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Gaza-Krieg: Israel und Hamas lassen die Waffen ruhen

Vorsichtiges Atemholen im Gazastreifen: Israelis und Palästinenser haben zum ersten Mal eine längere Waffenruhe beschlossen. Und vielleicht noch wichtiger: In Kairo soll verhandelt werden. Sofort.

Israelis und militante Palästinenser haben eine dreitägige Waffenruhe und sofortige Verhandlungen vereinbart. Die 72-stündige Feuerpause sollte am Freitagmorgen um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MESZ) beginnen, wie ein UN-Sprecher in New York sagte. Zudem hätten beide Seiten sofortigen Verhandlungen in Ägypten um eine dauerhafte Waffenruhe zugestimmt.

Wie der UN-Sprecher weiter mitteilte, sicherten Israelis und Palästinenser dem UN-Sondervermittler Robert Serry zu, sich an die "bedingungslose humanitäre Waffenruhe" halten zu wollen. Der Zeitraum von drei Tagen könne verlängert werden. "Während dieser Zeit werden die Truppen in ihren Stellungen bleiben", hieß es in der in New York verlesenen gemeinsamen Erklärung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenminister John Kerry.

Kurz nach der Ankündigung der Waffenruhe wurden nach Angaben der israelischen Armee drei Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Das Abwehrsystem "Eisenkuppel" habe eine über Zentralisrael abgefangen, hieß es.

"Dringend notwendige Entlastung von Gewalt"

Die israelische Armee hatte vor mehr als drei Wochen mit einer Offensive in dem von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Gazastreifen begonnen. Deren Ziel war es, den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Küstengebiet auf Israel zu unterbinden. Auch "Terror-Tunnel", durch die militante Palästinenser auf israelischen Boden gelangen können, um Anschläge zu verüben oder Menschen zu entführen, sollten zerstört werden. Auf beiden Seiten zusammen starben bislang mehr als 1400 Menschen, Tausende wurden verletzt. Die Bevölkerung des Gazastreifens hatte zuletzt immer stärker gelitten.

Die Waffenruhe soll den Menschen nun "eine dringend notwendige Entlastung von der Gewalt" bringen. "Während dieser Zeit sollen Zivilisten sofort benötigte humanitäre Hilfe und die Möglichkeit bekommen, lebensnotwendige Aufgaben zu erledigen. Dazu zählt die Beerdigung der Toten, die Versorgung der Verletzten und die Beschaffung von Lebensmitteln." Überfällige Reparaturen am Wasser- und Stromnetz sollen auch möglich sein.

"Wir fordern alle Seiten auf, bis zum Beginn der humanitären Waffenruhe mit äußerster Zurückhaltung zu agieren und danach ihre Verpflichtungen vollständig einzuhalten", hieß es in der Erklärung.

Delegationen von Israelis und Palästinensern würden umgehend in die ägyptische Hauptstadt Kairo reisen, um Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung aufzunehmen. Ziel sei eine dauerhafte Waffenruhe. "Beide Seiten werden alle Fragen auf den Tisch bringen können." UN und USA dankten "allen regionalen Gruppen mit Einfluss" für ihre Unterstützung. "Wir rechnen mit weiterer Hilfe bei den internationalen Bemühungen, um so schnell wie möglich eine dauerhafte Waffenruhe zu erreichen."

"Ich sah grauenhafte Wunden"

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos und der Leiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, hatten dem Weltsicherheitsrat am Donnerstagabend über die katastrophale Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen berichtet. Krähenbühl, der per Telefon aus Gaza zugeschaltet war, beschrieb das Leid plastisch und aus eigener Anschauung: "Ich sah grauenhafte Wunden in der Kinderabteilung eines Krankenhauses. Das sind die inakzeptablen Folgen eines Konflikts, der sofort gestoppt werden muss."

Die Menschen in Gaza fühlen sich nach den Worten von Krähenbühl verlassen. "220 000 Menschen sind unter unserem Schutz, und es werden jeden Tag mehr. Es sind jetzt schon viermal so viel wie während der Kämpfe 2008 und 2009." Er bestätigte, dass in drei leerstehenden UNRWA-Einrichtungen Raketen gefunden worden seien. "Wir verurteilen das und haben sofort alle Seiten informiert. Wir dulden keinerlei Waffen in unseren Einrichtungen."

mad/DPA / DPA