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US-Wahl 2020 Jetzt wird es persönlich: Joe Biden greift Donald Trump auf dessen Niveau an

Sehen Sie im Video: Bidens Konter – "Glaubt jemand an weniger Gewalt in Amerika, wenn Trump wiedergewählt wird?"




Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Joe Biden hat auf US-Präsident Donald Trumps Aussage reagiert, ein Amerika unter Biden wäre kein sicheres Amerika. "Vielleicht glaubt er, dass die Worte Recht und Ordnung ihn stark machen... Glaubt jemand an weniger Gewalt in Amerika, wenn Donald Trump wiedergewählt wird? Wir brauchen Gerechtigkeit in Amerika. Wir brauchen Sicherheit in Amerika. Ich finde es faszinierend, Zitat, ihr werdet nicht sicher sein in Joe Biden's Amerika. Und was ist deren Beweis? Die Gewalt, die wir sehen, in Donald Trump's Amerika." Trump liegt in den Meinungsumfragen hinter Biden. Er hatte die von Demokraten regierten Bundesstaaten und Städte beschuldigt, die Kontrolle über die teilweise gewalttätigen Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus zu verlieren, die seit dem Tod von George Floyd Mitte Mai ausgebrochen waren. "Randalieren ist kein Protestieren, Plündern ist kein Protestieren, Brände zu legen ist kein Protestieren. Nichts davon ist Protestieren. Es ist gesetzlos, ganz einfach, und diejenigen, die das tun, sollten strafrechtlich verfolgt werden." Biden sagte in seiner Rede in Pittsburgh zudem, dass die Menschen in Trumps Amerika nicht sicher vor der Lungenkrankheit Covid-19 seien und dass Trumps Krisenpolitik während der Pandemie der Wirtschaft schade. Die Präsidentschaftswahlen finden am 3. November statt.
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Bislang hat Joe Biden, demokratischer Präsidentschaftskandidat, Donald Trumps Namen nicht in den Mund genommen. Das aber ändert sich nun: Mit einer ungewöhnlich scharfen Rede geht der Herausforderer den Amtsinhaber persönlich an.   

Der Mann aus "seinem Keller in Delaware" (Donald Trump über Joe Biden) hat offenbar keine Lust mehr, den verhuschten Versöhner zu geben. Mit ungewöhnlich harschen Worten greift der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten den Amtsinhaber an und gibt ihm eine Mitschuld an der Gewalt bei Protesten in den Vereinigten Staaten: "Es brennen Feuer, und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht", sagte Biden, "er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie seit Jahren schürt. Und sein Unvermögen, seine Anhänger aufzurufen, nicht weiter wie eine bewaffnete Miliz in diesem Land aufzutreten, zeigt, wie schwach er ist."

Biden begibt sich auf Trumps Niveau 

Ursprünglich hatte Biden vorgehabt, in seiner Rede in der Stahlstadt Pittsburgh nur über den Kampf gegen das Coronavirus zu sprechen und über Wirtschaftslage. Doch dann entschied er sich dazu, sich auf das Niveau von Donald Trump zu begeben, sprich: persönlich zu werden. "Er (der US-Präsident, d.Red.) mag glauben, dass ihn die Worte Recht und Ordnung stark erscheinen lassen. Aber diese Bilder von Tod und Zerstörung zeigten nicht Bidens Amerika, sie zeigen Trumps Amerika", so der Demokrat und fragte rhetorisch in den publikumslosen Saal der Carnegie-Mellon-Universität: "Fühlen Sie sich sicher in Amerika?"

Die Antwort darauf dürfte in vielen Gegenden eher Nein lauten. In Portland, Oregon und in Kenosha, Wisconsin waren bei den anhaltenden Demonstrationen gegen Polizeigewalt in den vergangenen Tagen drei Menschen ums Leben gekommen. Der Chef des Weißen Hauses hat für seinen Wahlkampf den naheliegenden Schluss daraus gezogen, sich als Law-and-Order-Präsident zu verkaufen. Und Joe Biden als Mann des Chaos': "Niemand wird in seinem Amerika sicher sein", warf er seinem Herausforderer jüngst vor. Diese Breitseite kann und will der 77-jährige Ex-Vize-Präsident nicht auf sich sitzen lassen.

Biden fällt in Umfragen zurück

Bislang hatte Biden Donald Trump meist nicht einmal mit Namen genannt, sondern sich präsidial als Ausgleicher und Brückenbauer präsentiert. Möglicherweise aber verunsichern den Demokraten die jüngsten Umfragen, nach denen der US-Präsident nach dem Republikaner-Parteitag zwar nicht bedeutend zugelegt, sein Herausforderer aber an Zustimmung leicht verliert. Einige Experten glauben, dass ein Law-and-Order-Wahlkampf Trumps beste Chance ist, die Wahl im November zu gewinnen. Demoskopen wie der US-Umfrage-Promi Nate Silver dagegen hat bislang keine Daten, die belegen, dass ihm die Harte-Sheriff-Tour tatsächlich helfen wird.

Biden selbst verwahrte sich in Pittsburgh dagegen, mit den gewalttätigen Störenfrieden in einen Topf geworfen zu werden. "Krawalle sind kein Protest. Plünderungen sind kein Protest. Brandstiftung ist kein Protest. Das ist schlicht und ergreifend Gesetzlosigkeit", sagte er. Die Verantwortlichen für solche Taten müssten zur Rechenschaft gezogen werden. "Gewalt wird keinen Wandel bringen", sagte der 77-Jährige. "Sie wird nur Zerstörung bringen."

Donald Trump bricht nach Kenosha auf

Donald Trump will den Ort Kenosha in Wisonsin an diesem Dienstag besuchen und dort Vertreter der Sicherheitsbehörden treffen und bei den Ausschreitungen verursachte Schäden begutachten. Ein Treffen mit der Familie des dort von Polizisten angeschossenen Schwarzen Jacob Blake war zunächst nicht geplant. Vor Reiseantritt verteidigte der US-Präsident den Teenager, der im Zuge der dortigen Proteste zwei Menschen erschossen hatte: Die Demonstranten hätten den 17-Jährigen "sehr gewalttätig" angegriffen und er "wäre wohl getötet worden", sagte Trump.  Bislang gibt es kein offizielles Untersuchungsergebnis, das seine Sicht belegt.

Die Wahlkampfleitung Trumps warf Biden nach der Ansprache vor, er habe die Antifa nicht verurteilt und sich nicht gegen Leute gewandt, welche die Polizei als "Krebsgeschwür" bezeichneten. "Diese linksgerichteten Randalierer sind Anhänger von Joe Biden." Trump twitterte: "Gerade gesehen, was Biden zu sagen hatte. Für mich sah es so aus, dass er die Polizei weit mehr beschuldigt als Randalierer, Anarchisten, Agitatoren und Plünderer."

Quellen: DPA, AFP, "New York Times", Fivethirtyeight, "Süddeutsche Zeitung", Real Clear Politics, Donald Trump auf Twitter


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