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Deutsche Terror-Zwillinge: Jung, schön, erfolgreich - warum starben die Zwillinge für den IS?

Zwei Brüder aus Deutschland haben sich dem IS angeschlossen und sind für die Terrormiliz als Selbstmordattentäter gestorben. Doch sie erfüllen nicht das Klischee vom Dschihadisten.

Von Lisa-Marie Eckardt

In ihrem Propaganda-Magazin hat die Terrorgruppe Islamischer Staat ein Foto der vermeintlichen deutschen Dschihad-Zwillinge veröffentlicht

In ihrem Propaganda-Magazin hat die Terrorgruppe Islamischer Staat ein Foto der vermeintlichen deutschen Dschihad-Zwillinge veröffentlicht

Zwei Brüder aus dem Ruhrgebiet, der eine Bundeswehrsoldat, der andere ein exzellenter Jurastudent, konvertieren zum Islam und radikalisieren sich innerhalb weniger Jahre. Um in den Dschihad zu ziehen, reisen die Zwillinge aus Castrop-Rauxel in den Irak - und sterben für den Islamischen Staat als Selbstmordattentäter. Was überrascht: Sie passen nicht in das Klischee vom typischen IS-Rekruten als frustrierter Verlierer der Gesellschaft.

Aufgefallen waren die deutschen Terroristen vor einer Woche durch einen Artikel im Propaganda-Blatt des IS. In der neunte Ausgabe auf Seite 30 zeigt das Magazin "Dabiq" die Brüder auf einem Foto und feiert sie als Märtyrer.

Darauf zu sehen sind zwei junge Männer - gut aussehend, blond und blauäugig. Sie haben sich einen Bart wachsen lassen, posieren erhobenem Zeigefinder und einem Koran in der Hand - hinter ihnen ist die Flagge des IS zu sehen. In dem dazugehörigen Bericht lobt das IS-Magazin einen der beiden Deutschen für dessen Selbstmordattentat. Der Konvertit "Abu Musab al Almani", ein ehemaliger deutscher Soldat, habe sich im April im Kampf gegen das vierte Regiment der irakischen Armee nahe Bagdad selbst in die Luft gesprengt. Sein Angriff sei der "Höhepunkt der Schlacht" gewesen, faselt der IS: "Allah entschied, ihn zu führen, sein Böses gegen das Gute zu tauschen und ihn zu einem Krieger zu machen, der sein Blut für eine edle Sache vergießt." Auch sein Bruder sei als Selbstmordattentäter gestorben.

Wer sind die deutschen IS-Kämpfer?

Zunächst verbreitete sich die Nachricht, es handele sich um die beiden deutschen Brüder Manuel und Christoph G. aus Kassel. Ein Blogger glaubte, die beiden identifizieren zu können. Jedoch sind die als Islamisten bekannten Brüder aus Hessen keine Zwillinge. Nun wurden weitere Details bekannt.

Tatsächlich handelt es sich um Kevin und Mark K., 25, aus dem nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel. Durch die Medienberichte erkannte offenbar der Vater der beiden seine Söhne und meldete sich bei der Polizei. Seitdem ermitteln die Behörden in Recklinghausen im Auftrag der Dortmunder Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der "Planung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat", wie die "Welt" berichtete.

Aus stabilen Familienverhältnissen

Was die Ermittler dabei überraschte: Kevin und Mark K., geboren im Dezember 1989, wuchsen offenbar in stabilen Familienverhältnissen auf. Beide machten Abitur. Anschließend ging Mark zur Bundeswehr, verpflichtete sich als Zeitsoldat, war als Panzergrenadier im Auslandseinsatz in Afghanistan. Sein Bruder Kevin studierte an der Ruhr-Universität in Bochum Rechtswissenschaften. Zuletzt soll er studentische Hilfskraft im Bereich Berg- und Energierecht und Teilnehmer eines "juristischen Exzellenzkurses" gewesen sein.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler war es Kevin, der zuerst mit dem Islam in Berührung kam. Noch vor dem Studium reiste er in die Türkei. Etwa zu dieser Zeit kam er über Internetvideos und Webseiten mit der Salafisten-Szene in Kontakt und wurde Muslim. Im November 2012 trat auch sein Bruder Mark zum Islam über, in der Mevlana-Camii-Moschee in Castrop-Rauxel, wie ein Foto belegt. Der Moscheevorstand distanziert sich inzwischen von den Islamisten.

Unter dem Radar

Doch wie kam es dazu, dass aus den Konvertiten Terroristen wurden? Das versuchen die deutschen Behörden derzeit zu rekonstruieren. Die Radikalisierung der Zwillinge blieb offenbar nicht völlig unbemerkt. Der Vater, ein Polizist, soll sich unbestätigten Informationen zufolge Sorgen um die Entwicklung seiner Söhne gemacht und die Behörden informiert haben. Auch der Bundeswehr war der Islamist in Uniform, Mark K., im Herbst 2013 aufgefallen.

Nach Informationen von "Spiegel Online" häufen sich derzeit Fälle von ehemalige Soldaten bei Terrorgruppen wie dem IS. Der zuständige Militärische Abschirmdienst (MAD) habe bereits 25 Ex-Soldaten identifiziert, die sich nach Syrien oder in den Irak abgesetzt haben. Experten warnen, dass "die militärische Ausbildung der Bundeswehr von Extremisten zur besseren Begehung von Anschlägen missbraucht werden" könnte.

Doch als die Zwillinge im Sommer 2014 Deutschland verließen, standen sie nicht auf der Ausreiseliste des Verfassungsschutzes mit mehr als 680 namentlich bekannte Islamisten. Laut "Spiegel Online" besuchten die Brüder im August 2014 ihre Mutter im Urlaub im türkischen Alanya und erzählten ihr, dass sie eine Rundreise planen. Tatsächlich reisten die Konvertiten aber wohl weiter nach Syrien und schlossen sich der IS-Terrormiliz an. Im April meldete der IS ein Selbstmordattentat bei Bagdad durch einen deutschen Dschihadist namens "Abu Musab al-Almani". Wie sich nun herausstellte, war es Mark K.