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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher gefasst Serbien will Goran Hadzic nach Den Haag überstellen


Nun sind auch die letzten juristischen Hürden gefallen: Serbiens Gerichtshof für Kriegsverbrechen hat der Auslieferung des früheren kroatischen Serbenführers Goran Hadzic zugestimmt.

Serbien hat den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Goran Hadzic festgenommen und damit eine wichtige Hürde für einen EU-Beitritt aus dem Weg geräumt. Der serbische Präsident Boris Tadic bestätigte am Mittwoch die Festnahme des 52-jährigen Ex-Generals, der für die Ermordung und Vertreibung Tausender Kroaten während der Jugoslawienkriege verantwortlich gewesen sein soll. Nach der jüngsten Festnahme des früheren Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, war Hadzic der letzte wichtige Verdächtige, der in Serbien vom UN-Kriegsverbrechertribunal gesucht wurde. Die Europäische Union (EU) begrüßte die Verhaftung und sprach von einem wichtigen Schritt bei den serbischen Bemühungen um eine Annäherung an die EU.

"Wir haben ein dunkles und schweres Kapitel in unserer Geschichte geschlossen", sagte Tadic auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Hadzic sei in den frühen Morgenstunden in der Region um den Nationalpark Fruska Gora verhaftet worden. Die malerische Gegend ist bekannt für ihre zahlreichen serbisch-orthodoxen Klöster. Allerdings stellte Tadic klar, dass Hadzic weder in einem Kloster noch in einer Militärkaserne festgenommen worden sei. Die serbischen Behörden hätten mehrere Jahre mit großem Einsatz an der Ergreifung von Hadzic gearbeitet, was nun belohnt worden sei.

Tadic verglich den Einsatz mit der Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden durch ein US-Elitekommando in Pakistan Anfang Mai. "Wir waren in derselben Situation", erklärte Tadic. Aus Ermittlungskreisen verlautete allerdings, dass Hadzic keine Gegenwehr geleistet habe. "Wir haben ihn geschnappt, als er einen Helfer treffen wollte", sagte ein Insider zu Reuters. "Er hatte sein Erscheinungsbild etwas verändert und seine Papiere gefälscht."

Hadzic wird zur Last gelegt, während des Kroatienkriegs 1991-1995 den Befehl für die Deportation und Ermordung Tausender Kroaten und anderer Nicht-Serben erteilt zu haben. Das UN-Tribunal wirft ihm deshalb unter anderem Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Der entsprechende Haftbefehl wurde bereits im Juli 2004 erlassen. Hadzic gelang es aber unterzutauchen, nachdem ihn Nationalisten innerhalb der serbischen Sicherheitskräfte rechtzeitig vor dem bevorstehenden Zugriff warnten.

In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßten EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Festnahme. "Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt für Serbien bei der Realisierung seiner europäischen Perspektive - und es ist ebenso bedeutend für die internationale Strafverfolgung." Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich ebenfalls erleichtert: "Mit dieser Festnahme werden wir eines der schmerzhaftesten Kapitel in der jüngeren europäischen Geschichte schließen können." Ähnlich äußerten sich der Chefankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals und Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Die Festnahme sei "von großer Bedeutung auch für die Perspektive Serbiens in Richtung Europas und Europäischer Union", erklärte Westerwelle.

Es wird damit gerechnet, dass Hadzic in den nächsten Tagen an das UN-Sondergericht in den Niederlanden ausgeliefert wird. Vor dem Tribunal in Den Haag muss sich seit Juni auch der frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladic wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten, welche ihm auch den Beinamen "Schlächter vom Balkan" einbrachten. Dazu zählen das Massaker an 8000 Muslimen in Srebrenica und die dreieinhalb Jahre dauernde Belagerung von Sarajevo, die ebenfalls Tausenden Menschen das Leben kostete.

Adam Tanner und Alesander Vasovic, Reuters Reuters

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