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IRA und ETA: Exit des europäischen Terrors

Sie haben tausende Menschen in den Tod gebombt - nun aber ziehen sich die europäischen Terrorgruppen zurück. Der zentrale Grund: Seit dem 11. September haben sie noch weniger Sympathisanten - aber immer schärfere Ermittler im Nacken.

Ein Bombenanschlag in London? Das muss die IRA gewesen sein. Ein Attentat in Madrid? Geht sicher auf das Konto der ETA. Solche Gewissheiten, wie sie vor wenigen Jahren noch galten, sind inzwischen hinfällig. Die Al Kaida hat das Feld übernommen und die europäischen "Altterroristen" wollen "nicht mit dieser neuen Art von Terror in Verbindung gebracht werden", so Christopher Langton vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London (IISS). Sowohl die IRA als auch die ETA haben mittlerweile Waffenstillstände erklärt.

Ursache dafür ist auch der gestiegene Fahndungsdruck. Die Bedrohung durch Al Kaida hat die europäischen Regierungen veranlasst, härterte Anti-Terrorgesetze zu erlassen und die Zusammenarbeit der nationalen Geheimdienste zu verbessern. Die Anschläge des 11. Septembers "haben die Regierungen härter gemacht", sagt der Terrorismus-Experte Jonathan Stevenson.

Sympathien verloren

Die Anschläge der ETA hatten zwischen 1968 und 2003 rund 800 Menschen das Leben kosteten - vergangene Woche erklärte die Gruppe eine unbefristete Waffenruhe. Die IRA, die für 1.775 Todesopfer verantwortlich gemacht wird, begann nur sechs Wochen nach dem 11. September 2001 mit ihrer Entwaffnung. Nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn im vergangenen Juli wies sie ihre Mitglieder offiziell an, auf Gewalt zu verzichten.

"Al Kaida hat die Dinge für uns verändert", erklärte ein IRA-Veteran der Nachrichtenagentur AP. Bis zum September 2001 habe die IRA bei ihren Anschlägen im Londoner Bankenviertel "international ein gewisses Maß an Sympathie erwarten können". Aber: "Ich würde nicht damit rechnen, dass besonders viele irisch-amerikanische Einwohner in New York uns zujubeln, wenn wir so etwas heute machen würden."

Etablierung als Partei

Die meisten europäischen Untergrundorganisationen enstanden Ende der 60er Jahre, mitten im Kalten Krieg. Sie hatten nur eine schmale Basis in der Bevölkerung, als der Warschauer Pakt zusammenbrach, lösten sie sich auf oder verloren ihre Ziel. Das Ende des Kalten Krieges habe praktisch alle paramilitärischen Bewegungen Europas untergraben, erklärt Fred Halliday von der London School of Economics. Die Sinn Fein, der politische Flügel der IRA, habe die Gelegenheit genutzt, sich als normale Partei zu etablieren. Die ETA wiederum bemüht sich darum, die Strategie der Sinn Fein - "Waffenstillstand für Verhandlungen" - zu übernehmen.

Die mühsame mentale Abrüstung der beiden Gruppen zeige jedoch, wie lange man auf ähnliche Schritte von Al Kaida oder der radikalislamischen Hamas werde warten müssen, betonte Halliday. "Die IRA und die ETA müssen schon zehn, 20 Jahre vor ihrem Waffenstillstand gemerkt haben, dass ihr Krieg zu nichts führt. Ihre Führer haben so lange gebraucht, um ihre Bewegung auf die Realität umzustellen", so Halliday. "Wie lange wird es brauchen, bis Al Kaida und die Hamas den gleichen Weg gehen? Das ist deprimierend."

Shawn Pogatchnik/AP/lk / AP