Irak "Es werden 1000 al Sarkawis kommen"


Westliche Politiker haben positiv auf die Todesnachricht des al Kaida-Terroristen Abu Mussab al Sarkawi reagiert. Ein Ende der Gewalt im Irak bedeutet Sarkawis Tod allerdings nicht. Das machen auch die Reaktionen im Nahen Osten deutlich.

Der Tod des Al-Kaida-Anführers Abu Mussab al Sarkawi bietet nach Ansicht von US-Präsident George W. Bush eine Chance, das Blatt im Irak zu wenden. Gleichwohl erklärte Bush am Donnerstag in Washington, es sei mit weiterer Gewalt zu rechnen.

Als "gute Nachricht" hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag den Tod des Terroristenführers Abu Mussab al Sarkawi bezeichnet. Die Sicherheitslage zur Fußball-Weltmeisterschaft änderte sich nach Erkenntnissen des Innenministeriums dadurch jedoch nicht. Verteidigungsminister Franz Josef Jung beglückwünschte seinen US-Kollegen Donald Rumsfeld zu dem erfolgreichen Schlag. Der Terrorismusexperte Elmar Tophoven meinte, eine Symbolfigur des Dschihad sei ausgeschaltet worden.

Die Extremistenorganisation al Kaida kündigte an, sie werde ihren Kampf gegen die USA und die Regierung im Irak fortsetzen. Die in den Palästinensergebieten regierende Hamas bezeichnete Sarkaui als Märtyrer. In der jordanischen Heimatstadt des lang gesuchten Top-Extremisten beteten trauernde Angehörige für 1000 weitere "Sarkawis", die an dessen Stelle die USA angreifen mögen.

US-Präsident Bush kündigte an, in der kommenden Woche mit Vertretern des Irak über die weitere Strategie im Land zu beraten: "Zusammen werden wir diskutieren, wie wir die US-Ressourcen am besten im Irak einsetzen." Es gehe darüber hinaus um das Erreichen des gemeinsamen Ziels, dass der Irak sich selbst regieren und verteidigen könne. Bis dahin müsse allerdings mit weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Religionsgruppen gerechnet werden, sagte Bush.

Blairs warnt vor Racheanschlägen

Ähnlich hatten sich zuvor Iraks Ministerpräsident Nuri al Maliki und der Kommandeur der US-Truppen im Land, General George Casey, geäußert. Sie dämpften Erwartungen, dass die Gewalt nun endgültig abebben werde. Der britische Premierminister Tony Blair warnte wie Bush vor Vergeltungstaten: "Es wird heftige Racheanschläge geben, vor dem Hintergrund der Regierungsbildung und vor dem Hintergrund des Todes von al-Sarkawi."

Sarkawi war offiziellen Angaben zufolge in der Rebellen-Hochburg Bakuba nördlich von Bagdad bei einem gemeinsamen Angriff irakischer und US-Soldaten getötet worden. Er galt als wichtigster Organisator des Aufstands im Irak. Bush rechtfertigte die Tötung. Die US-Streitkräfte hätten Sarkaui Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sein Tod sei ein Sieg im Kampf gegen den Terrorismus und ein schwerer Schlag gegen Al-Kaida. Blair bekräftigte dies. "Der Premierminister hat seinem Kabinett mitgeteilt, dass dies ein sehr wichtiger Moment für den Irak ist", erklärte Blairs Büro. Diese "guten Nachrichten" seien ein schwerer Schlag für die al Kaida-Organisation auf der ganzen Welt.

"Wir werden weiter kämpfen"

Die Extremisten-Organisation meldete sich wie üblich via Internet zu Wort: "Wir sagen unserem Prinzen, Scheich Bin Laden, dass Deine Soldaten der al Kaida im Irak so weiter kämpfen wie Du, Abu Mussab al Sarkawi, es vorgegeben hast", hieß es in einer Erklärung anlässlich von Sarkawis Tod. Auch die in den Palästinenser-Gebieten regierende Hamas veröffentlichte eine Mitteilung. Darin bezeichnete die radikale Gruppe Sarkawi als einen Märtyrer, der sein Leben in der Kreuzzugkampagne des Westens gegen die islamische Welt verloren habe.

Im jordanischen Sarka trauerten die Angehörigen des getöteten Extremisten. "Das ist eine Tragödie. Wir sind alle sehr traurig", sagte der 64-jährige Jasm Chalajleh, ein Onkel von Sarkawi. "Wir müssen traurig sein, denn er kämpfte gegen die Ungläubigen." Ein weiterer Verwandter sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Mit Gottes Willen werden 1000 Sarkawis kommen, um gegen die Amerikaner zu kämpfen." In Bagdad kamen bei einer Serie von Bombenanschlägen mindestens 31 Menschen ums Leben, mehr als 50 weitere wurden verletzt.

Reuters/AP AP Reuters

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