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John Kerry, US-Außenminister in spe: Erste Güte und doch zweite Wahl

Er war Präsidentschaftskandidat und ist seit Jahrzehnten Teil des Außenpolitik-Establishments in Washington: John Kerry. Nun soll er offenbar Hillary Clintons Nachfolger im Außenministerium werden.

US-Präsident Barack Obama hat sich US-Medienberichten zufolge für den demokratischen Senator John Kerry, 69, als Nachfolger von Außenministerin Hillary Clinton entschieden. Die offizielle Nominierung werde in der kommenden Woche erfolgen, berichteten die "Washington Post" und der Sender CNN. Die eigentliche Favoritin Susan Rice, 48, hatte nach wochenlangem Zwist mit den Republikanern aufgegeben. Als Kandidat für die Nachfolge von Verteidigungsminister Leon Panetta gilt der frühere republikanische Senator Chuck Hagel.

Republikaner sichern Unterstützung zu

Nach unbestätigten Angaben haben die Republikaner ihre Unterstützung im Senat für die Personalien zugesichert. Aus einer ganzen Reihe von Gründen werde die Entscheidung jedoch noch nicht in den nächsten Tagen verkündet, meldete der Sender ABC. Zunächst stünden die nationale Trauer wegen des Schulmassakers in Connecticut sowie weitere Personalentscheidungen im Kabinett im Vordergrund. In Obamas Umfeld wird Kerry als äußerst sachkundiger Außenpolitiker bezeichnet. "Er will die Probleme lösen und ist auch bereit, dafür gewisse Risiken in Kauf zu nehmen", zitierte die "Washington Post" ein frühes US-Regierungsmitglied. Nach drei Jahrzehnten als Senator zählt Kerry zu den profiliertesten Außenpolitikern. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses genoss das Vertrauen der Obama-Regierung.

Sowohl Kerry als auch Hagel gelten in außenpolitischen Fragen als ähnlich pragmatisch wie Obama. Zu den schwierigsten Aufgaben dürften die Frage eines Militäreinsatzes gegen Syrien und Iran sowie der US-Truppenabzug aus dem weiterhin instabilen Afghanistan zählen. Zudem steht die US-Haltung im Nahen Osten sowie gegenüber China auf dem Prüfstand.

Rice galt als Wunschkandidatin

Ursprünglich galt UN-Botschafterin Rice als Obamas Wunschkandidatin für die Nachfolge Clintons. Rice hatte jedoch am vergangenen Donnerstag im Streit um ihre Informationspolitik nach einer Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi aufgegeben. Der Personalwechsel in Obamas Kabinett kommt nicht überraschend. Panetta und Clinton kündigten schon vor der Wiederwahl des Präsidenten an, aus dem Amt ausscheiden zu wollen. Die Ehefrau des früheren US-Präsidenten Bill Clinton hatte kürzlich einen Schwindelanfall erlitten und sich beim Sturz eine Gehirnerschütterung zugezogen. Obama muss vor seiner zweiten Amtseinführung Ende Januar noch weitere Personalveränderungen im Kabinett stemmen. Er braucht einen neuen Finanzminister und nach dem jüngsten Rücktritt von David Petraeus auch einen neuen Chef beim Geheimdienst CIA. Der mögliche neue Verteidigungsminister Hagel ist zurzeit einer von Obamas Topberatern in Geheimdienstfragen. Hagel war 2009 nach zwölf Jahren im Senat, wo er unter anderem im Auswärtigen Ausschuss eine herausragende Rolle spielte, an die Spitze der Denkfabrik Atlantic Council gewechselt.

DPA/fgüs / DPA