Entführungen im Irak Familienmitglieder Allawis entführt


Die Organisation Ansar al Dschihad hat sich zur Entführung der drei Familienmitglieder des irakischen Regierungschefs Ajad Allawi bekannt. Sie fordern den Rückzug aus der umkämpften Stadt Falludscha.

Vor dem Hintergrund der Offensive in Falludscha haben islamische Extremisten drei Familienmitglieder des irakischen Regierungschefs Ajad Allawi entführt und mit ihrer Enthauptung gedroht. Bei den Geiseln handelt es sich um einen Cousin von Ministerpräsident Ajad Allawi namens Ghasi Allawi, dessen Frau und seine Schwiegertochter. Sie wurden am Dienstagabend aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt, wie ein Regierungssprecher am Mittwoch mitteilte.

Zu der Geiselnahme bekannte sich im Internet die Organisation Ansar al Dschihad. Sie erklärte, dass sie drei Verwandte Allawis in ihrer Gewalt habe. Die Extremisten forderten den Truppenrückzug aus der umkämpften Stadt Falludscha und die Freilassung von Gefangenen. Wenn Allawi diese Forderungen nicht innerhalb von 48 Stunden erfülle, würden die Geiseln enthauptet. Der irakische Regierungssprecher Thair al Nakib erklärte, der Cousin Allawis sein 75 Jahre alt und habe keinerlei Verbindungen zur Politik.

Stärkste sunnitische Partei verlässt Regierungskoalition

Aus Protest gegen die Großoffensive in Falludscha hat die stärkste sunnitische Partei, die Irakische Islamische Partei, die Regierungskoalition von Ministerpräsident Ijad Allawi verlassen. Wie der Vorsitzende der sunnitischen Partei am Mittwoch sagte, gab es "unüberbrückbare Differenzen" über die Vorgehensweise in Falludscha.

Deshalb habe er den einzigen Minister der Partei im Kabinett aufgefordert, unverzüglich die Regierung zu verlassen. Industrieminister Hadschem al-Hassani wollte jedoch nicht zurücktreten. Daraufhin wurde der Minister aus der Partei ausgeschlossen. Die Islamische Partei ist die stärkste sunnitische Partei Iraks und zugleich eine der ältesten. Sie wurde 1960 gegründet, während des Saddam-Regimes aber verboten.

Geistliche rufen zu Wahlboykott auf

Die Unterstützung Allawis für die US-Offensive in Falludscha hat die Regierung in den vergangenen Tagen auch im eigenen Lager unter Druck gesetzt. Sunnitische Geistliche riefen zu einem Boykott der Januar-Wahlen auf. Der Vorsitzende der Vereinigung muslimischer Geistlicher, Harith al Dhari, sagte, die Sunniten könnten nicht an einer Wahl teilnehmen, die "über den Leichen der in Falludscha Getöteten" stattfinde.

Offensive in Falludscha geht weiter

Am dritten Tag ihrer Offensive in Falludscha hatten die US-Truppen nach eigenen Angaben 70 Prozent der irakischen Stadt unter Kontrolle. Jedoch kam es weiter zu Straßenkämpfen mit kleinen Gruppen von irakischen Rebellen. Bislang kamen bei den Kämpfen um Falludscha nach Militärangaben 71 Aufständische und 10 US-Soldaten ums Leben. Wieviele Einwohner insbesondere bei den wiederholten Luftangriffen ums Leben kamen, ist nicht bekannt.

Marineinfanteristen seien über die Hauptstraße im Stadtzentrum hinaus weiter nach Süden vorgestoßen, sagte der amerikanische Major Francis Piccoli. "Gesichert und unter Kontrolle" sei auch das Viertel Dscholan im Nordwesten von Falludscha, wo Rebellen Sprengfallen platziert hätten, um den Vorstoß der US-Truppen aufzuhalten. Hingegen halten sich die Aufständische weiter in einem Streifen entlang der Hauptverbindungsstraße von West nach Ost verschanzt.

Etwa 100 Männer, Frauen und Kinder verließen am Mittwoch Falludscha und begaben sich zu den US-Truppen im Süden der belagerten Stadt. Ein Militärsprecher sagte, dass alle Männer im kampffähigen Alter in Haft genommen würden.

US-Kommandeure erklärten, die Offensive verlaufe nach Plan. Generalleutnant Thomas Metz erklärte auf einer Pressekonferenz des Pentagons, dass sich der gesuchte Extremistenführer Abu Mussab al Sarkawi offenbar nicht mehr in Falludscha aufhalte.

Anschlag auf US-Waffeninspekteur

Der US-Waffeninspekteur Charles Duelfer ist im Irak nur knapp einem Selbstmordanschlag entgangen. Wie die Fernsehsender CBS und NBC am Dienstag berichteten, wurden bei dem Angriff zwei von Duelfers Leibwächtern getötet. Laut CBS fuhr der Waffeninspekteur am Montag in einem Konvoi zum Bagdader Flughafen, als ein Selbstmordattentäter versuchte, seinen Wagen zu rammen. Der Täter habe jedoch von Begleitfahrzeugen abgedrängt werden können.

AP/DPA AP DPA

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