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Gesundheitszustand von Ratko Mladic Leistenbruch, Bandscheibenvorfall oder doch gesund?


Der Ankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien wollen den früheren bosnischen Serbenführer Ratko Mladic möglichst schnell vor Gericht bringen. Die Staatsanwaltschaft fürchtet um das Wohl des mutmaßlichen Kriegsverbrechers. Allerdings nicht aus Sorge um dessen Gesundheit.

Widersprüchliche Angaben nach einer Leistenbruch-Operation haben erneut zu Spekulationen über den Gesundheitszustand des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic geführt. Das UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) bezeichnete Berichte über eine Verlegung des wegen Völkermords angeklagten Ex-Serbenführers in eine Haager Klinik am Donnerstag als "falsch". Allerdings deutete ICTY-Sprecherin Nerma Jelacic zugleich an, dass Mladic stattdessen in der medizinischen Abteilung des UN-Untersuchungsgefängnisses operiert worden sein könnte.

Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere bosnische Serbenführer Ratko Mladic ist nach Angaben seines Anwalts wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert worden. Mladic habe seiner Frau nach dem Eingriff telefonisch berichtet, dass alles gutgegangen sei, sagte sein serbischer Anwalt Milos Saljic am Donnerstag in Belgrad. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bestätigte die Angaben zunächst nicht. In einer Erklärung hieß es lediglich, Mladic habe den UN-Gefängniskomplex im niederländischen Scheveningen nicht verlassen. Zum Gesundheitszustand der Häftlinge mache das Tribunal grundsätzlich keine Angaben. Eine Sprecherin sagte lediglich, dass sie allgemein sagen könne, dass allen Angeklagten "die bestmögliche medizinische Behandlung gewährt wird, wenn dies erforderlich ist".

Am frühen nachmittag hieß es noch der Ex-Militärführer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, sei in ein Krankenhaus in Den Haag gebracht worden um an einem Leistenbruch operiert zu werden. Dies meldete unter anderem der Belgrader Sender B92.

Das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) wollte die Berichte weder bestätigen, noch dementieren. Mladic hatte zu Beginn seines Verfahrens am 3. Juni erklärt, er sei "ein schwer kranker Mann".

Nach den Regeln des Gerichtshofes gebe man grundsätzlich "keinen Kommentar zu Spekulationen über den Gesundheitszustand" von Angeklagten ab, erklärte eine Sprecherin des ICTY auf Anfrage. Angaben zu persönlichen vertraulichen Angelegenheiten von Angeklagten könnten nur gemacht werden, wenn der Angeklagte diese selbst freigebe oder die Vertraulichkeit per Gerichtsbeschluss aufgehoben werde.

Zwei Prozesse statt einem Mammutprozess?

Ein Anwalt von Mladic hatte Anfang August in Belgrad erklärt, sein Mandant leide unter einem Leistenbruch und müsse demnächst operiert werden. Laut dem Sender B92 wurde Mladic Mittwochabend aus dem UN-Untersuchungsgefängnis in das Bronovo-Hospital in Den Haag gebracht. Dort wollte sich zunächst niemand dazu äußern.

Die Staatsanwaltschaft beim ICTY hatte am Mittwoch eine Aufspaltung des Mladic-Verfahrens auf zwei aufeinanderfolgende Prozesse beantragt, um dadurch schneller ein erstes Urteil erreichen zu können. Grund sei unter anderem, dass man "für den Fall einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Mladic zu planen" habe, hieß es in dem Antrag.

Danach soll Mladic zuerst wegen Völkermords in Srebrenica zur Rechenschaft gezogen werden und erst in einem möglichen weiteren Prozess wegen der anderen ihm zur Last gelegten Kriegsverbrechen, darunter die Belagerung von Sarajevo. Die bisherige Anklageschrift, die nun für zwei Prozesse aufgeteilt werden soll, umfasste elf größere Fälle von Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges 1992-95, dem etwa 100 000 Menschen zum Opfer fielen.

ono/DPA/AFP DPA

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