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Impeachment-Anhörung: Fiona Hill – die Frau, die Donald Trump zum Schweigen brachte

Kühl. Kontrolliert. Klar: Die Sicherheitsexpertin Fiona Hill zerlegte als Zeugin der Impeachment-Anhörung die Verschwörungstheorien des Trump-Lagers. Wer ist diese außergewöhnliche Frau?

Sicherheitsexpertin Fiona Hill wurde als Zeugin der Impeachment-Anhörung befragt

Sicherheitsexpertin Fiona Hill wurde als Zeugin der Impeachment-Anhörung befragt

Getty Images / AFP

Da war sie. Die Nemesis des Donald J. Trump. Die Frau, die ihn einen ganzen Vormittag auf Twitter zum Schweigen brachte. Die Expertin, der die Republikaner bei den Impeachment-Anhörungen keine Fragen zu stellen wagten – und deshalb in lange Monologe verfielen. Aus Angst, dass ihre Antworten den Präsidenten, seine Außenpolitik und die ganze Regierung mit klaren Sätzen auseinandernehmen würden.

Da war schon ihr Auftritt: Eine gerade Frau mit stahlglatten Haaren, ein Mund wie ein Strich und eine Stimme wie ein Messer. Ihr Englisch verrät ihre Herkunft: Fiona Hill kommt aus England, aus dem Landkreis Durham, altes Kohlerevier. Sie ist in Armut aufgewachsen, der Vater stieg schon mit 14 Jahren unter Tage, verlor unter Thatcher seine Stelle, die Mutter verlor ihre Gesundheit über die Jahre mit schlecht bezahlten, harten Jobs. 

Sie emigrierte in die USA für ein besseres Leben, hat sich ihre amerikanische Staatsangehörigkeit erkämpft, diesen amerikanischen Traum, der ihr ermöglichte, was in dem immer noch von Klassenschranken beschränkten Großbritannien nicht möglich gewesen wäre: Ohne Ansehen von Herkunft durch das eigene intellektuelle Vermögen aufzusteigen bis ganz hinauf in die Entscheidungsebenen eines Staates.

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Fiona Hill war Russland-Expertin in der Trump-Regierung

In ihrem Fall war dies das Amt des Senior Director im Nationalen Sicherheitsrat, unter der Trump-Regierung, als Expertin für Russland. Ihr wurde von diesem Job abgeraten. Doch sie wollte ihrem adoptierten Heimatland helfen. Sie glaubte im Jahr 2017, dass Amerikas noch relativ neue Regierung Hilfe brauche, um die tatsächliche Gefahr zu verstehen, die von der Propaganda-Maschine des Kreml ausging. 

Man kann sich nur schwer vorstellen, wie diese Frau die anschließenden Entwicklungen erlebte – die seltsame Nähe des amerikanischen Präsidenten zum autokratischen Putin, über den Hill ein Buch geschrieben hat. Sie kennt und erkennt die Strategien Putins. Jetzt sagte sie vor dem ganzen Land aus, dass die Politiker rund um Trump selbst Hand anlegten an die Grundfesten ihrer eigenen Demokratie, als willige Büttel Putins.

Donald Trump und sein Team fanden keine Antwort

Wer diese Frau verstehen will, braucht vielleicht nur eine Anekdote: Bei einer Klassenarbeit, sie war elf Jahre alt, zündete einst ein Junge ihren Pferdeschwanz an. Sie schlug die Flammen mit den Händen aus und beendete den Test. Ihre Mutter habe ihr danach einen Haarschnitt verpasst, der sie wie Richard III. aussehen lasse, sagte sie in der Anhörung auf die Frage, ob die Geschichte wahr sei. 

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Da saß also diese Verkörperung des amerikanischen Traums und warnte das Land, dass die USA Gefahr liefen, ihre Ideale zu verraten. Und Trump und sein Team fanden darauf keine Antwort. Nichts. Kein Twittern. Kein Beschimpfen noch während der sechsstündigen Aussage wie bei den anderen Zeugen. Fiona Hill ist Trump unter die Haut gekrochen. Ganz kontrolliert und klar. Und unglaublich kühl.