Großbritannien Superhirns Spielchen


Mit einem Zeitungsartikel hat der britische Außenminister David Miliband die Gerüchte um einen Putsch gegen Premier Gordon Brown geschürt. Vor allem aber beweist er mit dem Schachzug einen Sinn für Ränkespiele.
Von Heimo Fischer

An manchen Tagen lächelt David Miliband wie ein verklemmter Teenager und liefert kurz darauf eine brillante Rede. An anderen Tagen kann er schauen wie ein Staatsmann, aber seine Worte bleiben geheimnisvoll verschlungen. Dann wirkt der britische Außenminister gefährlich. Seit zwei Tagen spricht Miliband nun in Rätseln und verbreitet Angst und Schrecken in seiner Labour-Partei.

Mit einem Artikel im "Guardian" nimmt das Drama seinen Lauf. Der 43-Jährige zieht darin eine Bilanz der Labour-Regierung. Darin übt der Minister leise Kritik an der Gesundheitspolitik und dem Vorgehen im Irak.

Das riecht nach Verrat. Schließlich ist Labour in der Krise. Die Partei verliert Nachwahlen, stürzt in Umfragen ab, und Spitzenpolitiker drängen Gordon Brown zum Rücktritt als Regierungschef. Ein Punkt aber macht Miliband besonders verdächtig: Er selbst gilt als Favorit für die Nachfolge Browns.

Miliband beherrscht die politischen Ränkespiele

Kein Wunder, dass sich britische Medien auf den Text stürzen, um jede Zeile zu interpretieren - mit widersprüchlichem Ergebnis. Die Formulierungen sind einfach zu glatt. Wenig später sorgt Miliband erneut für Verwirrung: Er stellt sich hinter Brown. "Ich kämpfe für nichts anderes als eine erfolgreiche Labour-Regierung", sagt er auf einer Pressekonferenz. Fragen, ob er einen Machtkampf mit Brown definitiv ausschließe, umschifft er elegant.

Miliband beherrscht die politischen Ränkespiele, weiß, wann er angreifen und wann in Deckung gehen muss. Seiner Partei ist er seit Jahren verbunden. Schon als Schüler verteilt er Flugblätter für Labour. In Kontakt mit der Politik kommt er über seinen Vater Ralph. Der marxistische Theoretiker zog 1940 nach Großbritannien. Als Jude war er von Belgien vor den Nazis geflohen. Der mögliche Sprung an die Spitze der Regierung käme für Miliband früh. Seine Karriere verläuft schnell. Die elitäre Ausbildung, die für einen britischen Politiker wichtig ist, hilft dabei. Er studiert politische Wissenschaften in Oxford, macht noch einen Abschluss am renommierten Massachusetts Institute of Technology in den USA. Später arbeitet er für den damaligen Premier Tony Blair, der ihn mit in die Downing Street nimmt und zum Minister macht.

Selbst ein Superhirn braucht Berater

Programme schreiben kann Miliband schon damals gut. Wegen seiner brillanten Analysen bekommt er den Spitznamen "Brains", was frei übersetzt "Superhirn" bedeutet. Auch das von Blair und Brown verfochtene Konzept einer modernen sozialdemokratischen Partei trägt Milibands Handschrift.

Das Superhirn setzt selbst auf versierte Berater. Zu ihnen zählt die in Deutschland geborene Sarah Schaefer. Die ehemalige Journalistin gilt als Mitautorin des Artikels, der Miliband nun ins Zentrum gerückt hat. Sie wird ihn warnen, wenn er sich zu weit vorwagt. Labour-Abgeordnete beschimpften ihn bereits als doppelzüngig. Sollte Brown aber wirklich gehen müssen, ist Milibands große Stunde da. Dann muss er nur noch lächeln lernen wie ein richtiger Premierminister.

FTD

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