Irak Mehrere Tote bei Anschlägen auf Parteibüro


Einer Serie von Anschlägen auf Parteibüros in Irak sind am Samstag mehrere Menschen zum Opfer gefallen. In Bakuba nordöstlich von Bagdad wurden Niederlassungen von zwei schiitischen Parteien sowie weitere Büros angegriffen.

Dabei wurden drei Mitglieder des Höchsten Rates für eine Islamische Revolution in Irak (SCIRI) und sechs Angreifer getötet. Vor einem Gebäude der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) in der nordirakischen Stadt Erbil explodierte fast zur selben Zeit eine Autobombe. Ein Mitglied der Regionalregierung wurde verletzt und ein Leibwächter getötet.

Granaten auf Parteibüro

Auf das SCIRI-Büro in Bakuba wurden mehrere Granaten abgefeuert, sagte Parteimitglied Maitham Ibrahim. Eine Stunde später stürmten Unbekannte die regionale Zentrale der Partei von Ministerpräsident Ijad Allawi, dem Nationalen Irakischen Übereinkommen. Eine Bombe explodierte, bevor die Angreifer entkommen konnten. Nach Augenzeugenberichten wurde niemand verletzt. Flammen und Rauch quollen aus dem Gebäude, die Straße war mit Splittern bedeckt.

In der Stadt wurden zudem ein Regierungsgebäude und eine Polizeistation angegriffen. Den Sturm auf das Regierungsgebäude konnten Sicherheitskräfte zurückschlagen. Dabei seien die vier Angreifer erschossen worden, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte.

Tiefe religöse und politische Konflikte

In Erbil war das von der PUK geführte Kulturministerium Ziel des Autobombenanschlags. Neben dem Kulturminister wurden 18 weitere Personen verletzt, darunter vier Kinder. In Mahmudija 30 Kilometer südlich von Bagdad töteten Aufständische zwei Mitglieder der irakischen Nationalgarde. Bei einem weiteren Vorfall in der Stadt wurde ein irakischer Polizist getötet. Die Attacken auf die Parteien belegen vier Tage vor der geplanten Machtübergabe an eine Übergangsregierung die tiefen politischen und religiösen Konflikte im Land. Vor zwei Tagen verübten Aufständische eine koordinierte Anschlagsserie in mehreren Städten, bei der fast 100 Menschen getötet wurden.

Trotz der anhaltenden Gewalt will UN-Generalsekretär Kofi Annan innerhalb der nächsten Tage einen neuen Sondergesandten für Irak ernennen, der ein Büro in Bagdad besetzen soll. In etwa einer Woche werde er seine Entscheidung bekannt geben, sagte Annan am Freitag in New York. Der neue Gesandte ist dann der erste ranghohe UN-Vertreter seit acht Monaten, der dauerhaft vor Ort eingesetzt ist.

NATO-Staaten bilden Sicherheitskräfte aus

Bei den NATO-Staaten zeichnete sich eine Einigung über eine Unterstützung Iraks bei der Ausbildung von Sicherheitskräften ab. Vertreter der 26 Mitgliedstaaten hätten eine Antwort auf eine entsprechende Anfrage Allawis ausgearbeitet, teilten Diplomaten am Freitagabend in Brüssel mit. Allawi hatte das Bündnis um Hilfe beim Aufbau irakischer Sicherheitskräfte nach der Übergabe der Souveränität am kommenden Mittwoch gebeten.

Für NATO-Hilfe machten sich auch die Teilnehmer des USA-EU-Gipfels am Samstag in Irland stark. In einer gemeinsamen Erklärung betonten USA und EU, die neue irakische Regierung benötige und verdiene die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, damit sich Irak zu einer freien und demokratischen Nation entwickeln könne. (AP)

DPA

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