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Pressestimmen

Aussage vor Geheimdienstausschuss: "Sessions gibt den Fortgeschrittenen-Kurs im Heucheln"

US-Justizminister Jeff Sessions hat vor dem US-Geheimdienstausschuss ziemlich viele Erinnerungslücken gehabt, wenn es um entscheidende Fragen zu Trumps Russland-Connection ging. Kaum ein Kommentator schenkt ihm Glauben.

Mit Lesebrille auf der Nase und erhobenem Zeigefinger macht US-Justizminister Jeff Sessions eine Aussage zu Russland-Connections

Mit Lesebrille auf der Nase und erhobenem Zeigefinger macht US-Justizminister Jeff Sessions eine Aussage zu Russland-Connections

US-Justizminister Jeff Sessions hat jede Verwicklung in eine russische Beeinflussung der US-Wahl 2016 zurückgewiesen. Die Unterstellung, dass er etwas mit solchen geheimen Absprachen zu tun habe, sei eine entsetzliche und abscheuliche Lüge, sagte Sessions am Dienstag entrüstet vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. In den Medien werden diese Äußerungen zumeist erstaunt aufgenommen. Die Pressestimmen:

Unter der Überschrift "Sessions gibt den Fortgeschrittenen-Kurs im Heucheln" kommentiert Andrew Rosenthal in der New York Times: "Sessions Erscheinen am Dienstag hat beinahe nichts aufgeklärt, aber es hat seine politischen Fähigkeiten herausgestellt. Am Ende seines Eröffnungs-Statements sagte er, dieser Präsident wolle sich auf die Menschen in diesem Land fokussieren und sicherstellen, dass sie fair behandelt werden und in Sicherheit leben. Er suggerierte, dass manche Menschen da andere Agendas hätten - und brach in eine Tirade über Opiatabhängigkeit und Gewaltverbrechen aus. ... Das Traurige ist, wie oft so ein Ablenkungsmanöver funktioniert."

Washington Post: "Die wiederholte Weigerung von Justizminister Jeff Sessions, die skeptischen Nachfragen des Abgeordneten zu beantworten, setzt eine lange und legale politische Tradition fort: Private Unterredungen zwischen dem Präsidenten und seinen Top-Beratern können oft vor dem Blick der Öffentlichkeit verborgen bleiben.

Anhörung von Jeff Sessions ähnelt dem Boxstil von Mohammed Ali

Aber Analysten streiten darüber, ob der Justizminister seine Privilegien als angemessen genutzt hat, um einem ehrenwerten Ziel näherzukommen oder ob er sie bloß als Ausrede genutzt hat, um Fragen abzuwehren, die er nicht beantworten will."

USA Today: "Mit seinem Schutz für das Weiße Haus hinterlässt der oberste Strafverfolger der Nation den Eindruck, dass er eher Donald Trump als das amerikanische Volk als seinen Haupt-Klienten ansieht."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Sessions bleibt vor dem Ausschuss bei seiner Linie aus den letzten Wochen: Er habe keine Geheimabsprachen mit Russland über eine mögliche Wahlmanipulation getroffen, erklärt er unter Eid und bezeichnet es als "entsetzliche und abscheuliche Lüge", dass er in eine russische Einflussnahme auf die Wahl verwickelt sein könnte. Auch private Treffen mit russischen Regierungsvertretern habe es nicht gegeben. Als Trumps Sicherheitsberater im Wahlkampf will Sessions lediglich zwei Mal den russischen Botschafter Sergej Kislyak zu Gesprächen getroffen haben."

Die Welt: "Die Anhörung von Sessions ähnelte dem Boxstil von Mohammed Ali. Sessions war immer auf der Flucht vor Wirkungstreffern der demokratischen Senatoren. Im Zweifel verweigerte er die Aussage - mit sehr zweifelhafter juristischer Begründung - und entzog sich damit jeglichem Versuch, zur Wahrheitsfindung beizutragen.

Zweierlei wurde jedoch deutlich: Es ist tatsächlich unwahrscheinlich, dass Sessions im Wahlkampf geheime Absprachen mit den Russen traf. Es ist aber auch gänzlich unglaubwürdig, wenn Sessions seine Treffen mit dem russischen Botschafter als Routinetermine seiner Senatorentätigkeit bezeichnet, die nichts mit seiner damaligen Funktion als Berater Trumps zu tun gehabt hätten."

Spiegel Online: "Immerhin: Sessions sagt in öffentlicher Sitzung aus. Er will damit zeigen, dass er nichts zu verbergen hat. Seine mögliche Scharnierfunktion zwischen Trump und den Russen nennt er eine "abscheuliche Lüge" und beteuert, Botschafter Sergej Kisljak während des Wahlkampfs zwar zweimal getroffen zu haben, aber ausschließlich in seiner Funktion als Senator und ohne dabei Halbseidenes im Sinn gehabt zu haben.

Die Vorwärtsverteidigung ist geschickt, er will Trump und sich selbst schützen. Gleichzeitig aber muss er vermeiden, Dinge zu sagen, die sich nachher als unwahr herausstellen. Das Dilemma führt dazu, dass Sessions an entscheidenden Stellen ganz erstaunliche Erinnerungslücken geltend macht."

Donald Trump bei seiner ersten Kabinettssitzung


tkr mit DPA