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Kinderschänder Fourniret: Rückkehr ins Land der Opfer

Der "Ardennen-Mörder" Michel Fourniret ist nach Frankreich ausgeliefert worden. Dort soll ihm der Prozess gemacht werden. Fourniret wird vorgeworfen, mindestens sechs Kinder missbraucht und getötet zu haben.

Der "Ardennen-Mörder" ist zurück. Michel Fourniret (63) spielt allerdings mitnichten die Titelrolle in einer Wald- und Wiesen-Fernsehserie. "Serienmörder" und "Jungfrauenjäger", das sind vielmehr die makaberen Beinamen, mit denen die Pariser Presse den von Belgien an Frankreich überstellten Forstmann begrüßt hat. Dieser soll sich noch in diesem Jahr vor Geschworenen dafür verantworten, sieben Mädchen oder junge Frauen vergewaltigt und umgebracht zu haben. Die Ermittler halten das nur für die Spitze eines Eisberges. Angehörige der Opfer sehen mit dem Prozess die Zeit gekommen, ein Versagen der Justiz anzuprangern. Die Blutspur des Serientäters bewegt das Land.

"Er will seinen Platz in dem Buch der kriminellen Rekorde haben." Das sagt seine Frau und Komplizin Monique Olivier, die jahrelang mit Fourniret zusammen ein teuflisches Paar gebildet haben soll, ihn seit seiner Festnahme im Juni 2003 jedoch schwer belastet. Womöglich will sie so für sich selbst eine geringere Strafe aushandeln.

Ihr Ehemann, in Sedan in den Ardennen geboren, kultiviert unterdessen das Image eines Hannibal Lecter, jenes kannibalistischen Psychiaters im Streifen "Das Schweigen der Lämmer" - er ist wortkarg, lauscht lieber einem französischen Kultursender, verschickt Neujahrsgrüße in alle Welt.

Zelle in Frankreich ist bezogen

Den Untersuchungsrichtern in Charleville-Mézières ist der schmale Mann mit dem grauen Bart schon vorgeführt worden, seine Zelle in dem Gefängnis von Châlons-en-Champagne hat er bezogen. Kartonweise haben die belgischen Ermittler Belastungsmaterial zu Fourniret mit auf den Weg nach Nordrankreich gegeben. Zunächst geht es also "nur" um sieben Morde zwischen 1987 und 2001. "Wir sind mit dem Zählen der Bluttaten aber noch nicht am Ende", sagt ein französischer Ermittler.

Einige der Morde hat der Nordfranzose gestanden, doch ist noch längst nicht alles aufgedröselt. Keiner glaubt dem 63-Jährigen, der von 1990 bis 2000 eine Pause eingelegt haben will. Französische Experten klopfen mehr als 50 unaufgeklärte Mordfälle auf Spuren von Fourniret hin ab.

So dürfte ein zweiter Prozess folgen. Auch die Belgier haben noch eine Reihe Bluttaten aufzuklären. Die Anwälte der Angehörigen werden aber nicht lange warten wollen, um gegen Versäumnisse der Justiz auf die Barrikaden zu gehen. Denn dieser Mann, der nach eigener Aussage "zwei Mal im Jahr Jungfrauen jagen musste", stand schon im Jahr 1963 als 21-Jähriger wegen eines Sexualdelikts vor dem Richter. 1987 dann wegen Vergewaltigung verurteilt, soll er nur wenige Monate nach der Haftentlassung die 17-jährige Isabelle Laville umgebracht haben. "Von seiner kriminellen Vergangenheit hat nie jemand was gesagt", wunderte sich 1991 eine Krankenschwester, die Fournirets Attacke überlebte. Es ist merkwürdig, wie oft der Gewalttäter Schlupflöcher finden konnte.

Als überaus eifriger Leser vermischter Zeitungsnachrichten könnte Fourniret gern bei so manchem Mädchenmord bekannte "Vorbilder" in der Vorgehensweise nachgeahmt haben, auch um Spuren zu verwischen. Dazu zählen die Serienmörder Emile Louis und Francis Heaulme - Fourniret ist mit den ihm zur Last gelegten Untaten nicht allein. Und je nach Lage geht der Täter anders gegen seine Opfer vor. Das eine Mädchen erwürgt oder ersticht er, das nächste wird erstickt. Die Ermittler dürfen sich da nicht verwirren lassen. Vor ihnen liegt ein Berg an Arbeit bis zu dem, was ein Sensationsprozess zu werden verspricht.

Hanns-Jochen Kaffsack/DPA / DPA