Gaza-Streifen Israel startet Boden-Offensive


Die israelische Armee hat begonnen, mit Bodentruppen in den Gaza-Streifen vorzurücken und zehntausende Reservisten mobilisiert. Unterdessen bemüht sich die internationale Gemeinschaft um einen Waffenstillstand in dem Konflikt.

Israel hat mit der erwarteten Bodenoffensive im Gazastreifen begonnen. Wie palästinensische Augenzeugen und israelische Medien berichtetet, rückten Soldaten in den Norden und Osten des Palästinensergebiets vor. Ein israelischer Armeesprecher in Tel Aviv bestätigte, dass die zweite Phase der seit vergangenem Samstag laufenden Militäroperation begonnen habe. Ziel sei es, operative Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas zu treffen, um den Raketenbeschuss israelischer Städte zu stoppen. Der Einmarsch der Bodentruppen war durch Artilleriebeschuss und verstärkte Luftangriffe vorbereitet worden. Weltweit gingen wieder viele zehntausend Menschen gegen den israelischen Militäreinsatz auf die Straße.

Mit der Bodenoffensive wolle man die Kontrolle über Gebiete des Gazastreifens übernehmen, aus denen militante Palästinenser Raketen auf israelische Grenzstädte abfeuern, sagte der Armeesprecher. An der Operation werde eine große Zahl an Truppen aus allen Bereichen der Streitkräfte teilnehmen.

Erster Artillerie-Einsatz

Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Militäroperation vor einer Woche hatte die israelische Armee wenige Stunden vor dem Einmarsch auch Artillerie gegen Ziele der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen eingesetzt. Außerdem wurden die Luftangriffe verstärkt. Allein nach Sonnenuntergang kamen zwanzig Palästinenser bei Luftangriffen ums Leben, über 50 wurden verletzt. In der Stadt Beit Lahia starben 14 Menschen, als eine Moschee beschossen wurde. Zuvor war bei einem Luftangriff auch der ranghohe Hammas-Kommandeur Abu Zakaria al Dschamal getötet worden.

Nach palästinensischen Angaben stieg die Zahl der Todesopfer am achten Tag der israelischen Angriffe auf über 470. Unter den Opfern seien 75 Kinder und Jugendliche sowie 37 Frauen. Mehr als 2300 Palästinenser wurden demzufolge bisher verletzt. Auf israelischer Seite starben durch den Raketenbeschuss militanter Palästinenser vier Menschen.

Mehr als 15 Raketen auf Israel

Nach Angaben der israelischen Armee schossen radikale Palästinenser im Laufe des Tages mehr als 15 Raketen auf Israel ab. Beim Einschlag einer weitreichenden Grad-Rakete in der rund 40 Kilometer nördlich des Gazastreifens gelegenen Stadt Aschdod wurden zwei Menschen durch Metallsplitter verletzt. In Aschkelon brach nach der Explosion einer Rakete in einem Haus Feuer aus.

Die Regierung in Jerusalem hatte eine Bodenoperation angekündigt, sollte der Beschuss des israelischen Grenzgebiets durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen nicht aufhören. Schon seit Tagen waren Panzerverbände an der Grenze zusammengezogen worden. Unmittelbar nach Beginn der Bodensoffensive leitete die Armee die Mobilisierung von Tausenden von Reservisten ein. Die Regierung des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert habe die Genehmigung dazu am Samstagabend erteilt, berichtete das israelische Radio. Angaben über den Umfang der Mobilmachung gab es zunächst nicht.

Hamas kündigt erbitterten Widerstand an

Hamas-Führer Chaled Maschaal hatte vor einer Bodenoffensive gewarnt und erbitterten Widerstand angekündigt. "Ihr Soldaten der Besatzungsmacht müsst begreifen, dass auf Euch das dunkle Schicksal von Tod, Verletzung und Gefangennahme wartet", sagte er am Samstag in Damaskus.

Unterdessen gingen die internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt im Nahen Osten weiter. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an die islamischen Staaten, all ihren Einfluss für eine Beendigung der Raketenangriffe radikaler Palästinenser auf israelisches Territorium geltend zu machen. Dies allein könne den Weg für eine Waffenruhe öffnen, in der diplomatische Aktivitäten für eine politische Lösung des Konflikts ergriffen werden könnten, sagte Steinmeier nach Angaben seines Ministeriums in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan.

Steinmeier fordert humanitäre Waffenruhe

Steinmeier machte noch einmal deutlich, dass der nächste Schritt zur Beendigung der Kampfhandlungen eine humanitäre Waffenruhe sein müsse, die die dringend erforderliche Versorgung der Zivilbevölkerung erlaube. Eine solche "humanitäre Waffenruhe" lehnt Israel bislang ab, weil nach Ansicht der Regierung im Gazastreifen keine humanitäre Krise ausgebrochen ist. Dagegen sprechen UN-Organisationen in einem neuen Bericht von einer "entsetzlichen" Lage.

US-Präsident George W. Bush machte in seiner wöchentlichen Radioansprache deutlich, dass er eine Waffenruhe nur dann für sinnvoll halte, wenn sichergestellt sei, dass sich die Hamas auch daran halte. Bush verlangte ein "dauerhaftes" Ende der Gewalt im Nahen Osten und eine Rückkehr "zum Pfad des Friedens".

Weltweit protestierten erneut Zehntausende gegen den israelischen Militäreinsatz. Allein in Deutschland wurden weit mehr als 20.000 Demonstranten gezählt: In Frankfurt am Main kamen rund 10.000 Menschen zusammen, in Berlin gab die Polizei die Zahl der Demonstranten mit etwa 7000 an, in Düsseldorf waren es rund 4000. In Paris bekundeten nach Angaben der Veranstalter etwa 25.000 Menschen ihre Solidarität mit den Palästinensern. In Großbritannien versammelten sich in rund 20 Städten ebenfalls deutlich mehr als 10.000 Menschen zu Protestaktionen. Auch in Israel selbst gab es Demonstrationen, an denen sich vor allem israelische Araber beteiligten.

DPA DPA

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