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GEGENSCHLAG: US-Sanktionen gegen Pakistan aufgehoben

Zur Stärkung der internationalen Allianz gegen Terroristen in Afghanistan haben die USA die Sanktionen gegen das Nachbarland Pakistan aufgehoben. Die Maßnahmen gegen Indien sollen ebenfalls ausgesetzt werden.

Zur Stärkung der internationalen Allianz gegen Terroristen in Afghanistan haben die USA die Sanktionen gegen das Nachbarland Pakistan aufgehoben. Auch die ebenfalls wegen Atomwaffenversuchen verhängten Strafmaßnahmen gegen Indien wurden außer Kraft gesetzt. US-Präsident George W. Bush erklärte, die Beibehaltung der Wirtschafts- und Militärsanktionen »wäre nicht mehr im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten«.

US-Militärs auf dem Weg nach Pakistan

Unterdessen machte sich eine US-Militärdelegation auf den Weg nach Islamabad, um Details eines Vergeltungsschlages gegen Afghanistan zu besprechen. Der pakistanische Militärmachthaber General Pervez Musharaf hat den USA die Nutzung des eigenen Luftraums und die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen angeboten.

Videokonferenz mit Regierungsmitgliedern

In Gesprächen mit Chefstrategen und Sicherheitsberatern setzte Bush die Vorbereitungen auf die angekündigte Militäraktion gegen Terroristen in Afghanistan fort. Zusammen mit seiner Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice, CIA-Direktor George Tenet und Stabschef Andy Card führte Bush auf seinem Landsitz Camp David eine Videokonferenz mit Regierungsmitgliedern in Washington.

Zur Vorbereitung der Militäraktion wurden in den USA weitere 5.172 Reservisten der Nationalgarde und der Luftwaffe einberufen. Unter ihnen sind Angehörige von Einheiten, die sich um das Betanken von Flugzeugen in der Luft kümmern. Bisher wurden mehr als 10.000 Reservisten einberufen, insgesamt sollen rund 35.000 Reservisten in Marsch gesetzt werden.

Soforthilfeprogramm für Fluggesellschaften der USA

Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen billigte Bush ein Soforthilfeprogramm für die US-Fluggesellschaften. Das Unterstützungspaket hat einen Umfang von 15 Milliarden Dollar (31,9 Milliarden Mark/16,3 Milliarden Euro). Beide Kammern des Parlaments stimmten dem Programm mit großer Mehrheit zu. In Erwartung sinkender Fluggastzahlen nach den Terroranschlägen mit entführten Flugzeugen haben mehrere Gesellschaften die Entlassung von insgesamt etwa 70.000 Mitarbeitern angekündigt. Die Flugpläne wurden um 20 Prozent oder mehr gekürzt.

EU »nicht nur verbal solidarisch«

Die Europäische Union sagte den USA militärische Unterstützung für einen Vergeltungsschlag zu. »Die Europäische Union ist bereit, sich an derartigen Aktionen, die gezielt sein müssen, zu beteiligen«, erklärten die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel in Brüssel. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: »Die EU zeigt sich mit den USA nicht nur verbal solidarisch, sondern ist auch bereit, bei notwendig werdenden militärischen Maßnahmen« Beistand zu leisten. Der EU-Gipfel vom Freitagabend beschloss auch ein Aktionsprogramm, um den internationalen Terrorismus wirksamer zu bekämpfen.

Der kubanische Staatschef Fidel Castro warf den USA vor, unter dem Deckmantel eines Krieges gegen den Terrorismus eine auf Gewalt gegründete Weltdiktatur errichten zu wollen. »Es soll nur einen Boss geben, nur einen Richter und nur ein Gesetz«, sagte Castro vor mehreren zehntausend Anhängern auf einer Kundgebung in Havanna. Die Terroranschläge in New York und Washington verurteilte Castro erneut als »abscheulichen und wahnsinnigen Terrorakt«. Nach der Tragödie dürfe aber nicht ein Krieg begonnen werden, »der ein endloses Gemetzel unschuldiger Menschen entfesseln könnte«. Anstoß nahm Castro daran, dass Bush am Donnerstag im Kongress sagte: »Entweder ihr seid mit uns, oder ihr seid mit den Terroristen.«

Friedensdemos in Berlin, London und LA

In Berlin, London und Los Angeles versammelten sich Kriegsgegner zu Friedensdemonstrationen. Vor rund 3.000 Kundgebungsteilnehmern in London sagte Carol Naughton von der Kampagne für atomare Abrüstung (CND), mit einem Angriff auf Afghanistan würde nur eine Spirale der Gewalt ausgelöst, »die einen großen Aufstand gegen die USA und möglicherweise auch Großbritannien auslösen wird«. In Los Angeles demonstrierten am Samstag etwa 500, in Seattle mehr als 100 Menschen gegen eine militärische Antwort auf die Terroranschläge vom 11. September.