Irak Terrorwelle nach der Regierungsbildung


Hoffnungen auf einen Rückgang der Zahl der Terroranschläge im Irak nach der Bildung einer demokratisch legitimierten Regierung haben sich bisher nicht erfüllt. Mehr als 100 Iraker starben bei Anschlägen am vergangenen Wochenende.

Mehr als 100 Iraker starben nach Angaben der "New York Times" seit Freitag bei einer neuen Welle der Gewalt Aufständischer. Amerikanische und irakische Regierungsbeamte hatten gehofft, die Regierungsbildung am Donnerstag werde die Lage beruhigen und den Iraker ein Gefühl der Sicherheit geben. Dennoch sieht der Nationale Sicherheitsberater der irakischen Regierung, Muwafak al-Rubaie, Fortschritte im Kampf gegen Rebellen. Möglicherweise sei dem Aufstand bereits das Rückgrat gebrochen, sagte al-Rubaie im US-Nachrichtensender CNN.

Geiselnahme eines australischen Ingenieurs

Unterdessen wurde die Geiselnahme eines australischen Ingenieurs im Irak bekannt. Seine Entführer verlangten auf einem Videoband den Abzug der australischen, britischen und amerikanischen Truppen aus dem Irak. Der australische Premierminister John Howard sagte am Montag, seine Regierung werde auf die Forderung nicht eingehen. Howard sicherte zu, alle mögliche Schritte zu unternehmen, um die Freilassung des 63-jährigen Douglas Wood, der seit 1992 in Kalifornien lebt, zu erreichen.

Ein halbes Jahr nach der Entführung und Ermordung der britischen CARE-Leiterin Margaret Hassan nahmen irakische Sicherheitskräfte drei Tatverdächtige fest, wie die britische Botschaft in Bagdad mitteilte. Die irakische Polizei hatte zunächst erklärt, dass fünf Verdächtige die Ermordung von Hassan gestanden hätten, berichtete der britische Sender BBC weiter.

Bei den Festnahmen im Zusammenhang mit der Ermordung der britischen CARE-Leiterin Margaret Hassan hat die Polizei laut BBC unter anderem auch deren Ausweis, Kleidung und eine Handtasche gefunden. Der staatliche Fernsehsender Al-Irakija berichtete, die Polizei habe die Iraker nach Hinweisen aus der Bevölkerung in einem Dorf südöstlich von Bagdad gefasst.

Selbstmordanschlag bei Trauerfeier

Allein bei einem Selbstmordanschlag auf eine Trauerfeier in der nordirakischen Kleinstadt Tel Afar bei Mossul kamen am Sonntagabend mindestens 25 Menschen ums Leben. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Sonntagabend berichtete, war die Trauerfeier in Tel Afar für einen verstorbenen Funktionär der Kurdischen Demokratischen Partei ausgerichtet worden. Etwa 50 Trauergäste seien verletzt worden, berichtete CNN. Am Sonntag starben in Bagdad bei Gewalttaten von Aufständischen mindestens 11 Iraker. Am Freitag waren in der Hauptstadt bei zehn Autobombenattentaten mehr als 20 Menschen getötet worden.

Massengrab entdeckt

Im Südirak entdeckten US-Ermittler ein Massengrab mit den Leichen von mindestens 1500 Kurden, die einst von den Soldaten Saddam Husseins ermordet wurden. Nach Angaben der Ermittler konnten die Leichen anhand ihrer Kleidung als Kurden identifiziert werden. Die Mehrheit der Opfer seien Frauen, Kinder und Jugendliche gewesen, sagte der ehemalige irakische Minister für Menschenrechte, Bachtiar Amin der "Washington Post". Offenkundig seien die Männer von ihren Familien getrennt und an anderen Orten umgebracht worden. Insgesamt seien seit dem Sturz des Saddam-Regimes im April 2003 landesweit rund 300 Massengräber entdeckt worden.

Spannungen zwischen Rom und Washington

Die Ermittlungen zum Tod eines italienischen Geheimdienstagenten im Irak sorgen für neue Spannungen zwischen Rom und Washington. Italien und die USA haben sich auch nach einer gemeinsamen Untersuchung nicht auf eine einvernehmliche Erklärung der Todesschüsse auf das Auto des Agenten Nicola Caliparis in Bagdad einigen können. Calipari hatte die kurz zuvor von ihren Entführern freigelassene Journalistin Giuliana Sgrena zum Flughafen bringen wollen. Nach den Worten von US-Brigadegeneral Peter Vangjel vom Samstag handelte es sich bei dem Vorfall Anfang März um "einen tragischen Unfall". Die US-Soldaten hätten korrekt gehandelt. Dagegen will die Regierung in Rom in Kürze eine andere Version des Vorfalls vorlegen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte an, er werde die Angelegenheit mit US-Präsident George Bush besprechen.

Die Anrainerstaaten des Iraks wollen ihre Grenzen stärker überwachen, um das Einsickern von Terroristen in den Irak zu verhindern. Dies solle in enger Kooperation mit der neuen Regierung in Bagdad geschehen, erklärten die Außenminister der Türkei, Irans, Saudi-Arabiens, Kuwaits, Jordaniens, Syriens und Ägyptens am Samstag nach Beratungen in Istanbul.

DPA


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