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Fall Litwinenko: Verstrahlte Flieger auf deutschen Strecken?

Nach dem Tod des russischen Exspions Litwinenko sind an zwölf Orten und zwei Flugzeugen Spuren von Radioaktivität gefunden worden. 221 Flüge mit 33.000 Passagieren werden überprüft. Auch Flugzeuge die Deutschland angeflogen haben, könnten betroffen sein.

Nach dem Gifttod des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko sind in London weitere Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 entdeckt worden. Der britische Innenminister John Reid sprach vor dem Unterhaus von insgesamt zwölf Orten. Zudem wurde in zwei British-Airways-Flugzeugen Strahlung entdeckt. Drei weitere Maschinen waren im Visier der Ermittler.

Fünf verdächtige Flugzeuge

Innenminister John Reid teilte mit, dass bisher fünf verdächtige Flugzeuge identifiziert wurden. Neben den beiden BA-Maschinen in London und einem dritten BA-Flugzeug in Moskau, das noch untersucht wurde, gehe es um zwei russische Flugzeuge. Reid nannte eine Boeing 737 der privaten Gesellschaft Transaero, die am Morgen in London gelandet sei.

Eine Sprecherin von Transaero teilte am Nachmittag allerdings mit, in ihrem Flugzeug sei keine Radioaktivität gefunden worden. Das Gesundheitsrisiko für Passagiere nannte Reid gering. Nach dem Tod Litwinenkos, in dessen Urin Spuren von Polonium-210 entdeckt wurden, wurden laut Reid 18 Personen in Spezialkliniken unter Beobachtung gestellt. Alle Urintests seien bislang negativ ausgefallen. Der Minister erklärte, die Untersuchungen, um welche radioaktive Substanz es sich bei den Funden in Gebäuden genau handele, seien noch nicht abgeschlossen.

Nach dem Nachweis radioaktiven Materials an Bord zweier British-Airways-Maschinen meldeten sich tausende Passagiere bei der Fluggesellschaft. Die Maschinen vom Typ Boeing 767 bleiben bis auf weiteres außer Betrieb, wie es von der deutschen Zentrale der British Airways hieß.

Liste der betroffenen Flüge

Laut BA sollen insgesamt 221 Flüge in Europa mit 33.000 Passagieren überprüft werden. Eine Liste aller Flüge veröffentlichte BA auf ihrer Website. Die betroffenen britischen Verkehrsflugzeuge hatten neben Moskau zuletzt auch Düsseldorf, Frankfurt, Athen und Barcelona angeflogen.

Auf den deutschen Strecken handelt es sich laut BA um folgende Flüge: BA916 vom 26. Oktober und 2. November von London Heathrow nach Frankfurt und BA901 vom 27. Oktober und 3. November von Frankfurt nach London. Auf der Strecke London-Düsseldorf sollen die Flüge BA936 und BA937 von folgenden Daten überprüft werden: 30. Oktober sowie 6., 8., 9., 11., 13., 18., 19., 24., 25. und 27. November.

Die Flughäfen in Düsseldorf und Frankfurt am Main wollten keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben und verwiesen auf die Fluggesellschaft. British Airways schaltete für internationale Anrufe von betroffenen Fluggästen die Nummer 0044-191-211-3690. Internationale Fluggäste sollten die örtlichen Gesundheitsbehörden kontaktieren.

Obduktionsergebnis am Freitag

Eine Woche nach dem Tod Litwinenkos leiteten die britischen Behörden unterdessen eine offizielle gerichtsmedizinische Untersuchung ein. Bereits am Freitag solle die Leiche Litwinenkos obduziert werden, erklärte der Londoner Gerichtsmediziner Andrew Reid am Donnerstag bei der formellen Bekanntgabe der Untersuchung. An der Autopsie sollen ein Pathologe der Regierung, ein weiterer Mediziner, der die Familie vertritt, sowie ein unabhängiger Experte beteiligt sein. Das russische Verkehrsministerium kündigte stärke Kontrollen für internationale Flüge an. Dabei soll unter anderem die Strahlung an Bord überprüft werden.

AP/DPA / AP / DPA