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G-8-GIPFEL: Demonstrant wurde erschossen

Der italienische Innenminister bestätigte, dass der Demonstrant beim G-8-Gipfel wahrscheinlich durch eine Polizeikugel getötet wurde und sprach dabei von Notwehr.

Laut Augenzeugen hatte das Opfer einen Polizeiwagen mit einem Feuerlöscher angegriffen (» siehe auch unsere Fotoshow). Der Name des Toten lautet Carlo Giuliani, er soll aus Genua stammen. Wie Innenminister Claudio Scajola am späten Freitagabend mitteilte, läuft eine Untersuchung, er sprach aber von Notwehr. Der Polizist, der gefeuert haben soll, liegt im Krankenhaus. Er wurde bei den Krawallen verletzt. Nach den schweren Ausschreitungen vom Tage beruhigte sich die Lage dann in den späten Abendstunden. Die Polizei verstärkte ihre ohnehin scharfen Kontrollen in der Hafenstadt.

Beratungen gehen weiter

Auf dem Programm der heutigen Arbeitssitzungen stehen in erster Linie außenpolitische Fragen wie die umstrittene amerikanische Raketenabwehr, Umweltprobleme sowie die Konflikte in Nahost und auf dem Balkan. Daneben sind zahlreiche bilaterale Treffen der G-8-Führer vorgesehen.

In der wie zu einer Festung ausgebauten Stadt erwarteten die etwa 15.000 Sicherheitskräfte heute den Beginn der »heißen Phase« mit weitere Demonstrationen, an denen sich bis 100.000 Globalisierungsgegner beteiligen wollen. Aufgeheizt durch den gestrigen Tod eines Demonstranten soll heute der militante Kernd der Demonstranten angeblich versuchen die »rote Zone«, das Sperrgebiet um die Tagungsstätte, zu stürmen.

Mindestens sieben Journalisten verletzt

Bei den Ausschreitungen am Freitag wurden auch mindestens sieben Journalisten verletzt. Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders APTN wurde von Polizisten geschlagen und erlitt eine Kopfwunde. Auch ein Journalist der italienischen Nachrichtenagentur AP.Biscom. und ein Fotograf von Gamma Press wurden von Polizisten verprügelt. Ein Demonstrant schlug einen Fotografen der Nachrichtenagentur AP mit einer Metallstange und brach ihm eine Rippe. Insgesamt wurden etwa 100 Menschen bei den Zusammenstößen verletzt.

Athen: 1.000 Menschen demonstrieren

Nach Bekanntwerden des gewaltsamen Todes eines Demonstranten beim G-8-Gipfel in Genua kam es auch in Griechenland zu Ausschreitungen. Etwa 1.000 Menschen zogen am Freitagabend durch die Innenstadt von Athen und riefen »Mörder, Mörder«. Vor einem Gebäude der Europäischen Union kam es zu einem Handgemenge zwischen den Demonstranten und der Polizei. Verletzt wurde niemand. Die Menge zog auch an der italienischen Botschaft vorbei und blockierte den Straßenverkehr drei Stunden lang. Laut einer diese Woche veröffentlichten Umfrage einer Tageszeitung unterstützen 54 Prozent der Athener die Proteste der Globalisierungsgegner in Genua.

Zürich: Feuerwerksraketen auf italienisches Tourismusbüro

Unbekannte feuerten in der Nacht zum Samstag Feuerwerksraketen auf das italienische Tourismusbüro in Zürich. Wie ein Sprecher der Zürcher Stadtpolizei sagte, ging dabei eine Fensterscheibe zu Bruch. In einem Fax bekannte sich eine linksradikale Bewegung »Für eine Revolutionäre Perspektive« zur Aktion. Dies war ihr Beitrag zur Bewegung gegen das G-8-Treffen in Genua. Die selbe Gruppe war bereits mit Anschlägen gegen die israelische Fluggesellschaft EL AL und das Weltwirtschaftsforum in Davos hervorgetreten.

Bush fordert zinslose Zuschüsse für Entwicklungsländer

Die Regierungen der wichtigsten sieben Industrieländer sind nach Überzeugung der USA alle zur Fortsetzung einer Wachstumspolitik entschlossen. »Niemand lässt die Zügel schleifen«, versicherte ein US-Beamter in Genua auf die Frage, ob die USA mit den Zusagen der Europäer und Japans zufrieden sind. Vor dem Gipfel hatte US-Finanzminister Paul O?Neill Europäer und Japaner aufgefordert, wie die USA eine Lokomotivrolle für die Weltwirtschaft zu übernehmen. Im G-7-Kommunique äußerten sich die Industriestaaten am Freitag optimistisch über die Wiederbelebung der Konjunktur.

Der US-Beamte äußerte sich befriedigt darüber, dass die Sieben auf Vorschlag der USA prüfen wollen, ob die ärmsten Entwicklungsländer von den internationalen Organisationen mehr zinslose Zuschüsse statt Kredite erhalten können. Präsident Bush hatte die Weltbank aufgefordert, bis zu 50 Prozent der Unterstützung als Hilfen zu geben.