Irak Enthauptungsvideo entpuppt sich als "Scherz"


Das Video der Enthauptung des US-Bürgers Benjamin Vanderford hat sich als Fälschung eines 22-jährigen Amerikaners herausgestellt. Das Video sei schon "seit Monaten" online, es habe sich nur niemand darum gekümmert.

Ein Video von der angeblichen Enthauptung einer US-Geisel im Irak hat sich als Fälschung herausgestellt. Es habe sich um einen Scherz gehandelt, erklärte der Mann, der in dem im Internet veröffentlichten Video zu sehen war, am Samstag. Er habe die Aufnahmen im Haus eines Freundes gemacht, sagte Benjamin Vanderford der Nachrichtenagentur AP in San Francisco.

Er habe das Video bereits vor Monaten ins Internet gestellt, sagte der 22-jährige Vanderford, aber zunächst habe niemand Notiz davon genommen. Zum einen habe er Aufmerksamkeit auf seine Bewerbung für ein politisches Amt lenken wollen. Zum andern habe er zeigen wollen, wie leicht diese Art von Videos gefälscht werden könne.

Alle gefälscht

"Wir müssen dieses Land in Ruhe lassen. Wir müssen diese Besatzung beenden", sagt der zitternde Mann, der sich selbst als Benjamin Vanderford aus San Francisco vorstellt. Die Geisel sitzt auf einem Stuhl in einem dunklen Raum, die Hände auf dem Rücken. Das Video ist mehrfach geschnitten, zwischen den Aufnahmen des Amerikaners sind Bilder verstümmelter und verletzter Iraker zu sehen. "Wir müssen dieses Land auf der Stelle verlassen", sagt der Mann weiter. "Wenn wir das nicht tun, wird jeder auf diese Weise getötet." Anschließend war zu sehen, wie er auf der Seite liegt und ein Messer in seinen Hals schneidet.

Hätte sich der Mord bestätigt, wäre Vanderford der zweite US-Bürger gewesen, der von irakischen Aufständischen geköpft wurde. Im Mai war der Amerikaner Nicholas Berg enthauptet worden, auch dazu bekannte sich die Extremistengruppe um Al Sarkawi. Die US-Geheimdienste hatten mehrfach erklärt, vermutlich habe Al Sarkawi selbst Berg getötet. Bei dem neuen Video wird dies zwar durch den Titel impliziert, der Täter ist jedoch nicht zu sehen.

Propaganda-CD-ROM von al Sarkawi

Die Extremistengruppe um den Jordanier Abu Mussab al Sarkawi hat in einer CD-ROM alle Muslime zum Kampf gegen die westlichen "Kreuzritter" im Irak aufgerufen. In dem umfassenden Text- und Bildmaterial wird außerdem mit der Ermordung des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Allawi gedroht. Die Authentizität der CD-ROM, von der die Nachrichtenagentur AP in Kuwait am Freitag eine Kopie erhielt, konnte zunächst nicht bestätigt werden. Bei neuen Kämpfen im Irak wurden unterdessen drei amerikanische Soldaten getötet.

Auf der CD-ROM sind offenbar Kämpfer von Sarkawis Gruppe Tawhid und Dschihad zu sehen, die in diversen Waffengattungen ausgebildet werden, außerdem Bombardierungen von US-Einrichtungen und anderen Zielen im Irak. Zugleich bekennt sich die Gruppe zu einer Reihe von Anschlägen der letzten Zeit.

Auch die Entführung verschiedener Geiseln wird dokumentiert. Dieses Material war zuvor bereits arabischen Fernsehsendern übermittelt und dort in Auszügen veröffentlicht worden. Tawhid und Dschihad hat sich zur Verschleppung und Enthauptung mehrerer Geiseln im Irak bekannt.

Groß angekündigt

Die Verbreitung der CD-ROM mit dem Titel "Die Stürme des Sieges" war in den letzten Tagen auf islamischen Web-Sites mit viel Aufwand angekündigt worden. Die Kampagne zielt offensichtlich darauf ab, junge Männer für den so genannten Heiligen Krieg zu gewinnen. Der kuwaitischen Zeitung "Al Sijassah" zufolge ist die professionell produzierte CD-ROM vor allem für Fundamentalisten in Kuwait bestimmt.

Anhaltende Kämpfe in Nadschaf

Zwei Soldaten kamen bei den anhaltenden Gefechten in Nadschaf ums Leben, wie die US-Streitkräfte am Samstag mitteilte. Dort waren am Samstag weiterhin Explosionen und Gewehrfeuer zu hören. Der dritte Todesfall ereignete sich in Bagdad, wo ein Aufständischer eine Granate auf ein amerikanisches Patrouillenfahrzeug abfeuerte.

Bei der Explosion zweier Mörser vor der iranischen Botschaft in Bagdad wurden fünf Menschen verletzt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In Basra griffen Bewaffnete das Büro des örtlichen Gouverneurs an. Einer der Angreifer wurde nach Polizeiangaben erschossen.

UN-Personal im Irak weiter stark begrenzt

Nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan werden die Vereinten Nationen noch länger ein vorrangiges Angriffsziel für irakische Aufständische bleiben. Das UN-Personal im Irak werde daher in seinem Umfang weiterhin stark begrenzt bleiben. Die Sicherheitslage stelle das schwerste Hindernis für eine effektive Arbeit dar, sagte Annan in einem Bericht, den sein neuer Irak-Gesandter Ashraf Jehangir Qazi am Freitag dem Weltsicherheitsrat in New York vorstellte. Demnach wird Qazi seinen Posten in Bagdad zunächst nur mit einem kleinen Mitarbeiterstab antreten. Immerhin erhalten die Vereinten Nationen damit erstmals seit vergangenem Oktober wieder einer Präsenz im Irak. Damals wurde das Personal nach einer Reihe von Anschlägen abgezogen, denen am 19. August auch Qazis Vorgänger Sergio Vieira de Mello zum Opfer gefallen war.

Zum Schutz der UN-Mitarbeiter im Irak hat der Weltsicherheitsrat die Errichtung einer multinationalen Sondertruppe unter dem Kommando der von den USA geführten Koalitionsstreitmacht autorisiert. Bislang hat dafür jedoch noch kein Land die Entsendung von Soldaten angeboten.

AP AP DPA

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