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Huthi-Milizen im Jemen: USA ziehen Soldaten und Diplomaten ab

Die Sitation im Jemen spitzt sich zu: Huthi-Milizen erobern immer mehr Gebiete. Nach den blutigen Selbstmordattentaten berufen die USA ihre Diplomaten und Soldaten ab. Dem Land droht ein Bürgerkrieg.

Bei den schlimmsten Attentaten, die die Hauptstadt Sanaa bislang erlebte, waren am Freitag 142 Menschen getötet worden

Bei den schlimmsten Attentaten, die die Hauptstadt Sanaa bislang erlebte, waren am Freitag 142 Menschen getötet worden

Nach den blutigen Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen wächst im Jemen die Gefahr eines Bürgerkriegs. Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi warf den Tätern von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor, "Chaos, Gewalt und innere Kämpfe" schüren zu wollen. Die USA zogen wegen der Gewalteskalation Soldaten und das letzte Botschaftspersonal aus dem Jemen ab. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein.

Bei den schlimmsten Attentaten, die die Hauptstadt Sanaa bislang erlebte, waren am Freitag 142 Menschen getötet worden. In den Moscheen, die von Anhängern der in Sanaa herrschenden schiitischen Huthi-Miliz besucht werden, hatten sich vier Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Erstmals bekannte sich der sunnitische IS zu Anschlägen im Jemen. Diese seien "nur die Spitze des Eisbergs", erklärte die Organisation. Hadi verurteilte die "terroristischen, kriminellen und feigen" Anschläge. Die Huthi-Miliz sprach von einem "Krieg gegen das jemenitische Volk". Die Extremisten von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), die sowohl Hadi als auch die Huthi bekämpfen und sich mit dem IS einen Wettstreit um die Vorherrschaft im Jemen liefern, erklärten, sie verübten keine Anschläge auf Moscheen.

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Bislang war Al-Kaida die aktivste Dschihadistenorganisation in dem Land. Die Huthi-Miliz war seit Sommer vergangenen Jahres auf Sanaa vorgerückt, im Januar übernahm sie mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt. Hadi floh Ende Februar in die südliche Küstenstadt Aden. Zuletzt schlugen die Huthi-Rebellen nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch in der Stadt Taes die Regierungstruppen zurück und übernahmen die Kontrolle über den Flughafen. Unterstützt wurden sie demnach von Spezialkräften des 2012 entmachteten Präsidenten Ali Abdallah Saleh.

UN beruft Dringlichkeitssitzung ein

Angesichts der eskalierenden Gewalt zogen die USA Soldaten und ihre verbliebenen Diplomaten aus dem Jemen ab. Das Militärpersonal habe den Luftwaffenstützpunkt Al-Anad im Süden des Landes "mit unbekanntem Ziel" verlassen, hieß es aus jemenitischen Armeekreisen. Auch die letzten Botschaftsmitarbeiter wurden außer Landes gebracht, wie das US-Außenministerium mitteilte. Die jemenitische Regierung hatte kürzlich eingeräumt, dass die US-Armee von Al-Anad aus Informationen über Ziele für Drohnenangriffe gegen Al-Kaida sammelte. Der Jemen gehörte in der Region bislang zu den engsten Verbündeten der USA, wegen der anhaltenden Unruhen im Land hatte Washington seine Botschaft in Sanaa aber schon vor Wochen geschlossen.

Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung zur Lage im Jemen ein. Um das Treffen hatte Präsident Hadi gebeten. In einem Brief an das höchste UN-Gremium bat er die Weltgemeinschaft um ein "dringendes Eingreifen mit allen verfügbaren Mitteln". Die Anschläge in Sanaa waren international scharf verurteilt worden - auch vom Iran, der verdächtigt wird, die Huthi-Rebellen im Konflikt mit Hadi zu unterstützen. In der ersten Fernsehansprache seit seiner Flucht zeigte sich Hadi jedoch unnachgiebig: Die Jemeniten - "ganz gleich ob Sunniten oder Schiiten" - würden die Unterstützung des Iran für die Huthi-Rebellen "nicht hinnehmen".

she/AFP / AFP