Explosion Bis zu 40 Tote bei Angriff auf Waffenlager in Bagdad


Bei der Explosion eines Waffen- und Munitionslagers nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Samstag zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Ein irakischer Arzt vor Ort sprach von rund 40 Toten, der Chefarzt eines Krankenhauses von mindestens sechs.

Bei der Explosion eines Waffen- und Munitionslagers nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Samstag zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Ein irakischer Arzt vor Ort sprach von rund 40 Toten, der Chefarzt eines Krankenhauses von mindestens sechs.

Reporter berichteten von dramatischen Szenen aus Saafarinija, 25 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Bagdad. Nach US-Angaben schossen bislang Unbekannte das Depot mit Leuchtkugeln in Brand und lösten damit eine Kettenreaktion aus. Die Wut einiger Einwohner richtete sich nach der Explosion gegen US-Soldaten. Derweil will US-Präsident George W. Bush nach Informationen aus US-Regierungskreisen am 1. Mai das Ende des Irak-Kriegs bekannt geben.

Die mindestens eine Stunde andauernden Explosionen am frühen Morgen waren bis in das Stadtzentrum von Bagdad zu hören, wo US-Soldaten zunächst von gezielten Sprengungen gesprochen hatten. Hauptmann Patrick Sullivan von einer Pioniereinheit teilte später aber mit: "Feindliche Truppen haben vier Leuchtkugeln in ein Munitionsdepot geschossen." Seit der Einnahme von Bagdad am 9. April haben die US-Streitkräfte wiederholt große Mengen irakischer Munition zerstört.

"Das waren die Amerikaner"

Im Krankenhaus von Saafarinija gab der Chefarzt Schaker Nasser die Zahl der Toten mit mindestens sechs an. 13 Menschen seien verletzt worden. Allerdings seien viele Verletzte auch in andere Krankenhäuser gebracht worden. Ein Arzt in einem der Krankenwagen vor Ort ging von 40 Toten aus. Anwohner sagten, Raketen seien in Häuser eingeschlagen.

Ein Einwohner, Tamir Kalaal, der mit seiner kleinen Tochter nicht zu Hause war, als eine Rakete das Haus zerstörte, verlor nach eigenen Angaben 14 Verwandte, darunter auch seine Frau. "Ich bin der Einzige, der überlebt hat. Alles, was mir bleibt, ist sie", weint er und zeigt auf sein vier Wochen altes Baby. Kalaal hat keinen Zweifel, wer für sein Unglück verantwortlich ist: "Das waren die Amerikaner." Auch eine ältere Frau schimpfte auf die Amerikaner: "George W. Bush und Saddam sind beide Verbrecher. Erst hatten wir Saddam, und dann hat man uns den Bush gegeben. Womit haben wir das verdient?"

Ein anderer Einwohner berichtet: "Ich wurde wach und wollte gerade frühstücken gehen. Da gab es eine riesige Explosion nebenan. Überall brach Feuer aus. In der ganzen Nachbarschaft knallte es. Nebenan verbrannten vier Frauen und ein Kind", sagte der Mann, der selbst verletzt war. Reuters-Fotograf Yannis Behrakis brachte ein neun Monate altes Kind, das er aus einem von brennenden Häusern umgebenen Haus geborgen hatte, zu einem US-Kontrollpunkt, wo sich Ärzte um das Baby kümmerten.

Behrakis berichtete weiter, einige wütende Einwohner hätten Soldaten mit Steinen angegriffen. Die Soldaten hätten den Verletzen helfen wollen. Rund 500 Menschen fuhren später mit Lastwagen, Bussen und Autos aus dem Vorort heraus. An einem Kontrollpunkt der US-Armee skandierten die Männer anti-amerikanische Slogans wie "Der Terror nach dem Krieg" in Englisch.

Saddam und seine Söhne weiter auf der Flucht

Wie am Freitag aus den Regierungskreisen in Washington verlautete, will Bush am Donnerstag bei einem Besuch heimkehrender Soldaten auf dem US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" das offizielle Ende des in der Nacht zum 20. März begonnenen Krieges erklären. Auch wolle Bush über die jetzt beginnende Phase des Wiederaufbaus sprechen. In den Kreisen wurde aber betont, dass die Rede noch nicht geschrieben sei.

Vom gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seinen Söhnen Udai und Kusai fehlte unterdessen weiter jede Spur. Auch haben die USA bisher noch keine Massenvernichtungswaffen entdeckt. Der Vorwurf, Saddam habe solche, war einer der Gründe für den Krieg gegen den Irak.

In vielen irakischen Städten ist derweil noch nicht klar, wer sie eigentlich kontrolliert. So wird beispielsweise die den Schiiten heilige Stadt Nadschaf von moslemischen Geistlichen regiert, die sich mit den vor der Stadt lagernden US-Soldaten nicht einmal beraten, wie sie am Freitag erklärten. Die US-Truppen widersprechen zwar. Doch zeigt der Fall Nadschaf wie auch die Explosion am Samstag und die wütende Reaktion der Menschen wie unsicher die Lage im gesamten Irak noch ist.


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