HOME

"Women on Waves": Niederländisches "Abtreibungsschiff" soll Guatemala verlassen

Guatemala hat ein "Abtreibungsschiff" einer niederländischen Organisation aufgefordert, die Gewässer vor seiner Küste zu verlassen. Die Streitkräfte des mittelamerikanischen Landes seien verpflichtet, menschliches Leben zu schützen und zu verteidigen.

Guatemala

Das niederländische "Abtreibungsschiff" im Hafen von San Jose in Guatemala

Ein niederländisches Abtreibungsschiff ist nach Angaben von Aktivisten bei seiner Ankunft vor der Küste Guatemalas von der Marine festgesetzt worden. Das Schiff werde "illegal" von der Armee festgehalten, erklärte die Gruppe Women on Waves ("Frauen auf Wellen"). Damit werde der "rechtmäßige Protest gegen die staatlichen Beschränkungen des Rechts der guatemaltekischen Frauen auf sichere Abtreibung" behindert.

In Guatemala darf eine schwangere Frau nur abtreiben, wenn ihr Leben in Gefahr ist. Laut Women on Waves gibt es in dem lateinamerikanischen Land jährlich rund 65.000 illegale und oft gefährliche Abtreibungen.

Guatemala: Präsident veröffentlicht Beschwerde des Militärs

Das Militär erklärte in einer offiziellen Beschwerdeschrift an die Staatsanwaltschaft, es werde der Gruppe "nicht erlauben, ihre Aktivitäten im Land auszuführen". Die Beschwerde wurde auf Anweisung von Präsident Jimmy Morales veröffentlicht.

Die Ankunft des in den Niederlanden registrierten Boots im Hafen von Puerto San José wurde von Protesten christlicher Gruppen begleitet. Die Hafenbehörde verbot den Aktivisten, ihr Schiff zu verlassen. Zur Begründung hieß es, sie hätten den Grund ihrer Reise nicht erklärt. Die Marine schickte ein Schiff zur Beobachtung.

Auf dem Boot befinden sich zehn Aktivisten aus den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Guatemala. Eine Pressekonferenz der Gruppe wurde von Demonstranten unterbrochen.

Women on Waves will nach eigenen Angaben in den kommenden fünf Tagen kostenlose Abtreibungen bis zur zehnten Schwangerschaftswoche auf dem Schiff anbieten, nachdem dieses in internationalen Gewässern geankert hat. Gründerin Rebecca Gomberts erklärte, es könnten immer fünf Schwangere gleichzeitig in einem Beiboot zu dem Abtreibungsschiff gebracht werden.

Organisation sorgt immer wieder für Aufsehen

Die Schwangerschaftsabbrüche werden durch die Einnahme von zwei Tabletten herbeigeführt. Die Gruppe bietet den betroffenen Frauen Beratung, Behandlung und eine Betreuung nach der Abtreibung an. Laut dem österreichischen Frauenarzt Christian Fiala ist die Abtreibungspille zu 99 Prozent sicher und ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) freigegeben.

Die Organisation hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. Ihre Abtreibungsschiffe vor Irland, Polen, Portugal und Spanien wurden jedes Mal von Protesten von Abtreibungsgegnern begleitet. Die letzte Mission ging 2012 nach Marokko, wo die Marine das Anlegen des Schiffes unterband.

tim / AFP