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Israel: Alarmbereitschaft vor Wahlkampf

Ministerpräsident Scharon erteilt Extremisten bei der Parlamentswahl eine Absage. Aus Angst vor Anschlägen hat Israel die autonomen Palästinensergebiete abgeriegelt.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat im Schlussspurt zu den Parlamentswahlen am Dienstag die Wähler aufgerufen, den extremen Parteien eine Absage zu erteilen. In Haifa sagte Scharon auf einer Wahlkampfveranstaltung, er könne seine Rolle nur dann wahrnehmen, wenn seine Likud-Partei die Macht in der Knesset habe. "Extreme Positionen werden es uns nicht erlauben, dahin zu kommen, wo wir hinmüssen", sagte Scharon (74) weiter. Deshalb gebe es nur eine Wahl: Likud, fuhr Scharon fort. Scharon wiederholte sein Angebot an die Arbeitspartei zur einer großen Koalition. Der Chef der Arbeitspartei und Bürgermeister von Haifa, Amram Mitzna (57), lehnte auf seiner Wahlkampfveranstaltung ein solches Angebot erneut ab.

Nach jüngsten Meinungsumfragen kann Scharon mit 29 bis 30 Sitzen in der Knesset, die 120 Abgeordnete hat, rechnen. Der Arbeitspartei werden danach 19 Mandate vorhergesagt.

Blockade der autonomen Palästinensergebiete

Unterdessen sind israelischen Sicherheitskräfte einen Tag vor der Parlamentswahl im ganzen Land in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Aus Angst vor Terroranschlägen hat Israel vor den Parlamentswahlen die autonomen Palästinensergebiete abgeriegelt. Wie die israelische Armee mitteilte, soll die Blockade des Westjordanlands und des Gazastreifens bis Mittwoch 6.00 Uhr Ortszeit aufrecht erhalten bleiben. Während dieser Zeit dürfen Palästinenser nicht nach Israel einreisen. Ebenso ist Geschäftsleuten und Händlern der Zugang zum Westjordanland und zum Gazastreifen untersagt. Von der Abriegelung sei die Versorgung mit humanitären Gütern nicht betroffen, hieß es weiter.

Bei der größten Militäroffensive Israels in der Stadt Gaza seit Ausbruch der Intifada vor zwei Jahren wurden am Sonntag mindestens 12 Palästinenser getötet. Weitere 67 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben bei den mehrstündigen Schusswechseln zwischen Soldaten und Palästinenser verletzt.

Schwere Terroranschläge geplant

In Rafah im südlichen Gazastreifen erschossen israelische Soldaten am Sonntag außerdem einen 6-jährigen Jungen. Am späten Sonntagabend wurde ein 50 Jahre alter Palästinenser von israelischen Soldaten an der Grenze zwischen Rafah und Ägypten getötet. Der Mann stand auf dem Dach seines Hauses, als er von Splittern einer Panzergranate getroffen wurde, berichteten palästinensische Augenzeugen.

Nach Presseberichten planten palästinensische Extremisten in Israel selbst schwere Terroranschläge, um den Ablauf der vorgezogenen Wahl zu stören.