HOME

Festung USA: Warum sich die Amerikaner so schwer mit den Flüchtlingen tun

132 Syrer durften vergangenes Jahr in die USA einreisen. Das Weiße Haus tut sich seit Langem schwer mit der Flüchtlingskrise. Doch langsam denkt die Regierung um und überlegt, ihre Zurückhaltung abzulegen.

Fluechtling an US-mexikanischer Grenze

So nah und doch so unerreichbar: mexikanischer Flüchtling am Zaun zum gelobten Land USA

Selbst Donald Trump, irrlichternder Möchtegern-US-Präsidentschaftskandidat, der am liebsten eine hohe Mauer zwischen Mexiko und den USA hochziehen würde, hat sein Herz für Flüchtlinge entdeckt. Auf die Frage eines Journalisten, ob es nicht Zeit für die USA sei, den Menschen aus dem Nahen Osten zu helfen, antwortete er: "Wir haben zwar selbst so viele Probleme, aber die Antwort sollte vielleicht doch 'ja' lauten." Damit wäre Trump um einiges weiter, als viele seiner konservativen Parteigenossen, die ihr Land am liebsten vollständig abriegeln würden.

Vielleicht aber kommt nun etwas Bewegung in die Frage: Geht das Flüchtlingsdrama eigentlich auch die Amerikaner etwas an, und falls ja, was können und wollen sie tun? Denn die Regierung in Washington hat erstmals öffentlich darüber nachgedacht, mehr Syrer als bislang ins Land zu lassen. "Wir wägen derzeit eine Reihe von Möglichkeiten ab, auf die globale Flüchtlingskrise zu reagieren. Darunter auch, für Flüchtlingsunterkünfte zu sorgen", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates.

Sehr passiv gegenüber dem Leid

Eigentlich waren die Amerikaner immer stolz auf ihre Willkommenskultur und ihr Herz für die Schwachen und Unterdrückten. Auf dem Sockel der Freiheitsstatue vor den Toren New Yorks steht die ergreifende Inschrift: "Schickt mir eure erschöpften, verarmten und zusammengedrängten Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen." Doch bei allem Leid der Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas verhält sich die US-Regierung schon sehr lange auffällig passiv.


Einer der Gründe für die Zurückhaltung liegt in den Anti-Terror-Gesetzen, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurden. Zudem ist das Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen kompliziert. Für Menschen aus dem Nahen Osten dauert die Überprüfung vor Ort Monate und manchmal auch Jahre. Grund auch hier: die Sorge vor islamistischen Terroristen. Vergangenes Jahr durften gerade einmal 132 Syrer in die USA einreisen, dieses Jahr werden es wohl 2000 sein - eine immer noch geringe Anzahl im Vergleich zu den Hundertausenden von Menschen, die nach Europa kommen. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten 2014 70.000 Flüchtlinge aufgenommen.

Die Bilder erschüttern auch die USA

Dabei ist es nicht so, dass die furchtbaren Bilder, die aus Süd- und Osteuropa über den Teich gelangen, die Amerikaner kalt ließen. Vor allem das Foto des  ertrunkenen syrischen Jungen, der an der türkischen Küste angeschwemmt wurde, hat auch in den USA viele Menschen aufgerüttelt. Ebenso wie die jüngsten Bilder von der Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland und den applaudierenden Helfern, die in amerikanischen Zeitungen, TV-Sendern und Onlinemedien zu sehen sind.

Viele Politiker, meist aus der zweiten Reihe aber auch Senatoren sowie liberale Kommentatoren verlangen daher, dass ihr Land endlich aktiver in der Flüchtlingsfrage werde. Bislang verwies das Weiße Haus aber stets darauf, dass die USA immerhin der mit Abstand wichtigste Geldgeber für das UN-Flüchtlingshilfswerk seien.

Einwanderung? Zu sensibel!

Und doch: Der aufziehende Wahlkampf vergiftet die Debatte über die mögliche Hilfe. Donald Trump, der die Kandidatenumfragen bei den Republikanern anführt, poltert erfolgreich gegen Einwanderer aus Lateinamerika, vor allem aus Mexiko. Wer bei diesem hochsensiblen Thema weit weniger radikale Meinungen hat – also die meisten Kandidaten – versucht sich möglichst drumherum zu lavieren. Wie etwa Hillary Clinton, die bei entsprechenden Fragen vielsagend schweigt und nur ganz allgemein von internationalen Bemühungen zur Lösung der Krise spricht.

Sollte die Regierung von Barack Obama tatsächlich ihren Kurs ändern wollen und mehr Flüchtlinge ins Land lassen, muss sie sich allerdings beeilen. Das Weiße Haus muss bis zum 1. Oktober bekanntgeben, wie viele Flüchtlinge die USA im kommenden Jahr ins Land lassen werden.

mit DPA