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Guantanamo-Prozess: 9/11-Drahtzieher will die Todesstrafe

Im Prozess um die Terroranschläge vom 11. September hat der mutmaßliche Drahtzieher Chalid Scheich Mohammed für sich die Todesstrafe gefordert. Vor dem Militärtribunal in Guantanamo sagte Mohammed, er freue sich auf den Tod und wolle als Märtyrer sterben.

Mehr als sechs Jahre nach den Anschlägen vom 11. September hat das erste US-Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Drahtzieher der al-Kaida-Attentate begonnen. Der Hauptangeklagte Chalid Scheich Mohammed aus Pakistan nutzte seinen Auftritt vor dem umstrittenen Militärtribunal im US-Gefangenenlager Guantanamo am Donnerstag für ein Loblied auf den Islam und eine Verdammung der US-Kultur. Mit ihm stehen vier Komplizen vor Gericht, die wie er wegen des Mordes an den 2973 Todesopfern der Terroranschläge angeklagt sind. Den Männern droht die Todesstrafe.

Mohammed erklärte, er freue sich auf den Tod. "Ich wünsche mir, als Märtyrer zu sterben", sagte das höchstrangige al-Kaida-Mitglied in US-Hand. Als der vorsitzende Richter ihn fragte, ob er mit dem vom Gericht bestellten US-Anwalt einverstanden sei, erhob er sich von seinem Platz und begann auf Arabisch ein Lied zu singen, das er anschließend selbst ins Englische übersetzte: "Mein Schild ist Allah", hieß es darin.

Mohammed lehnte den US-Verteidiger mit der Begründung ab, dies widerspreche seiner Religion. Er kritisierte die USA für die Kriege in Afghanistan und Irak, die er als Kreuzzüge bezeichnete. Die Erlaubnis gleichgeschlechtlicher Ehen nannte er als Beispiel dafür, dass das Land den falschen Gesetzen folge. Der Angeklagte wirkte in einer gepflegten weißen Tunika und mit seinem Turban alt und stattlich. Er trug einen langen buschigen grauen Bart und eine Brille aus dem Bestand der US-Armee.

Umstrittenes Militärtribunal

Angehörige der fast 3000 Todesopfer halten das Verfahren für überfällig, während Kritiker den Prozess als nicht fair bezeichnen. Unklar ist allerdings, ob das Militärtribunal einer rechtlichen Prüfung standhält. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 2006 ein ähnliches System als verfassungswidrig gestoppt.

Noch in diesem Monat entscheiden die Richter über die Rechte der Gefangenen in Guantanamo, was das Verfahren verzögern und zu Verschiebungen führen könnte. Zudem ist US-Präsident George W. Bush nur noch acht Monate im Amt. Die Kandidaten für seine Nachfolge, der Demokrat Barack Obama und der Republikaner John McCain, haben beide erklärt, dass sie das Lager auf Kuba schließen wollen.

Mohammed hatte sich in einer Anhörung im vergangenen Jahr zahlreicher Anschläge und Anschlagspläne gegen die USA bezichtigt. Er wurde 2003 in Pakistan gefangengenommen und später nach Guantanamo gebracht. Im Laufe des Verfahrens könnten Mohammed und die anderen Angeklagten wieder ihre Sichtweise vortragen, so wie sie es wollten, sagte der Vorsitzende des Tribunals, Brigadegeneral Tom Hartmann, der Nachrichtenagentur AP. "Das ist eine große Freiheit, die wir ihnen geben. Wir glauben, dass das die amerikanische Art ist."

Angehörige der Opfer dürften später auch an dem Verfahren teilnehmen. Der Leiter des Verteidigerteams, Oberst Steve David, kritisierte den Prozess als "von Grund auf fehlerhaft". Vor kurzem warf die Verteidigung der Regierung in Washington vor, mit einer raschen Durchführung der Prozesse die Präsidentenwahl im November beeinflussen zu wollen.

Geständnisse unter Folter zustande gekommen

Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, erklärte im Deutschlandradio Kultur, vor dem Militärtribunal würden auch Geständnisse verwendet, die unter Folter zustande gekommen seien. Damit verletzten die USA internationale Menschenrechtsstandards, zu denen sie sich selbst verpflichtet hätten, sagte Nowak. Eine Einladung nach Guantanamo habe er abgelehnt, weil ihm persönliche Interviews mit Häftlingen ohne Anwesenheit von Gefängniswärtern verweigert worden seien.

Während des Verfahrens ist nach Angaben der Streitkräfte Wachpersonal in der Nähe der Angeklagten, Waffen sind im Gerichtssaal nicht erlaubt. Den Verdächtigen könnten Fußfesseln angelegt werden, sollten sie sich renitent benehmen, sagte ein Sprecher. Journalisten verfolgten den Prozess in einem Nebenraum über eine Kamera. Bei den Angeklagten handelt es sich neben Mohammed um Ramsi Binalschib, den mutmaßlichen Verbindungsmann zwischen den Flugzeugentführern und der al Kaida, Mohammed al Kahtani, der als 20. Attentäter bezeichnet wurde, Ali Abd al Asis Ali, einen Neffen von Scheich Mohammed, dessen Assistenten Mustafa Ahmed al Hausaui und Walid bin Attasch, der mehrere der Entführer ausgebildet haben soll.

Reuters/AP / AP / Reuters