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Vaterschaftsurlaub: Japans Umweltminister geht in Elternzeit. Warum das eine außergewöhnliche Premiere ist

Japans Umweltminister Shinjiro Koizumi geht in Elternzeit, er ist der erste Minister, der diesen Schritt macht. Die Rollenbilder in dem Land sind noch weitgehend traditionell, doch die Regierung versucht sie aufzubrechen.

Japans Umweltminister Shinjiro Koizumi

In Deutschland und vielen anderen Ländern Europas ist es nicht die Regel, aber auch nicht ungewöhnlich, dass Väter sich nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit vom Job nehmen, um für das Neugeborene da zu sein. In Japan hat der amtierende Umweltminister Shinjiro Koizumi genau diesen Schritt getan – und damit für Schlagzeilen gesorgt. Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo ist dies ein "beispielloser Schritt", denn er ist der erste amtierende Minister des Landes, der in Elternzeit geht.

Japans Umweltminister Shinjiro Koizumi (l.) und seine Frau Christel Takigawa

Japans Umweltminister Shinjiro Koizumi (M.) und seine Frau Christel Takigawa

AFP

Zwei Wochen Elternzeit

Der 38 Jahre alte Koizumi – Sohn des ehemaligen Premierministers Junichiro Koizumi – gab bekannt, dass er in den ersten drei Monaten nach der Geburt seines Kindes sich insgesamt zwei Wochen freinehmen werde. Dafür werde er seine Arbeitszeit verkürzen, von zu Hause arbeiten und Aufgaben an seine Mitarbeiter übergeben, berichtet Kyodo.

Koizumi – der als politischer Aufsteiger und zukünftiger Premierminister gehandelt wird – sagte, er werde trotz des Vaterschaftsurlaubs an Sitzungen im Parlament, dem Kabinett und anderen wichtigen Aufgaben teilnehmen. Rund um die Uhr wird er also nicht für seinen Sohn da sein, der noch in diesem Monat zur Welt kommen soll, wie lokale Medien berichten.

Minister will in Japan ein Zeichen setzen

Sein Schritt solle vor allem ein Zeichen setzen. Er wolle mit seiner Elternzeit eine Atmosphäre schaffen, "in der jeder im Umweltministerium bedenkenlos auch einen Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen kann" und fügte hinzu: "Und mein größter Wunsch ist, dass der Tag kommt, an dem unsere Gesellschaft den Erziehungsurlaub eines Politikers nicht mehr als Neuigkeit ansieht."

Koizumi hatte seine Pläne bereits nach der Hochzeit mit seiner Frau, der TV-Persönlichkeit Christel Takigawa, im August letzten Jahres angekündigt. Als er im September zum Minister ernannt wurde, brach eine Debatte über sein Vorhaben los. In dessen Folge nannte Koizumi sein Land "altmodisch". Auch einige Abgeordnete hatten den jungen Minister kritisiert und gesagt, er solle seine Pflichten gegenüber der Öffentlichkeit priorisieren, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

In Japan ist es alles andere als üblich, dass sich Männer nach der Geburt ihrer Kinder eine Auszeit nehmen und zu Hause bleiben. Dabei zählt die dortige Elternzeit-Politik zu den großzügigsten der Welt, mit bezahlter Auszeit bis zu einem Jahr.

Regierung hofft, die Männerquote steigern zu können

Dennoch wird Vaterschaftsurlaub noch als Tabu angesehen. Zahlen der Regierung in Japan zeigen, dass die Quote der Männer, die in Elternzeit gingen, zuletzt bei etwas mehr als sechs Prozent lag. Viele waren schon nach kurzer Zeit wieder bei der Arbeit. Bei Frauen hingegen waren es mehr als 82 Prozent, so Kyodo. Die Regierung hoffe, dass die Quote bei Männern auf 13 Prozent steige.

"Wir hoffen, dass die Bemühungen des Ministers einen positiven Einfluss auf die Beteiligung von Männern an der Kindererziehung im öffentlichen und privaten Sektor haben werden", sagte Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga.

Auch andere sehen den Schritt des Umweltministers als Anstoß für Veränderung in der japanischen Gesellschaft. So sagte Tetsuya Ando, Leiterin der Organisation "Fathering Japan": "Die Entscheidung eines Führers kann die gesamte soziale Atmosphäre verändern und dazu führen, dass mehr Männer in Elternzeit gehen."

In Japan steckt die Elternzeit für Väter noch in den Kinderschuhen. Japans Premierminister Shinzo Abe versucht, mehr Männer zu ermutigen, Vaterschaftsurlaub zu nehmen und den Unternehmen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen - als Teil seines "Womenomics"-Programms zur Förderung der Beschäftigung von Frauen, so die Nachrichtenagentur Reuters.

Außerdem plane die Regierung ab April, männliche Beamte dazu zu ermutigen, mindestens einen Monat lang Erziehungsurlaub zu nehmen, berichtet Kyodo. Im Juni letzten Jahres haben Abgeordnete der Regierungspartei eine Gruppe ins Leben gerufen, um nach Wegen zu suchen, wie Arbeitnehmer zum Vaterschaftsurlaub verpflichtet werden können.

Quellen: Nachrichtenagenturen Kyodo, und Reuters, "Asahi Shimbun", "Time"