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Falludscha-Offensive: "Die sitzen im Süden in der Klemme"

Die US-Armee hat nach eigenen Angaben die Aufständischen im Süden Falludschas eingekesselt. In der Stadt werden die Lebensbedingungen immer schlimmer.

Die US-Armee hat eigenen Angaben zufolge die irakische Rebellen-Hochburg Falludscha zu größten Teilen unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Aufständischen seien im südlichen Teil der Stadt eingeschlossen, sagten US-Offiziere. "Sie können nicht nach Norden ausweichen, weil wir da stehen. Sie können nicht nach Westen, weil dort der Euphrat ist, und sie können nicht nach Osten, weil wir dort eine riesige Präsenz haben. Somit sitzen sie im Süden in der Klemme", sagte Feldwebel Roy Meek der Nachrichtenagentur Reuters.

Opferzahlen

Nach offiziellen Militärangaben wurden bis zum Donnerstag 18 amerikanische Soldaten und 5 irakische Nationalgardisten getötet. Insgesamt 178 Amerikaner und 34 irakische Soldaten wurden verletzt. Dutzende Verletzte wurden nach Berichten des US-Senders CNN in das amerikanische Militärkrankenhaus Landstuhl in Rheinland-Pfalz ausgeflogen. Auf Seiten der Aufständischen habe es nach Pentagon-Angaben bislang mehr als 600 Tote gegeben.

Am vierten Tag der Offensive kam es den Berichten zufolge zu heftigen Straßenkämpfen. Der Befehlshaber der 1. Marineinfanterie- Division, Generalmajor Richard Natonski, beschuldigte die Aufständischen, Moscheen und Schulen als Waffenlager und -werkstätten zu missbrauchen und von Minaretten aus zu schießen. Zwei US-Kampfhubschrauber mussten nach Beschuss notlanden, die Besatzung konnte nach einem Bericht der britischen BBC gerettet werden. US-Generalstabschef Richard Myers bezeichnete den Verlauf der Offensive in Fernsehinterviews als "sehr, sehr erfolgreich".

Desolate Zustände

Augenzeugen in Falludscha berichteten von zahlreichen Leichen, die wegen der andauernden Kämpfe seit Tagen in den Straßen liegen. "Die Hälfte der Stadt wird inzwischen von den Amerikanern kontrolliert", sagte ein Einwohner von Falludscha. Irakische Verletzte, die von den Amerikanern zur Behandlung in ein Krankenhaus in Tikrit gebracht worden waren, berichteten, es gebe in Falludscha keine medizinische Versorgung mehr und kaum noch Wasser und Lebensmittel.

Allawi verteidigt Offensive

Der irakische Ministerpräsident Ajad Allawi hat die Großoffensive in Falludscha verteidigt. Die Stadt müsse von "ausländischen Terroristen, Extremisten und ehemaligen Mitgliedern des Saddam-Regimes" befreit werden, schrieb Allawi in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "The Sun". Es sei ein Kampf, den fast alle Iraker unterstützten. "Wenn wir siegen, wird der Irak dem freien und demokratischen Land näher kommen, das sich unsere Bürger so sehnlichst wünschen."

Autobombe in Bagdad

In Bagdad riss hatte am Donnerstagmorgen eine Autobombe nach Angaben der Polizei 17 Menschen in den Tod. Dutzende wurden bei dem Anschlag in der belebten Saadun-Straße verletzt. Möglicherweise habe der Anschlag einem Konvoi von Geländewagen gegolten, in dem Aufständische Vertragsarbeiter der US-Armee vermutet hätten. Nach Augenzeugenberichten war die Detonation so heftig, dass ein Auto auf ein Hausdach geschleudert wurde. Ein mehrstöckiges Wohnhaus stürzte teilweise ein.

Offenbar Fahrer der entführten Franzosen entdeckt

Bei der Militäroffensive in der irakischen Stadt Falludscha ist ein Mann entdeckt worden, bei dem es sich um den Fahrer der beiden im August entführten französischen Journalisten handeln soll. Nach Angaben der US-Armee wurde der Syrer am Donnerstagabend in Handschellen an einem nicht näher bezeichneten Ort in der Stadt gefunden. Er habe erklärt, er sei vor etwa einem Monat von den Journalisten getrennt worden. Über ihr weiteres Schicksal wisse er nichts. Während seiner Gefangenschaft habe er auch andere Geiseln gesehen, darunter zwei Tschechen.

Die beiden Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot wurden am 20. August gemeinsam mit ihrem syrischen Fahrer Mohammed al Dschundi auf der Fahrt in die Stadt Nadschaf verschleppt. Eine militante Gruppierung namens Islamische Armee im Irak hat sich zu ihrer Entführung bekannt. Die Gruppierung fordert die Aufhebung des Kopftuchverbots an französischen Schulen.

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters