Israel Peres liebäugelt mit Scharons Partei


Er ist ein Urgestein der Arbeitspartei: Fast 20 Jahre lang war er ihr Chef, zeitweise Ministerpräsident, lange Außenminister. Jetzt erwägt Schimon Peres den Wechsel in die neue Partei Ariel Scharons.

Der abgewählte Chef der israelischen Arbeitspartei, Schimon Peres, erwägt einen Wechsel zur neuen Kadima-Partei von Ministerpräsident Ariel Scharon. Kadima sei sehr an dem 82-jährigen Friedensnobelpreisträger interessiert, sagte Peres-Sprecher Joram Dori. Peres überlege nun, wie er Israel in den kommenden Jahren am besten dienen könne. Scharon hat Medienberichten zufolge Peres für den Fall eines Wahlsieges den Posten eines Gesandten im Nahost-Friedensprozess angeboten. Umfragen sagen einen Sieg von Kadima bei der für den 28. März geplanten Parlamentswahl voraus.

Scharon gestaltet Parteien-Landschaft neu

Der 77-jährige Scharon ist kürzlich aus der konservativen Likud-Partei ausgetreten und hat mit Gründung der Kadima-Partei die politische Landschaft Israels deutlich verändert. Der von ihm verfochtene israelische Abzug aus dem Gaza-Streifen war im Likud massiv in die Kritik des rechtsgerichteten Parteiflügels geraten. Peres hatte zwar in der Arbeitspartei an Unterstützung verloren. Sein Übertritt zur Kadima-Partei wäre dennoch ein Schlag ins Gesicht der Genossen.

Über einen konkreten Posten für Peres sei mit Kadima-Vertretern nicht gesprochen worden, sagte Dori. Es sei keine einfache Angelegenheit für Peres, der die Arbeitspartei immerhin mit aufgebaut habe und 20 Jahre lang ihr Vorsitzender gewesen sei. Peres selbst sagte am Sonntag, er habe sich noch nicht entschieden. "Die Entscheidung fällt mir sehr schwer, sie ist verbunden mit historischen und anderen Faktoren. Ich werde noch ein oder zwei Tage brauchen, um mich zu entscheiden." Peres soll Vertrauten gesagt haben, die Arbeitspartei wolle ihn nicht mehr. Am 9. November unterlag er in einer Abstimmung um den Parteivorsitz dem Gewerkschaftschef Amir Perez.

Friedensnobelpreis mit der Rabin und Arafat

Zusammen mit dem in diesem Jahr verstorbenen Palästinenser-Führer Yassir Arafat und dem 1995 ermordeten damaligen israelischen Regierungs-Chef Yitzhak Rabin erhielt Peres 1994 den Friedensnobelpreis für seine Verdienste um den Friedensprozess im Nahen Osten. Peres war im September 1994 wesentlich an der Ausarbeitung der "Erklärung von Oslo" beteiligt, in der sich Israelis und Palästinenser bereit erklärten, strittige Fragen wie den künftigen Status von Jerusalem zu klären. Peres war in verschiedenen Regierungen auch als Verteidigungs-, Finanz-, und Informationsminister tätig.

Reuters Reuters

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