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Janukowitsch-Nachfolge: Ukrainer wählen neuen Präsidenten

Wer soll das Land aus der Krise führen? In der Ukraine sind 35 Millionen Menschen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Doch in Teilen der Ex-Sowjetrepublik ist eine Abstimmung kaum möglich.

Überschattet von blutiger Gewalt im Osten des Landes hat in der Ukraine die Präsidentenwahl begonnen. Etwa 35 Millionen Menschen in der früheren Sowjetrepublik sind aufgerufen, einen Nachfolger für den ins russische Exil geflohenen Staatschef Viktor Janukowitsch zu wählen. In der Hauptstadt Kiew, in Lemberg (Lwiw) im Westen, in Charkiw im Osten und in Odessa im Süden des Landes drängten sich schon kurz nach der Öffnung zahlreiche Menschen in den Wahllokalen, wie AFP-Korrespondenten berichteten.

Von den ursprünglich 21 Anwärtern auf das Präsidentenamt zogen zwei ihre Kandidatur bereits wieder zurück. Echte Chancen werden nur dem Unternehmer Petro Poroschenko eingeräumt, der laut Umfragen mit knapp 45 Prozent der Stimmen rechnen kann. Auf dem zweiten Platz folgt abgeschlagen die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko mit 7,5 Prozent. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ). Falls keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen sollte, treten die beiden Erstplatzierten am 15. Juni in einer Stichwahl gegeneinander an.

Klitschko will Bürgermeister werden

In Kiew tritt der frühere Boxweltmeister Vitali Klitschko als Kandidat bei der Bürgermeisterwahl an. Umfragen sehen den 42-Jährigen deutlich in Führung. 2006 und 2008 hatte Klitschko die Bürgermeisterwahlen verloren. Das Amt hat vor allem repräsentative Funktion. Die Entscheidungen fällt vor allem der Chef der Stadtverwaltung, der vom Präsidenten ernannt wird.

Die prowestliche Führung, die EU und die USA hoffen, dass die Präsidentschaftswahl dazu beiträgt, die Situation zu stabilisieren. Allerdings ist die Wahl in weiten Gebieten der Ostukraine kaum möglich, da Separatisten die Lage kontrollieren. Dort kommt es zu Gefechten zwischen Regierungseinheiten und moskautreuen Kämpfern. Das Wahlergebnis soll aber nach einem Parlamentsbeschluss in jedem Fall Gültigkeit haben. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte in einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten François Hollande, das Ergebnis der Abstimmung zu akzeptieren.

Bei einem Angriff prorussischer Kräfte auf einen ukrainischen Kontrollposten wurden in der Nacht nach unbestätigten Berichten mindestens zwei Soldaten getötet und vier verletzt. Auch auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim, die Russland sich trotz internationalem Protest einverleibt hatte, findet die Abstimmung nicht statt.

mad/DPA/AFP / DPA