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"Die Welt verstehen" - stern-Reporter erklären Wie steht es um die Macht des Islamischen Staats?


In letzter Zeit hat der Islamische Staat Militäroffensiven im Irak und in Syrien gestartet. Doch nicht alle konnte sie gewinnen - wie etwa den Kampf um die antiken Stätten von Palmyra. Was heißt das?
Von Theresa Breuer, Beirut

Es war ihr wichtigster Gewinn, seit die Terrormiliz Islamischer Staat vergangenen Sommer die irakische Stadt Mossul eingenommen hat: Am Sonntag fielen die dschihadistischen Kämpfer in Ramadi ein, der Hauptstadt der Provinz Anbar. Sie liegt etwa 110 Kilometer westlich von Bagdad.

Seit Wochen hatte sich die Offensive angekündigt, tausende Einwohner der Stadt waren bereits geflohen, bevor der IS ins Stadtzentrum vordrang. Am Wochenende räumte das irakische Militär alle Stützpunkte in der Stadt. Es ist eine schwere Demütigung für die irakische Regierung, die beteuert hatte, Ramadi würde nicht fallen.

Iraker bereiten sich zum Gegenangriff vor

Lange wird der Islamische Staat die Stadt jedoch wohl nicht halten können. Denn anders als in Mossul, wo es noch keine geplanten Rückeroberungsversuche gibt, machen sich schiitische Milizen mit rund 3000 Kämpfern bereits zum Gegenangriff auf Ramadi bereit. Auch die USA haben verkündet, die Einheiten bei der Rückeroberung der Stadt aus der Luft zu unterstützen.

Die Eroberung von Ramadi war vor allem wichtig, um zu zeigen, dass der IS noch immer eine Bedrohung ist. Denn der militärische Gewinn lenkt davon ab, dass der IS an Macht und Territorium verliert. In den vergangenen Wochen musste der Islamische Staat immer wieder Rückschläge einstecken. Ende März eroberte die irakische Armee die sunnitische Hochburg Tikrit im Norden Bagdads nach monatelanger IS-Herrschaft zurück.

Anfang Mai haben US-Spezialkräfte in Syrien einen hochrangingen IS-Funktionär getötet. Zwölf weitere IS-Kämpfer sollen bei dem Gefecht ums Leben sein. Laut dem amerikanischen Verteidigungsministerium war der Mann namens Abu Sayyaf für die Öl- und Gasverkäufe der Terrormiliz zuständig. Es war das erste Mal, dass die USA syrischen Boden im Kampf gegen den IS betreten haben - zumindest offiziell.

Auch im Zentrum von Syrien befindet sich der IS zurzeit in der Defensive. Der Versuch, die von syrischen Regierungstruppen kontrollierte Stadt Palmyra einzunehmen, scheiterte. Tagelang hatten sich die Dschihadisten mit Assads Truppen in Palmyra heftige Kämpfe geliefert. Die antike Oasenstadt ist Unesco-Weltkulturerbe. Es war befürchtet worden, dass sich bei einer IS-Einnahme ähnliche Szenen wie im irakischen Nimrod und al Hadra abspielen könnten. Dort hatte der Islamische Staat Anfang des Jahres Weltkulturerbe zerstört.

Der Druck auf den IS erhöht sich

Dass es dem IS nicht gelang, Palmyra einzunehmen, ist ein herber Rückschlag. Die Gegend ist strategisch wichtig: Eine Militärbasis befindet sich dort, außerdem ein großes Ölfeld. Darüber hinaus hätte die Stadt eine Verbindung zwischen IS-kontrolliertem Territorium im Norden und im Süden Syriens geschaffen.

Der Druck auf die Terrormiliz erhöht sich also. Aber geschlagen ist sie noch lange nicht.


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