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Internationale Geberkonferenz in Tokio Milliardenhilfe soll Afghanistan vor dem Chaos bewahren


Mit Milliardenhilfen will die internationale Staatengemeinschaft verhindern, dass Afghanistan nach dem Abzug der ausländischen Kampftruppen ins Chaos abrutscht. Die Hilfen sind an strenge Auflagen geknüpft.

Auf einer internationalen Geberkonferenz hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon intensive Unterstützung für Afghanistan auch nach dem Abzug der ausländischen Truppen angemahnt. Wenn das Land keine finanzielle Hilfe bekomme, "könnten die Anstrengungen der vergangenen zehn Jahre zunichte gemacht werden", sagte Ban am Sonntag auf der Konferenz in Tokio. Präsident Hamid Karsai sagte, Afghanistan sei weiter durch "Terrorismus und Extremismus" bedroht.

"Wir befinden uns an einem kritischen Punkt der Geschichte Afghanistans", sagte Ban. Unter der Regierung Karsais seien Fortschritte erzielt worden, doch seien diese gefährdet. Der UN-Generalsekretär rief dazu auf, mehr für die Frauen und Kinder in Afghanistan zu tun, "besonders bei der Bildung für Mädchen und der Beteiligung von Frauen an der Politik". Den Sorgen hinsichtlich der afghanischen Regierungsführung müsse im Interesse des afghanischen Volkes nachgegangen werden.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, vor allem die Rechte der Frauen müssten in Afghanistan gestärkt werden. "Die USA sind fest davon überzeugt, dass keine Nation Frieden, Stabilität und wirtschaftliches Wachstum erlangen kann, wenn die Hälfte der Bevölkerung keine Rechte hat", sagte Clinton. Afghanistan müsse auf seinem künftigen Weg die Korruption bekämpfen, die Regierungsführung verbessern und allen Afghanen, besonders den Frauen, Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung eröffnen.

Afghanistan ohne Hilfe von außen nicht überlebensfähig

Karsai rief die Geberkonferenz auf, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen. Nach wie vor sei sein Land durch Extremismus bedroht. Derzeit komme dem Versöhnungsprozess in seinem Land besondere Bedeutung zu. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin weitere Reformen in Afghanistan an. "Wir brauchen eine gute Regierungsführung und eine starke Zivilgesellschaft in Afghanistan", sagte er laut Redetext.

Vertreter von mehr als 80 Staaten und internationalen Organisationen berieten in Tokio über die Hilfen für den zivilen Wiederaufbau des Landes nach dem Abzug der Nato-Truppen Ende 2014. Karsai fordert jährliche Hilfen von rund vier Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). Die japanische Regierung rechnete mit bereits getroffenen und neuen Zusagen in Höhe von insgesamt mehr als 16 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2015.

Seit der US-geführten Militärintervention zum Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001 sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 47 und 60 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern nach Afghanistan geflossen. Das nach mehr als 30 Jahren Krieg zerstörte Land ist ohne Hilfe von außen nicht überlebensfähig. Nach Angaben der Weltbank machen internationale Hilfen mehr als 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Am Samstag hatten die USA Afghanistan offiziell den Status eines "wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten" zugebilligt. Er sieht eine langfristige Zusammenarbeit zwischen den USA und Afghanistan in Sicherheitsfragen vor; die so eingestuften Partnerländer, die nicht der westlichen Militärallianz angehören, können unter anderem US-Rüstungsprodukte leichter erwerben und finanzieren. Rund 15 Staaten haben diesen Status, darunter Israel, Ägypten, Pakistan, Japan und Jordanien.

kgi/AFP AFP

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