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GLOBALISIERUNGSGEGNER: Internationale des Protests

Er soll der gewaltigste Aufmarsch einer neuen Protestbewegung werden: Die Globalisierungsgegner wollen das G8-Treffen in Genua sprengen. Unterstützung erhalten sie dabei auch von prominenter Seite.

Italien

Giorgio Armani, Modedesigner

»Ich sympathisiere mit den Demonstranten, die in Genua gegen die Globalisierung auf die Straße gehen. Auch ich will nicht, dass die Welt von einer kleinen Gruppe von Leuten beherrscht wird. Die Herren des G8-Gipfels machen Angst, weil sie nur an sich denken und wenig an die normalen Menschen.«

Irland

Bono, Sänger U 2

»Die acht Regierungschefs müssen den Weltwährungsfonds und die Weltbank auffordern, die Schulden der unterentwickelten Länder total zu erlassen. Einige der ärmsten Länder der Welt geben noch heute mehr Geld für ihren Schuldenabbau aus als für ihr Gesundheitssystem. Es sind dieselben Länder, die gegen Aids zu kämpfen haben. Dieser Wahnsinn muss aufhören.«

Portugal

Jose Saramago, Literatur-Nobelpreisträger

»Welchen Sinn hat es, Sonden zur Erforschung von Wasservorkommen auf den Mars zu schicken, während die Verschmutzung von Flüssen und Meeren ein extremes Ausmaß angenommen hat. Wir sind in den Händen entfesselter Konzerne, die nur auf schnellen Gewinn und zerstörerische Ausbeutung aus sind. Wenn wir uns nicht verteidigen, wird der Wolf Globalisierung die Menschenrechte wie Lämmer verschlingen.«

Brasilien

Sebastiao Salgado, Fotograf

»Wo ich aufwuchs, war mehr als die Hälfte des Landes Regenwald. Heute haben die wenigen Besitzer riesiger Farmen den Wald für Rinderzucht, Soja- und Orangen-anbau gerodet. Die einstigen Kleinbauern arbeiten dort als Tagelöhner. Verschwunden sind Natur und Kultur im Dienste der globalisierten Weltwirtschaft. Einige werden immer ärmer, während andere immer reicher werden.«

Frankreich

Viviane Forrester, Autorin von »Der Terror der Ökonomie«

»Nicht die Globalisierung muss man infrage stellen. Widerstand ist nötig gegen das ultraliberale Management der Globalisierung. Die Allmacht des Profits führt dazu, dass wir uns das Recht auf Leben verdienen müssen, und zwar nicht, indem wir nützlich für die Gesellschaft sind, sondern rentabel. So zerstört der Ultraliberalismus unsere Zivilisation.«

Deutschland

Florian, Student

»Ich habe die Vision einer Welt, in der menschliche Bedürfnisse vor Profitinteressen gestellt werden. Die Feinde dieser Vision kommen in Genua zu-sammen. Mit denen zu reden hat keinen Sinn. Ich glaube zwar nicht, dass es viel bringt, Scheiben einzuschmeißen. Aber wenn die Polizei Gewalt anwendet, dann wende auch ich Gewalt an.«

USA

Noam Chomsky, Linguist

»Globalisierung überträgt das Modell der Dritten Welt auf die Industrienationen. Eine Zwei-KlassenGesellschaft - ein Sektor extrem reich, der andere besteht aus überflüssigen Menschen, die in Armut und Verzweiflung leben. Die wahren Entscheidungen werden in den Konzernen getroffen. Parlamente und Bürger haben weniger Einfluss.«

Deutschland

Susanne Kim, Studentin

»Bei den Demonstrationen gegen Weltwährungsfonds und Weltbank in Prag haben wir uns die Stadt einfach genommen. Es war wichtig, uns nicht einschüchtern zu lassen. Ich verstehe, wenn Leute Steine werfen. Aber das ist nicht unsere Strategie. Wir setzen in Genua auf den Druck der Masse.«

Frankreich

Jose Bove, Bauer

»Ich bin seit 26 Jahren Bauer und habe das Gefühl, zu einer aussterbenden Art zu gehören. Übrig bleiben nur die Giganten, die auf Kosten von Umwelt und Qualität den Weltmarkt überschwemmen. Die 800 Millionen Menschen, die auf der Erde hungern, sind ein Resultat dieser Entwicklung.«

Mexiko

Marcos, Rebellenchef

»Seattle, Prag oder unsere Bewegung in Chiapas, das sind Symptome, Eruptionen. Ausdrucksformen eines Neins zur Globalisierung. Unsere Neins sollten sich auf der Weltebene einen. Die Jas aber müssen ganz individuell aussehen.«

USA

Lori Wallach, Juristin

»Unsere Mobilisierung gegen die Welthandels-konferenz in Seattle 1999 sollte deutlich machen, dass die gegenwärtige Form der Globalisierung nicht von Gott geschaffen ist, sondern ein von langer Hand geplantes Szenario. Wenn die wenigen, die von diesem System profitieren, weiter so dickköpfig sind, werden die Menschen rebellieren.«

Italien

Giordano Luparelli, Aktivist

»Ohne Internet hätte die Bewegung nicht so schnell Verbreitung gefunden. Um das Gipfeltreffen zu stören, brauchen wir von den Tute Bianche (Weiße Overalls) viel Adrenalin, Fantasie und einen guten Schutzpanzer. Denn heute hast du Robocops vor dir, keine Polizisten.«