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Hintergrund: Libanon - Wo der Frieden nicht lange währt

Israelische Truppen sind bereits mehrmals in den Libanon einmarschiert. 1982 besetzten sie den Libanon und richteten nach ihrem Abzug eine Sicherheitszone im Süden ein. 2000 zogen sie sich wieder zurück, griffen aber 2006 nach der Entführung zweier israelischer Soldaten erneut an.

Von Svenja Friedrich

Der Bürgerkrieg beginnt

Ursache des Bürgerkrieges im Libanon war der Verlust des ethnischen Gleichgewichts nach der Ankunft der bewaffneten Kräfte der PLO, die im September 1970 aus Jordanien vertrieben worden ist. Diese errichteten mit Billigung muslimischer libanesischer Gruppen einen bewaffneten "Staat im Staate". Vorausgegangen war eine Reihe wechselseitig verübter Anschläge und kleinerer Massaker zwischen diesen Gruppierungen.

Um die Stützpunkte der PLO im Südlibanon zu zerschlagen, drang Israel 1978 und 1982 in den Libanon ein. Bei der zweiten Operation lieferte sich die israelische Armee heftige Kämpfe mit syrischen Truppen. Sie belagerte Beirut und zwang die PLO zum Rückzug aus dem Libanon. Der Rückzug der PLO wurde unter Kontrolle einer multinationalen Militärtruppe (MNF) durchgeführt und im August 1982 abgeschlossen. Nach der Ermordung des libanesischen Präsidenten 1982 kam es zu Massakern mit rund 2500 Toten in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila. Das israelische Militär hatte die Phalangisten - unter der Vorgabe dort nach Waffenlagern zu suchen - in die Lager geschickt. Nach diesen Ereignissen wurde die MNF (unter Beteiligung der USA, Frankreich, Italien und Großbritannien) erneut in Beirut stationiert.

Rücksichtsloses Vorgehen und der Frieden von Taif

Durch ihr rücksichtsloses Vorgehen gegen die überwiegend schiitisch-muslimische Landbevölkerung sorgten die israelischen Truppen selber für immer mehr Zulauf zu radikalen Organisationen. 1983 wurden US-Einrichtungen (unter anderem die US-Botschaft in Beirut) Ziel von

Bombenanschlägen

, für die die radikal-islamische libanesische Bewegung Hisbollah verantwortlich ist. Mit diesen Anschlägen sowie mehrere Attentaten beabsichtigte sie Widerstand gegen die israelische Besatzung des Libanons zu demonstrieren. Die MNF wurde daraufhin 1984 abgezogen. Israel zog seine Truppen bis Juni 1985 zurück, richtete aber zum Schutz seiner Grenzen im Südlibanon eine

Sicherheitszone

ein. Hier baute sie eine neue Miliz, die Südlibanesische Armee, auf.

Als sich das libanesische Parlament 1988 nicht auf einen Nachfolger für Amin Gemayel (Präsident des Libanon 1982-88) einigen konnte, ernannte Gemayel den Militärstabchef General Michel Aoun zum Regierungschef. Nun zerfiel der Libanon endgültig in mehrere Machtbereiche und es kam zur

Bildung einer muslimischen Gegenregierung

. Erst im Oktober 1989 kam es in Taif unter der Vermittlung von Saudi-Arabien zu einem

Friedensabkommen

. Mit der Vernichtung der libanesischen Armee unter General Aoun durch die syrische Armee im Oktober 1990 konnte das Land wieder befriedet werden.

Der Frieden währte nicht lange

Nach dem Friedensabkommen von Taif beruhigte sich die Lage im Libanon zunehmend und der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes begann. Dabei spielte die Firma Solidere des libanesisch-saudischen Milliardärs

Rafik Hariri

eine entscheidende Rolle. Hariri war bis zu seiner Ermordung 2005 mehrfach sunnitischer Ministerpräsident.

Trotz des neu gewonnen Friedens blieb der Süden des Libanon weiterhin besetzt. Mit dem syrisch-libanesischen Vertrag (Mai 1991) konnte Syrien seine Funktion als so genannte "Ordnungsmacht" im Libanon festigen. Die israelische Armee unterhielt weiterhin die Sicherheitszone im Südlibanon. Die militante libanesische Organisation Hisbollah operierte in dieser Zone und wurde auf Druck Syriens nicht entwaffnet. Das Vorgehen Israels gegen die Zivilbevölkerung im Südlibanon (zum Beispiel die Zerstörung der Infrastruktur) stärkte die Hisbollah und vergrößerte die Zahl ihrer Anhänger. Auch die militärische Interventionen Israels 1993 sowie 1996 konnten die Hisbollah nicht zerschlagen. Stattdessen forderten sie zahlreiche Tote unter den Zivilisten. Schließlich erfüllte Israel 2000 die seit 1978 bestehende UN-Sicherheitsratsresolution 425 und zog sich aus der so genannten Sicherheitszone im Südlibanon zurück.

Von der neuen Souveränität zur Libanon-Krise 2006

Nach einem Autobombenanschlag auf den ehemaligen langjährigen libanesischen Regierungschef Rafik Hariri 2005 wurde

Syrien

indirekt für das Attentat verantwortlich gemacht. Der Druck der USA und der libanesischen Opposition auf Syrien wuchs und zwang den Staat seine Truppen aus dem Libanon abzuziehen sowie dem Staat die volle Souveränität zurückzugeben. Obwohl die Drahtzieher des Hariri-Attentats bis heute nicht bekannt sind, trat die pro-syrische Regierung in der Folge der Proteste zurück. Syrien zog bis Ende April 2005 seine Truppen vollständig ab. Als neue amtierende libanesische Regierung entstand eine sehr heterogene Koalition, in der auch die Hisbollah vertreten ist. Neuer Ministerpräsident ist Fouad Siniora.

Im Juni 2006 entführte die radikale palästinensische Bewegung Hamas einen israelischen Soldaten. Daraufhin marschierte die israelische Armee in den Gaza-Streifen ein und führte mehrere Luftangriffe mit dem Ziel, die Entführer zu treffen, durch. Die Hisbollah sieht sich selbst solidarisch gegenüber den Palästinensern, da diese ebenso die Vorherrschaft des Islam auf dem Gebiet Israel anstreben. Die Angriffe auf palästinensisches Gebiet sind aus Sicht der Hisbollah als Terrorakte zu werten. Möglicherweise aus diesem Grund hat die radikale libanesische Organisation zwei israelische Soldaten im Juli 2006 entführt. Daraufhin kam es zu israelischen Militärschlägen gegen den Libanon und zu einer See- und Luft-Blockade.