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Coronakrise in Frankreich Höchste Corona-Warnstufe in Paris: Wie die Regierung nun gegensteuern will

Ein junger Franzose läuft vor dem Pariser Eiffelturm. Er trägt einen Mund-Nasen-Schutz.
Bereits Mitte November könnte die Lage in Frankreichs Krankenhäusern kritisch werden.
© Michel Euler/AP/dpa / DPA
Eine hohe Zahl an Neueinweisungen, zu wenige Intensivbetten, nicht ausreichend Personal – in Frankreich spitzt sich die Lage in der Coronakrise zu. Mitte November könnte die Lage einen kritischen Punkt erreichen.

Frankreichs Krankenhäuser sind für eine zweite Corona-Welle schlecht gewappnet, meinen Gesundheitsvertreter und Gewerkschaften. 1200 der 5000 Intensivbetten in französischen Krankenhäusern waren zuletzt mit Corona-Patienten belegt. Zwar sind das noch deutlich weniger als zum Höhepunkt der ersten Welle im Sommer, als bis zu 7000 lebensgefährlich Erkrankte versorgt werden mussten. Sorge bereitet jedoch die hohe Anzahl an Neueinweisungen: Nach Angaben der Nationalen Gesundheitsbehörde kamen allein in der vergangenen Woche 900 Patienten hinzu.

Was hatte die Regierung versprochen?

Nachdem die Regierung in Paris im Sommer 4000 zusätzliche Betten zugesagt hatte, stehen diese heute immer noch nicht zur Verfügung. Unter Präsident Emmanuel Macron wurde zuletzt auf einen Sparkurs gesetzt. 2019 wurden zur Senkung des Milliarden-Defizits der öffentlichen Krankenhäuser 3400 Betten in Frankreich eingespart. Das ist allerdings nichts Neues: In den vergangenen 20 Jahren wurden insgesamt 100.000 Betten gestrichen. Mehrere Gewerkschaften haben deshalb für den 15. Oktober zu neuen Streiks in öffentlichen Kliniken aufgerufen. Sie fordern höhere Löhne für das Gesundheitspersonal.

Wie will die Regierung nun gegensteuern?

Gesundheitsminister Olivier Véran hat für den Notfall die Versorgung von 29.000 Corona-Kranken in Aussicht gestellt. Dafür stünden genügend Beatmungsgeräte und Medikamente bereit, versprach er. Zudem können ihm zufolge 12.000 zusätzliche Klinik-Betten freigemacht werden. In diesem Fall müssten allerdings Operationen verschoben werden. In den besonders betroffenen Städten wie Paris und Marseille ist dies bereits geschehen.

Wie steht Frankreich im Vergleich zu Deutschland da?

Thierry Amouroux, Sprecher der Krankenpfleger-Gewerkschaft Syndicat national des professionnels infirmiers gab an, dass in Frankreich gerade einmal sechs Intensivbetten pro 1000 Einwohner zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: In Deutschland seien es dagegen acht. Auch bei der Anzahl der Krankenpfleger liegt Frankreich zurück. Auf 1000 Bürger kommen in Deutschland 13 Krankenpfleger - in Frankreich sind es acht.

Wie geht es nun weiter?

"Wir müssen die Infizierten daran hindern, überhaupt auf die Intensivstationen zu kommen", sagt Gesundheitsminister Véran. Aus diesem Grund werden ab Dienstag in Paris und Umland die Maßnahmen erneut verschärft. In der Hauptstadt sind bereits 35 Prozent der Intensivbetten belegt – ähnlich sieht es in Marseille aus. Andere Großstädte wie Lille, Lyon und Toulouse nähern sich ebenfalls der 30-Prozent-Marke.

Ab wann wird es kritisch?

Eine kritische Marke ist bei einer 60-prozentigen Belegung der Intensivbetten erreicht. In einem solchen Fall schließt die Regierung auch örtliche Ausgangssperren nicht aus. In Städten wie Marseille, Aix-en-Provence und Paris könnte das im November schon der Fall sein, wie das Gesundheitsministerium erklärte. Eine Simulation des Pasteur-Instituts ergab nach Angaben der Zeitung "Le Figaro", dass ohne Gegenmaßnahmen die Intensivbetten in der Hauptstadtregion Mitte November zu mehr als 200 Prozent belegt sein könnten.

Könnten erneut Franzosen in deutschen Kliniken behandelt werden?

Im Frühjahr hatte Deutschland rund 100 französische Intensiv-Patienten aufgenommen, nachdem die Kliniken in Elsass-Lothringen und im Pariser Großraum massiv unter Druck geraten waren. Derzeit ist das Grenzgebiet aber noch nicht so stark betroffen. Die Grenzregion Grand Est ist die einzige, für die Deutschland keine Reisewarnung ausgesprochen hat.

Laurence Coustal / yks AFP

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