebenszeichen des entführten Soldaten verlangt. Der letzte von insgesamt nur drei Briefen des Entführten stammt vom Juni 2008. Die Hamas fordert, dass Israel als Gegenleistung für die Freilassung Schalits 1000 palästinensische Gefangene in die Freiheit entlässt. Hamas-Führer Hanijah sagte am Freitag in Gaza: "Ich gratuliere den Frauen, die dank des großen Erfolges der Fraktionen des Widerstandes freigelassen wurden." Er hoffe, dass dieser Teilaustausch ein erster Schritt auf dem Weg zu einem ehrenhaften und umfassenden Gefangenenaustausch mit Israel sei.

18 Frauen wurden am Grenzübergang Betunia im Westjordanland von jubelnden Familienmitgliedern in Empfang genommen. Sie waren zuvor mit Jeeps vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz aus dem Gefängnis in ihre Heimat gebracht worden. Viele Frauen warfen bei ihrer Ankunft überglücklich Kusshände in die Menge. Manche weinten Freudentränen. "Die Situation im Gefängnis war sehr schwierig", sagte die 33 Jahre alte Leila Buchari.

Austausch von Deutschen eingefädelt

Im Gaza-Streifen bereitete die Hamas der entlassenen Palästinenserin Fatima Sak einen großen Empfang. Die 42 Jahre alte Mutter von neun Kindern war im Mai 2007 am Grenzübergang Erez festgenommen worden, weil sie nach israelischen Angaben einen Selbstmordanschlag plante.

Der Austausch war von einem deutschen Vermittler eingefädelt worden, dessen Identität in Israel nicht offengelegt werden darf. Die "Jerusalem Post" berichtete am Donnerstag von einem Vermittlungsteam unter Leitung des BND-Präsidenten Ernst Uhrlau. Ein Sprecher der deutschen Botschaft in Tel Aviv sagte, die Angelegenheit sei streng geheim, man wolle sich dazu nicht äußern. Der BND hat große Erfahrung mit der Vermittlung zwischen Israel und militanten Gruppierungen. Zuletzt hatte der ehemalige Geheimdienstler Gerhard Konrad im vergangenen Jahr einen Gefangenenaustausch zwischen der libanesischen Hisbollah und Israel ausgehandelt.

DPA DPA

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