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Krawalle in Frankreich: Ausschreitungen nach Sarkozys Wahlsieg

Autonome haben sich nach dem Sieg von Nicolas Sarkozy in Paris und anderen Städten Straßenschlachten mit der Polizei geliefert: Steine und Flaschen flogen, Wasserwerfer wurden eingesetzt und die Sicherheitskräfte bekamen nackte Hintern zu sehen.

Nach dem Sieg von Exinnenminister Nicolas Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist es in mehreren Städten zu Ausschreitungen gekommen. An der Pariser Place de la Bastille lieferten sich mehrere hundert Autonome eine Straßenschlacht mit Sicherheitskräften, die Polizei setzte Tränengas ein.

Ausschreitungen in mehreren Städten

Krawalle wurden auch aus Lyon, Grenoble, Rennes und Nantes gemeldet, wie der Fernsehsender BFM berichtete. In Clichy-sous-Bois nordöstlich von Paris wurden zwei Autos in Brand gesteckt. "Militante Anarchisten" hätten Polizisten mit Flaschen, Steinen und anderen Gegenständen beworfen, berichtete BFM. Einige zeigten den Sicherheitskräften den nackten Hintern.

Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Eine Person lag mit blutüberströmtem Gesicht auf dem Boden. Die Krawalle an der Place de la Bastille begannen gegen 21.30 Uhr, als Sarkozy-Gegner Polizisten mit Flaschen und Pflastersteinen bewarfen. Zahlreiche Schaulustige mischten sich unter die Demonstranten, die Menge wuchs auf mehr als tausend Personen an. Gegen 23.00 Uhr brachte die Polizei Wasserwerfer in Stellung. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt.

Mehrere autonome Gruppen und linksextreme Organisationen hatten zu der Anti-Sarkozy-Kundgebung aufgerufen, um ihrer Wut über die zu erwartende Niederlage der Sozialistin Ségolène Royal Luft zu machen.

Landesweite Unruhen

In Lyon ging die Polizei nach eigenen Angaben gegen rund 150 Demonstranten vor, die offenbar eine Feier von Sarkozy-Anhängern aufmischen wollten. Drei Personen wurden festgenommen, zwei Polizisten leicht verletzt. In Ris-Orangis in der Nähe des Flughafens Orly, in Corbeil-Essones und Evry wurden Schulen und ein Sozialzentrum mit Brandbomben angegriffen, wie die Gewerkschaft der Polizei mitteilte. Verletzt wurde offenbar niemand.

Klarer Sieg für Sarkozy

Sarkozy gewann die Stichwahl am Sonntag mit klarer Mehrheit: Er erhielt rund 53 Prozent der Stimmen, Royal scheiterte mit etwa 47 Prozent bei dem Versuch, als erste Frau den Élysée-Palast zu erobern. Sarkozy ließ sich auf der Place de la Concorde feiern und versprach vor tausenden Anhängern, er wolle der Präsident aller Franzosen sein. Er wolle Frankreich einen und "niemanden am Wegesrand zurücklassen", erklärte der 52-Jährige. "Ich will nur eins: dass ihr stolz auf euer Land und seine Geschichte seid", sagte Sarkozy weiter. Er werde die Franzosen "nicht verraten, ich werde euch nicht belügen, ich werde euch nicht enttäuschen."

Anschließend stimmte die Sängerin Mireille Mathieu die Nationalhymne, "La Marseillaise", an. Zuvor hatte Sarkozy seinen Wahlsieg mit Freunden, unter ihnen Altrocker Johnny Hallyday, in dem Edelrestaurant Le Fouquet's auf den Champs-Elysées gefeiert.

AP / AP