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Grenzkonflikt: Nordkorea sieht Region "am Rande eines Krieges"

Das Säbelrasseln wird heftiger: Nachdem die USA und Südkorea ihr Seemanöver wie geplant durchführen wollen, hat Pjöngjang vor einer Eskalation gewarnt: "Kriegslüsterne Elemente" hätten erneut einen rücksichtlosen Plan für "Kriegsübungen" entwickelt, die sich gegen Nordkorea richteten.

Wenige Tage vor einem gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas hat die kommunistische Führung in Pjöngjang vor einer weiteren Eskalation gewarnt. Das See- und Luftmanöver der "amerikanischen Imperialisten und ihrer südkoreanischen kriegstreiberischen Marionette" werde die koreanische Halbinsel "an den Rande des Krieges" bringen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag aus einer offiziellen Erklärung. "Kriegslüsterne Elemente" hätten erneut einen rücksichtlosen Plan für "Kriegsübungen" entwickelt, die sich gegen Nordkorea richteten. Die USA hatten am Mittwoch ihre Unterstützung für die Regierung in Seoul bekräftigt und erklärt, dass sie an dem seit Längerem geplanten Manöver im Gelben Meer festhielten. Die viertägigen Übungen, die am Sonntag beginnen sollen, seien "defensiver Natur". Derzeit ist der Flugzeugträger "USS George Washington" auf dem Weg in die Region. Nordkorea hatte bereits im Juli angesichts eines südkoreanisch-amerikanischen Großmanövers mit einem "heiligen Krieg" und dem Einsatz mit Atomwaffen gedroht.

Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea hatten einen neuen Höhepunkt erreicht, nachdem Nordkorea am Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyeong beschossen hatte. Dabei wurden zwei südkoreanische Soldaten und zwei Zivilisten getötet, 18 weitere Menschen wurden verletzt. Südkorea erwiderte den Beschuss.

Südkoreas Armee soll künftig härter reagieren

Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, wurde in Südkorea der bisherige Sicherheitsberater des Präsidenten, Lee Hen Won, zum neuen Verteidigungsminister ernannt. Dagegen erklärte das Büro von Staatschef Lee Myung Bak, die Entscheidung über die Nachfolge des am Vortag zurückgetretenen Kim Tae Young sei noch nicht gefallen. Es gebe mehrere Kandidaten. Anlass für Kims Rücktritt war die Kritik vieler Landsleute, die Reaktion ihrer Regierung auf den nordkoreanischen Angriff sei zu lasch gewesen.

Südkorea hatte nach weiteren Drohungen Nordkoreas verschärfte Einsatzregeln für sein Militär angekündigt. Es würden verschiedene Stufen von Gegenangriffen festgelegt, erklärte Staatschef Lee am Donnerstag in Seoul. Dadurch solle die Armee auf "nordkoreanische Provokationen" künftig härter reagieren können. Die Bodentruppen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea sollen den Angaben zufolge "drastisch" verstärkt werden. Ein Beschluss von 2006 zur Truppenreduzierung bei den Marineinfanteristen werde rückgängig gemacht.

Medien machen Druck auf Regierung in Seoul

Die südkoreanische Presse forderte die Regierung ihres Landes auf, bei einer neuerlichen Attacke Nordkoreas mit Härte zu reagieren. Der Rücktritt von Verteidigungsminister Kim müsse den Beginn für eine Reform des nationalen Sicherheitssystems markieren, schrieb etwa die Zeitung "Chosun Ilbo". Das Blatt "Dong A Ilbo" kommentierte, Südkorea und die USA müssten Nordkorea "wecken und eine starke Botschaft senden, dass wir es ihnen heimzahlen werden", wenn es die umstrittene Grenze im Gelben Meer überschreite. Kritik wurde zudem an der Zurückhaltung Chinas geübt, das den nordkoreanischen Angriff nicht offen verurteilt hatte.

Der UN-Menschenrechtsgesandte für Nordkorea, Marzuki Darusman, warnte Pjöngjang vor einer weiteren Isolation. In Zeiten, in denen Nordkorea angesichts der Menschenrechtslage und der humanitären Bedürfnisse im Lande die Hilfe der internationalen Gemeinschaft brauche, sei dies ein Fehler, sagte Darusman in der südkoreanischen Hauptstadt. Dort war er zu seinem ersten Besuch seit seinem Amtsantritt. Eine Einreiseerlaubnis für Nordkorea erhielt Darusman nicht. Er betonte, dass Südkorea nach den schweren Überschwemmungen im Norden 5000 Tonnen Reis und 250.000 Säcke Zement angeboten habe. Nach dem Angriff vom Dienstag wurde jedoch alle humanitäre Hilfe bis auf weiteres gestoppt.

mad/AFP / AFP