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Holocaust-Konferenz: Alles, was Nazis hören möchten

Der Spuk ist vorbei, die Holocaust-Konferenz in Teheran zu Ende. Zum Abschluss bedankte sich Irans Präsident Ahmadinedschad mit einer Ansprache, die alles enthielt, was Nazis gerne hören möchten.

Von Steffen Gassel, Teheran

Ganz zum Schluss wollte Arnold Cohen doch noch an die Wahrheit erinnern. Der alte Rabbi griff das Mikrofon und sah Mahmud Ahmadinedschad an. "Ich bin kein Historiker", sagte der orthodoxe Jude, der den Staat Israel aus religöser Überzeugung ablehnt. "Aber ich weiß aus eigener leidvoller Erfahrung von Menschen, die die Nazis umgebracht haben. Millionen Juden sind verschwunden, aus Polen, aus Ungarn, aus ganz Europa. Ich verstehe nichts von Gaskammern. Aber eines steht doch fest: Diese Leute sind nicht mehr unter uns."

Doch die Worte des Rabbis kamen zu spät. Das Ergebnis der Teheraner Holocaust-Konferenz stand schon fest. "Die Vorstellung, die Nazis hätten sechs Millionen Juden in Gaskammern getötet und verbrannt, ist eine Erfindung der von den Zionisten aufgehetzten Siegermächte," so hatte es der iranische Vize-Außenminister Mohammadi bei einer Audienz in Ahmadinedschads Amtsitz heute Nachmittag resümmiert. Anschließend ließ sich der iranische Präsident von den Teilnehmern der Teheraner Holocaust-Konferenz als Champion der Redefreiheit huldigen. "Dr Ahmadinedschad, Sie haben uns vom Dogma des Holocaust befreit," rief der australische Gaskammern-Leugner Fredrick Töben. "Damit machen Sie Geschichte. Die Politiker überall in der Welt zittern vor Ihnen." Donnernder Applaus.

Ahmadinedschad bedankte sich mit einer Ansprache, die alles enthielt, was die Ewig-Gestrigen gerne hören. "Warum kann man im Westen Gott und die Propheten infrage stellen, aber niemand darf es wagen, den Holocaust zu hinterfragen?" sagte er und verglich die Erinnerung an die Judenvernichtung mit einem Götzendienst. "Ob er stattgefunden hat, oder nicht, in großem oder kleinerem Ausmaß - der Holocaust ist zu einem Vorwand für die Unterdrückung der Menschen unserer Region geworden", wetterte der Präsident. "Und nicht nur dort: In Europa hält eine kleine Minderheit von Zionisten die große Mehrheit der Leute zum Narren. Der Krieg ist 60 Jahre her - warum sollen die Menschen heute immer noch unter den Folgen des Krieges leiden?"

Angst vor deutscher Justiz

Die deutschen Teilnehmer der Konferenz hielten sich bei der Audienz im Hintergrund - wohl aus Furcht, wegen einer Äußerung hier in Deutschland vor Gericht zu landen. Am Vormittag bereits hatte der österreichische Wolfgang Fröhlich seinen angekündigten Auftritt abgesagt. "Ich kann meine Rede leider nicht wie geplant halten", erklärte er. "Sonst werde ich bei meiner Rückkehr gleich am Flughafen in Wien verhaftet." Sein Anwalt habe ihn angerufen und abgeraten, sagte Fröhlich und bat um Verstädnis. "Ich habe doch schon zwei Jahre im Gefängnis gesessen." Für seinen Rückzieher erntete er langen Applaus.

Sonst ging das Treffen in Teheran mit den gleichen Parolen weiter wie gestern. Alte und neue Nazis aus Europa genossen es, sich als aufrechte Kämpfer für die historische Wahrheit feiern zu lassen. Referenten aus der islamischen Welt fühlten sich von den Thesen der Holocaust-Leugner in ihrer Überzeugung bestärkt, Israel dürfe nicht existieren.

"Wurzel des Übels ist der Judaismus"

Einen skandalösen Höhepunkt bildete die Rede der Australierin Michèle Renouf. "Wir reden immer nur über Holocaust und Zionismus und vergessen dabei die Wurzel des Übels: Den Judaismus," rief die Schauspielerin, die außer durch ihre Nazi-Thesen bisher nur durch ihren Titel als Schönheitheitsköniging des Antipoden-Kaffs Newcastle aufgefallen ist. "Mit ihrem Glauben, sie seien allen anderen Menschen überlegen, korrumpieren die Juden unsere Kultur." Wer von Anfang an am Versprechen der Organistoren gezweifelt hatte, die Konferenz finde in "vollem Respekt gegenüber der jüdischen Religion" statt - der fühlte sich spätestens jetzt bestätigt.

Mit den meisten Anwesenden war sich Renouf einig, dass Israel kein Existenzrecht habe. Dem Vorschlag des iranischen Präsidenten, die Juden in ihre ehemaligen Heimatländer in Europa zurückzuschicken, wollte sie allerdings nicht zustimmen. "Das ist doch schon einmal schief gegangen. Früher oder später machen sich die Juden verhasst, egal wo sie hinkommen." Für Mahmud Ahmadinedschad hatte sie trotz dieser kleinen Meinungsverschiedenheit jedoch nur Lob. "Das ist einer der wenigen Politiker, der den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen."