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Kandidatenkür in Frankreich: Jospin will nicht antreten

Wer wird Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten? Favoritin ist Ségolène Royal - vorausgesetzt, ihr Lebensgefährte tritt nicht gegen sie an. Aufgegeben hat nun einer ihrer Kritiker: Ex-Premier Lionel Jospin.

In Frankreich hat sich der frühere sozialistische Regierungschef Lionel Jospin aus dem Rennen um die Kandidatur für das Präsidentenamt zurückgezogen. In einem Interview des Radiosenders "RTL" kündigte der 69-Jährige am Donnerstag offiziell an, nicht für die Sozialistische Partei zu kandidieren. Nach seiner Rückkehr auf die politische Bühne in diesem Sommer hatte er zuletzt einen neuen Anlauf auf das höchste politische Amt des Landes nicht ausgeschlossen.

Kandidaten müssen sich erklären

Die Entscheidung Jospins reduziert die Zahl der möglichen Kandidaten der Sozialisten auf eine Hand voll. Offiziell hat bisher niemand seinen Hut in den Ring geworfen. Bei den Wählern hat seit längerem laut Umfragen die 53-jährige Ségolène Royal die Nase vorn. Wen die Sozialisten im Mai 2007 ins Rennen schicken, entscheiden die Parteimitglieder im November. Von Samstag bis Dienstag müssen die Interessenten ihre Ambitionen verkünden. Pikant ist, dass einer von Royals möglichen Gegnern auch ihr Lebenspartner ist: Sozialistenchef Francois Hollande.

"Ich habe die weiseste Entscheidung getroffen"

Dem Sender RTL gegenüber begründete Jospin seine Entscheidung damit, dass es ihm nicht gelungen sei, die Partei auf seine Person einzuschwören. "Ich bedauere es nicht. Ich habe die weiseste Entscheidung getroffen", sagte der frühere Wirtschaftsprofessor. "Ich habe immer gesagt, dass ich nicht von einer Lösung für die Sozialistische Partei zu einem Problem werden will", sagte er. Jospin hatte sich nach der verheerenden Niederlage bei der Präsidentenwahl im Jahr 2002 aus dem politischen Leben zurückgezogen. Der rechtsextreme Politiker Jean-Marie Le Pen kam damals in der ersten Wahlrunde auf den zweiten Platz nach dem späteren Sieger und Amtsinhaber Jacques Chirac und drängte Jospin so frühzeitig aus dem Rennen. Kritiker werfen Jospin vor, seine Niederlage nie wirklich analysiert zu haben und hätten eine neue Kandidatur daher eher als Belastung denn als Gewinn für die Sozialisten gesehen.

Royal liegt vorn

Nach den jüngsten Umfragen wünschen sich 54 Prozent der sozialistischen Wähler Royal als nächste Präsidentin. Jospin kam darin zuletzt auf rund 21 Prozent und damit an zweiter Stelle. Er hatte es in den vergangenen Wochen vermieden, Royal explizit zu kritisieren. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass Jospin mit ihren Vorschlägen, etwa die von den Sozialisten eingeführte 35-Stunden-Woche in Frage zu stellen, nicht einverstanden ist.

Royal werden mit Blick auf mögliche konservative Kandidaten aus dem Regierungslager ebenfalls gute Chancen eingeräumt. Eine weitere Umfrage ergab zuletzt, dass Royal den heißesten Kandidaten der Konservativen, Innenminister Nicolas Sarkozy, in beiden Runden knapp schlagen könnte. Ihr Sprecher, Gilles Savary, begrüßte den Rückzug Jospins. "In diesem Land deutet alles auf eine tiefe Sehnsucht nach einer neuen Ära und neuem politischen Personal hin", sagte er und appellierte an Jospin, Royal zu unterstützen.

Fabius setzt auf linke Akzente

Bis Dienstag nächster Woche müssen die potenziellen Kandidaten nun offiziell die Karten auf den Tisch legen. Auch Royal hat sich bislang nicht geäußert. Insbesondere spannend wird die Frage, ob auch ihr Lebensgefährte Hollande seine Kandidatur erklären wird. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder. Hollande hatte nicht ausgeschlossen, für seine Partei ins Rennen zu gehen.

Zudem wird erwartet, dass der frühere Regierungschef Laurent Fabius antreten wird. In seinem Politikprogramm hat er linke Akzente gesetzt und hofft, die rund 200.000 Parteimitglieder so überzeugen zu können. Mögliche Kandidaten sind zudem der frühere Finanzminister Dominique Strauss-Kahn, der in Meinungsumfragen zuletzt auf elf Prozent kam. Auch Jack Lang, der frühere Kulturminister, wird als Kandidat gehandelt. Ihm rechnen die Demoskopen aber geringere Chancen ein mit sieben Prozent. Hollande käme demnach auf drei Prozent. Allerdings entscheiden die Parteimitglieder nicht unbedingt so wie die Wähler, wie die Institute mehrfach betont haben.

Reuters / Reuters