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George W. Bush: Gottes ergebener Krieger

Er schläft ruhig und zweifelt nie. Warum sollte er auch? Denn US-Präsident George W. Bush, einst Trinker und Lebemann, wähnt sich im "Kampf gegen das Böse" in allerhöchster Mission.

Es sind Tage wie so viele im Leben des George W. Bush, diese grauen, noch kühlen Märztage in Amerikas Hauptstadt. Der Präsident beginnt sie mit der Lektüre seines Lieblingsbuches "Mein Äußerstes für den Höchsten", eine Sammlung täglicher Bibellektionen. Er bittet Gott um den Segen für sich und die Nation, weckt seine Frau Laura mit einer Tasse Kaffee und trifft sich mit seinen engsten Beratern, mit Rummy und Dick, mit Condi und George. Gegen Mittag nimmt sich Bush ausgiebig Zeit für sein Fitnessprogramm im Wohnflügel des Weißen Hauses und spielt draußen auf der Wiese noch ein bisschen Ball mit seinen Hunden, mit Barney, dem zweijährigen Terrier, und mit Spot, dem English Springer Spaniel, der gerade 14 wurde, wie die Nation offiziell erfährt.

Es sind Tage des Krieges

Um etwas mehr Ruhe zu haben, zieht sich der Präsident am Wochenende auf seinen Landsitz nach Camp David zurück. Er geht in die Kirche und betet für "Gottes Trost und Gottes heilende Kräfte". Über den TV-Sender al Jazeera laufen die ersten Bilder von erschossenen und gefangenen amerikanischen Soldaten, aber Bush schaut sie sich nicht an. Er will sie nicht sehen. Er will auch nicht darüber reden. Zurück in Washington sagt er den Medien nur kurz, dass er eine menschliche Behandlung der Kriegsgefangenen erwartet und dass das mit dem Krieg nicht so einfach wird. Abends geht er wie immer früh zu Bett.

Der Präsident schläft gut in diesen Nächten, hieß es im Weißen Haus, nachdem die ersten 42 Cruise Missiles in Bagdad eingeschlagen waren. Der Präsident schläft immer gut. Er sieht immer gut aus, frisch und erholt. Sein Gesicht erzählt keine Geschichten wie das des ausgezehrten Tony Blair. Sein Stress im Amt setzt sich nicht auf den Hüften fest wie bei Joschka Fischer. "Ich bin mit mir im Reinen", bekennt Bush. "Wenn jemand ein gutes Gewissen dabei hat, dann bin ich es", sagt er über den Krieg im Irak.

Bush zweifelt nie.

Es gibt keine Entscheidung während seiner Präsidentschaft, die er bedauert, keine Albträume, die ihn verfolgen wie einst Präsident Johnson, der in den Nächten des Vietnamkrieges schweißgebadet aufwachte und glaubte, dass sein Kabinett im Nachbarraum gerade eine Verschwörung plane.

Die wenigen Menschen, die ihren Präsidenten in diesen Kriegstagen aus der Nähe zu sehen bekommen, wie Mitchell Daniels, der Budgetchef des Weißen Hauses, sagen: Seine Stimmung sei "normal". Er sei "ausgeglichen". Sein PR-Direktor Dan Bartlett verrät: "Während dieser Zeiten großen Stresses und folgenreicher Entscheidungen ist er sogar noch disziplinierter. Er trainiert mehr, und sein Essverhalten wird besser."

Es ist Krieg - und Bush hält sein Gewicht.

Im Nachbarraum des Oval Office sitzen sein Redenschreiber Michael Gerson und seine persönliche Beraterin Karen Hughes an diversen Erläuterungen zum Krieg, um sie maßgerecht auf ihren Chef zuzuschneiden: ein bisschen Gospel und viel Pathos, einige einfache, aber große Worte, viele böse Feinde und jede Menge Nationalstolz. Die Mischung, die diesen Präsidenten ausmacht. Die Mischung, die Amerika ausmacht. In Anwesenheit seiner Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sitzt Bush manchmal stundenlang über diesen Reden und liest sie laut vor sich hin. Probt die Stimmlage, die Betonung und den Blick in die Kamera. So ist er. Ein Präsentator. Ein Motivator. Ein grandioser Verkäufer. So kam der ehemalige Playboy George W. Bush nach oben: auf den Chefsessel eines Baseballteams, in den Vorstand einer Ölfirma, an die Spitze der einzigen Supermacht dieser Welt.

Bush ist ein Präsident, der warmherzig dreinblickt und eiskalt zuschlagen kann. Der als ehrliche Haut gilt und die Wahrheit - wie im Fall der UN-Resolution - verbiegt, bis sie ihm passt. Der die Stimme Gottes über alles stellt und die Stimme der Kirchen gern überhört. Ein langjähriger Versager, der ohne die guten Kontakte seines Vaters und einiger dubioser Millionengeschäfte nie Präsident geworden wäre.

Doch all das stört seine Landsleute nicht. Mit dem Beginn des Krieges ist Bushs Popularität wieder rasant gestiegen. 71 Prozent unterstützen seinen Kurs und finden, er mache als Oberbefehlshaber eine großartige Figur. In seiner olivgrünen Fliegerjacke passt er besser zum Krieg als Johnson. Wirkt in seinen Gebeten für die Truppen hingebungsvoller als Carter. Hat einen noch entschlosseneren Cowboygang als Reagan.

Und ist selbstbewusster, patriotischer, furchtloser als sein Vater, George Bush senior. Als CIA-Boss George Tenet ihm mitteilte, dass al Qaeda in 60 Ländern operiert, erwiderte Bush: "Dann nehmen wir uns eben eins nach dem anderen vor."

Der Krieg passt zu Bush. Und Bush zum Krieg.

Es ist der elfte große Krieg seit Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1776. Und der zweite für Bush. Er hält den Rekord.

Kurz nach Sonnenaufgang eines jeden Kriegstages erhält der Präsident die Nachrichten der Nacht. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld präsentiert sie ihm im Beisein von Dick Cheney, Condoleezza Rice und Generalstabschef Dick Myers. Nur Colin Powell ist nicht dabei, der Außenminister, der in der Außenpolitik nicht mehr viel zu sagen hat. Vorher schon hat Rumsfeld mit General Tommy Franks im US-Hauptquartier in Katar via Videokonferenz gesprochen und mit seinen engsten Beratern konferiert. Manchmal brüllt Rumsfeld in diesen Sitzungen im fensterlosen Konferenzsaal einfach los. Manchmal verwandelt er die Sitzung in ein Kreuzverhör, in das, was ein Berater "Stahlbürsten-Behandlung" nennt. Und manchmal brüskiert er gar den Präsidenten. Wie lange wird der Krieg dauern, wollte Bush von Dick Myers wissen. Rumsfeld legte Myers die Hand auf den Arm und antwortete: "Dick, du solltest darauf nicht antworten." Dick Myers antwortete dem Präsidenten nicht.

Der Krieg ist da.

Und mit ihm eine neue Machtverteilung in Washington. Die Entscheidung über den Beginn der Operation "Iraqi Freedom" habe Oberbefehlshaber Bush getroffen, heißt es im Weißen Haus. Er studiere auch Landkarten. Und stelle Fachfragen. Sie betonen dies, als wollten sie dem Eindruck entgegenwirken, Bush sei nur Befehlsvollzieher, die Marionette, als die ihn viele sehen im Kreis der alten Reagan-Jünger, der dicken Buddies Cheney und Rumsfeld, der neokonservativen Ideologen um Paul Wolfowitz, Douglas Feith und Richard Perle, die gerade einen großen Traum verwirklicht sehen, einen Traum, den sie seit mehr als zehn Jahren mit sich herumtragen: Saddam zu beseitigen. Amerikas Übermacht zu demonstrieren. Die Welt das Fürchten zu lehren.

Der Krieg ist da.

Und mit ihm kehren die Kalten Krieger mit aller Macht zurück. Bush aber ist keine Marionette. Er ist nicht der dumme, einfältige Cowboy, als den ihn Europa gern sieht. Er kann gut zuhören. Und delegieren. Und zügig entscheiden. So wie er einst als Besitzer der Texas Rangers seine Mannschaft zusammenkaufte und von der Tribüne aus das Geschehen verfolgte, so setzte er auch das Regierungsteam gezielt zusammen und lässt den kriegserprobten Strategen freien Lauf. Am Ende entscheidet immer Bush. Geleitet von seiner tiefen Überzeugung, auf dem richtigen, dem von Gott bestimmten Weg zu sein. Getrieben davon, als Werkzeug des Herrn sein großes Werk zu vollenden: mit moralischer Klarheit und militärischer Dominanz Amerikas Freiheit in die Welt zu tragen.

Oder, in Bushs Worten: als Guter mit aller Macht das Böse besiegen. So will er in die Geschichte eingehen: Er habe die Mission, so erzählte er kürzlich einem Berater, die Rolle der USA neu zu definieren, in Zeiten, da sich die "Erdplatten der Weltordnung" verschieben, so wie sie sich 1776 und 1914 verschoben, im Unabhängigkeitskrieg und im Ersten Weltkrieg. Die Anschläge vom 11. September hätten ihm nicht nur eine neue Aufgabe als Präsident gegeben, sondern eine neue Aufgabe fürs Leben.

So ist dieser Krieg gegen den Irak die erste Umsetzung dessen, was in den Worten vieler Kommentatoren bereits als "Bush-Doktrin" gilt. Ein mutiger Heldenritt, sagen die einen. Ein politischer Amoklauf, sagen die anderen. Unter dieser Doktrin ist Amerika bereit, seine ganze Militärmacht einzusetzen, um die eigenen Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Auch ohne vorhergegangene Provokation. Auch ohne die Vereinten Nationen. Auch ohne Unterstützung der internationalen Allianzen, die die USA nach dem Zweiten Weltkrieg schufen. Eine Doktrin, die allerdings nicht von Bush selbst formuliert wurde, sondern von dem kleinen Kreis um Wolfowitz; in einer Zeit, als Bush noch nicht sehr viel mehr war als ein hemdsärmeliger Baseballfreak ohne jeden politischen Sachverstand, eine Rohmasse, aus der sein Freund und Berater Karl Rove schon damals einen Präsidenten zu formen gedachte.

Bushs Vorstellung vom Präsidentenleben

sah vor zwei Jahren noch ganz anders aus. Er war der Mann, den Außenpolitik nie interessierte, der Slowenien und die Slowakei stets verwechselte. Der Müßiggänger, der lieber am Computer spielte, als sich mit Zukunftsstrategien zu beschäftigen. Der nette Kerl von nebenan, der lieber am neuen Zaun seiner Ranch bastelte als an einer neuen Weltordnung. Er wollte sich und sein Land stärker zurückziehen aus einer immer komplexeren Welt, die ihm nie geheuer war, so wie ihm schon die Stadt Washington nie geheuer war mit der Ansammlung von Diplomaten und Intellektuellen.

Wie soll er, der es schätzt, neben ganz normalen Amerikanern beim Baseball "dasselbe Popcorn zu essen und in dasselbe Urinal zu pinkeln" (O-Ton Bush), mit jemandem klarkommen wie dem französischen Außenminister, dem Aristokraten de Villepin, der die große Diplomatie liebt und nebenbei noch Gedichte schreibt? Wie soll er, der alles in der Politik persönlich nimmt, mit einem wie Putin klarkommen, der sein Duzfreund ist und ihn bei diesem Krieg im Stich lässt? Wie soll er, der glaubt, von Gott persönlich als moralische Instanz eingesetzt worden zu sein, mit einem klarkommen, der sich dreimal hat scheiden lassen wie Gerhard Schröder?

Noch zwei Tage vor Ausbruch des Krieges empörte sich Bush erneut über den deutschen Kanzler. Beim Empfang einiger Senatoren im Weißen Haus zeigte er auf den Stuhl, auf dem Schröder gesessen und ihm zugesagt hatte, den Krieg aus dem deutschen Wahlkampf herauszuhalten. "Er ist noch immer sehr, sehr aufgebracht", sagt Senator Richard Lugar, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat. Bush ist keiner, der so was je vergisst.

Der Präsident schätzt Menschen, die wie er durch tiefe Täler gegangen sind, nur um irgendwann das "Licht in der Dunkelheit" zu finden. Menschen, die vielleicht einmal soffen wie er, die vielleicht einmal obszön zu fluchen pflegten wie er, die vielleicht einmal lebende Frösche mit Feuerwerkskörpern füllten, um sie als Handgranaten einzusetzen, wie er - und schließlich doch auf den wahren Pfad der Tugend zurückfinden. Helden wie Sam Houston in Bushs Lieblingsbiografie "The Raven", der vom Outlaw zum Gründungsvater des Staates Texas wurde. Präsidenten wie Andrew Jackson, der eine aggressive und unilaterale Sicht der Welt hatte. Oder James Polk, der Mexiko im Krieg besiegte. Oder Ronald Reagan, der durch seine Unnachgiebigkeit den Kommunismus in die Knie gezwungen habe. Kämpfte Reagan noch gegen das Böse des Kommunismus, so kämpft Bush heute gegen das Böse an sich.

Nie hat der Präsident

seinen Glauben so stark in den Vordergrund gerückt wie in diesen Wochen. Er spricht öffentlich über "Gottes Geschenke für die Menschen" und füllt seine politischen Reden mit Gospel-Refrains und Bibelzitaten. Er schüttet Gottes Segen aus über Politologen und Atheisten, so wie der Segen einst über ihn ausgeschüttet wurde von dem Fernsehprediger Billy Graham. Damals, vor 17 Jahren, als das orientierungslose Großmaul Bush (Spitzname "Die Lippe") sein Leben gegen die Wand gefahren hatte. Seitdem ist er der festen Überzeugung, dass eine Antwort auf die Probleme der Gesellschaft und des Terrorismus existiert: Gib jedem Menschen die Chance, Gott zu finden.

Die Kabinettssitzungen beginnt der Präsident gewöhnlich mit einem Gebet. Zusätzlich gibt es im Weißen Haus eine Vielzahl von Bibelkreisen, und wer nicht mitmacht, muss sich schon mal den Satz anhören: "Haben dich beim Bibelstudium vermisst." David Frum, ein ehemaliger Redenschreiber von Bush, bekannte: "Die Gewissheit, dass dieses Weiße Haus eines war, wo die Teilnahme an Bibelstunden, so nicht obligatorisch, zumindest nicht unobligatorisch war, beunruhigte mich als Nicht-Christen."

Nach einem Treffen mit Bush

vor wenigen Wochen sagte der christliche Radiomoderator Jim Cody: "Es scheint, als sei er im Auftrag Gottes unterwegs. In der Bibel heißt es, Gott ersehe Führer aus. Wenn er Gott wirklich in sich trägt, wäre er ein Gesalbter."

Die Verbreitung seines Glaubens ist Überzeugung. Aber auch Strategie. Vier Millionen Wähler seien den Republikanern bei der Wahl 2000 durch die Lappen gegangen, errechnete Bushs Wahlkampfmanager Karl Rove, weil man die christliche Botschaft nicht offensiv genug vertreten habe. 46 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich laut einer Gallup-Untersuchung als evangelikale oder wiedergeborene Christen. 68 Prozent der Amerikaner glauben an den Teufel. 48 Prozent an die Schöpfung. Diese Massen haben der Präsident und Rove (genannt "Bushs Gehirn") für die Wahl 2004 im Visier.

Den zweiten großen Schub

erhoffen sie sich von diesem Krieg. 73 Millionen Amerikaner verfolgten Bushs Ultimatum, 200 Millionen die militärische Offensive. Truppen und Minister sind auf allen Kanälen. Reporter bejubeln die "faszinierenden" Schlachtszenen (siehe Kasten). Der Patriotismus schraubt sich in neue Höhen. Mit einem großen Triumph über das, was der Präsident eine "mörderische Gefahr für Amerika" nennt, ginge er gestärkt in das letzte Jahr vor der Wahl.

Läuft er jedoch schief, dieser erste Angriffskrieg in der 227-jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, könnte nicht nur Bush auf der Strecke bleiben, sondern auch eine angekokelte Welt.

Jan-Christoph Wiechmann / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(